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Notstand im Hochtaunuskreis : Kein frisches Wasser für den neuen Gartenpool

Sorgt für den Ausgleich: Wassermeister Michael Moses im Hochbehälter in Grävenwiesenbach-Naunstadt. Die Gemeinde hat den Trinkwassernotstand ausgerufen. Bild: Wolfgang Eilmes

Trockenheit und Urlaub zu Hause zeigen erste Folgen. In zwei Taunusgemeinden musste der Trinkwassernotstand ausgerufen werden.

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          Grundkenntnisse in Mathematik reichen, um den Handlungsbedarf zu erkennen. „Vorige Woche wurden abends in einer Stunde 20 Kubikmeter Wasser aus einem Hochbehälter entnommen“, sagt der Grävenwiesbacher Bürgermeister Roland Seel (CDU). „Wir können aber nur neun Kubikmeter in der Stunde nachliefern.“ Als erste Gemeinde im Hochtaunuskreis hat Grävenwiesbach am Freitag den Trinkwassernotstand ausgerufen. Er gilt zunächst bis Ende August. Damit ist das Bewässern von Gärten und landwirtschaftlichen Flächen ebenso verboten wie das Füllen von Schwimmbecken und Autowaschen. Bei Verstößen sieht die Gefahrenabwehrverordnung der Gemeinde eine Geldbuße von bis zu 511,29 Euro vor – das entspricht den 1000 Mark, die noch in der aus dem Jahr 1991 stammenden Vorschrift aufgeführt sind.

          Bernhard Biener
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Anfang der Woche folgte die Feldberggemeinde Schmitten und erklärte ebenfalls den Trinkwassernotstand. Dort ist die Gefahrenabwehrverordnung erst 2019 erlassen worden. Das bei Verstößen drohende Bußgeld liegt mit 5000 Euro deutlich höher. Auch andere Kommunen wie Königstein und Kronberg haben in den vergangenen Jahren auf die anhaltende Trockenheit reagiert und entsprechende Verordnungen beschlossen, um es nicht bei Appellen zum Wassersparen belassen zu müssen.

          Obwohl der Sommer 2020 eher durchschnittlich erscheinen mag, hat es im Rhein-Main-Gebiet im Juli weniger geregnet als in den Dürrejahren 2018 und 2019. „Die oberflächennahen Schürfungen geben nicht mehr so viel Wasser“, sagt Seel. Im Tiefbrunnen sei zwar eigentlich noch genug, doch entscheidend für die Knappheit sei der hohe Verbrauch. Sorgenkind ist vor allem der Hauptort Grävenwiesbach. Aber wenn aus anderen Ortsteilen Wasser in den Hochbehälter gepumpt werde, müsse man auch dort auf den Verbrauch achten. Der Fremdbezug über die Leitungen aus Usingen und Weilrod habe Grenzen.

          Homeoffice trägt zum hohen Wasserverbrauch bei

          Vor zwei Jahren hatte Grävenwiesbach schon einmal den Trinkwassernotstand ausgerufen. Damals allerdings hatte es rein technische Gründe: Eine Überspannung hatte Pumpe und Aufbereitungsanlage im Tiefbrunnen ausfallen lassen, der Hochbehälter lief leer. Die Menschen in der Kerngemeinde mussten sich Wasser am Rathaus aus einem Hahn zapfen. So schlimm ist es diesmal nicht. „Für Essen, Trinken, Kochen und die Hygiene ist genug Wasser da“, sagt Seel. Und es kommt aus der eigenen Hausleitung. Aber es ist für den Bürgermeister nach seinen Worten seit seinem Amtsantritt 2012 das erste Mal, dass er den Notstand wegen der Trockenheit ausrufen muss.

          Die Folgen der Corona-Pandemie dürften nach allgemeiner Einschätzung mit zum hohen Verbrauch beitragen. Die Menschen arbeiten im Homeoffice statt im Büro in Frankfurt, viele verzichten auf eine Urlaubsreise und bauen stattdessen im Garten einen Pool auf, der befüllt werden muss. „Dabei haben wir mit großem Aufwand dafür gesorgt, dass das Freibad öffnen kann“, sagt der Schmittener Bürgermeister Marcus Kinkel (parteilos). „Trotz der Beschränkungen war es nie ausverkauft.“ Auch in Schmitten bewirkt der hohe Verbrauch eine Wasserknappheit. „Mehr Fremdwasser bekommen wir nicht, und die eigenen Brunnen verfügen nur noch über 20 Prozent Kapazität“, sagt Kinkel.

          Im Vordertaunus blieb es bisher bei Appellen. Die Stadt Kronberg sowie die Wasserversorger für Oberursel und Steinbach haben ihre „Wasserampel“ von Grün auf Gelb gestellt. Es bedeutet, dass der Verbrauch nahe an den höchsten Tagesspitzen liegt und die Gewinnungsanlagen mit sehr hoher Förderleistung arbeiten. Auch der Fremdwasserbezug nähert sich der mit dem Lieferanten Hessenwasser vereinbarten Höchstmenge. Deshalb soll Trinkwasser sparsam verwendet werden.

          Gartenbesitzer sollten nicht mehr als zweimal in der Woche Sträucher und Bäume wässern. Auf das Rasensprengen kann man ohnehin verzichten. Auch das Autowaschen mit Frischwasser sollte ebenso unterbleiben wie das Befüllen von Schwimmbecken. Zum sparsamen Umgang mit Wasser hat auch Königstein aufgerufen. Anders als beim Trinkwassernotstand in Grävenwiesbach und Schmitten handelt es sich hier noch um Empfehlungen.

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