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Taschendiebe in Frankfurt : Exempel am ersten Advent

Alles im Blick: Die Polizei ist mit uniformierten und zivilen Polizisten im weihnachtlichen Trubel unterwegs. Bild: Frank Röth

Auf Weihnachtsmärkten sind nicht nur Taschendiebe, sondern auch Zivilfahnder unterwegs. Sie haben es vor allem auf reisende Täter abgesehen.

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          Die Fahnder hatten die Frau schon nach wenigen Minuten bemerkt. Es war verdächtig, wie sie sich zwischen den Besuchern hindurch drängelte, mit leicht gesenktem Blick auf die Handtaschen der Damen vor ihr. Die Beamten folgten ihr unauffällig. Etwa 20 Minuten lang. Und als die Frau schließlich in die Handtasche einer japanischen Touristin griff und eine Geldbörse mit 170 Euro herauszog, nahmen die Beamten sie fest.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Offenbar war die Japanerin nicht das erste Opfer der 55 Jahre alten Rumänin. In ihrer Tasche fanden die Beamten rund 1100 Euro. Geld, das vermutlich ebenfalls gestohlen worden war. Denn die Taschendiebin war, wie sich herausstellte, auf asiatische Touristinnen spezialisiert. Und Frankfurt ist auch nicht die einzige Stadt, in der die Fünfundfünfzigjährige schon unterwegs war.

          Bereits acht Personen festgenommen

          Für die Zivilfahnder der Polizei ist der Frankfurter Weihnachtsmarkt jedes Jahr eine neue Herausforderung. Das dichte Gedränge, die vielen Besucher, das unübersichtliche Terrain, das ist ein Dorado für Taschendiebe. Dennoch gelingt es der Polizei jedes Jahr, die Szene weitgehend abzuschrecken. „Entscheidend ist immer das erste Wochenende“, sagt Marcus Druschke. Der Leiter des Kommissariats für Trick- und Taschendiebstahl setzt auf Abschreckung: „Finden dann schon viele Festnahmen statt, haben wir in der Regel in den nächsten Wochen Ruhe.“

          So könnte es auch in diesem Jahr sein. Bis Sonntag gab es 24 Fälle von Trick- und Taschendiebstahl, die der Polizei bekannt geworden sind. Acht Personen wurden bisher festgenommen, fünf sind inzwischen in Haft. Seit Sonntag ist die Zahl der Delikte schlagartig zurückgegangen. Druschke sagt: „Das werten wir als Erfolg.“

          Nicht mehr Geld als nötig mitnehmen

          Inzwischen kennt die Polizei das Klientel sehr genau. Viele Täter sind zuvor schon in anderen Städten aufgefallen. Sie bleiben zwei bis drei Tage, dann reisen sie weiter. Dennoch kommen immer wieder neue hinzu. Unter den Zivilfahndern heißt es deshalb, man dürfe nicht nachlassen. Auch, wenn einige Täter schon bekannt seien, „wir müssen immer auch ein eigenes Auge auf sie haben“. Aus diesem Grund ist die Polizei mit mehreren Dutzend Beamten in der gesamten Adventszeit in der Stadt unterwegs. Nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt suchen sie nach Dieben, sondern auch in Cafés und Restaurants. Auch dort treiben inzwischen viele reisende Täter aus Südosteuropa und Nordafrika ihr Unwesen.

          Erst vor einigen Tagen hat die Polizei zwei Männer in einer Gaststätte am Römerberg festgenommen. Die Beamten hatten die Täter auch diesmal zuvor beobachtet. Mit dem sogenannten „Jacke-Jacke-Trick“, bei dem der Täter am Tisch nebenan sitzt und von hinten in die Jacke greift, haben die 24 und 36 Jahre alten Beschuldigten 8000 Euro erbeutet. Die Opfer, ein Ehepaar aus Rüdesheim, hatten das Geld zuvor von der Bank abgehoben und wollten damit ein Auto bezahlen.

          Die Polizei warnt davor, in der Weihnachtszeit bei dichtem Gedränge auf den Einkaufsstraßen und in Cafés überhaupt mehr Geld als nötig mitzunehmen. Auch wichtige Papiere, die nicht unbedingt benötigt werden, sollten besser vorher aus dem Portemonnaie genommen werden. Weitere Informationen, wie man sich gegen Trick- und Taschendiebe schützen kann, bietet die Polizei an.

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