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Tribute-Show „Let it be“ : Die Illusion, die Beatles zu erleben

  • -Aktualisiert am

Im Look der Anfangsjahre: Szene aus „Let it be“. Bild: Brinkhoff/Mögenburg

Die Tribute-Show „Let it be“ präsentiert Stücke der Fab Four aus allen Phasen ihres Schaffens.

          Richard Porter ist ein Besessener. Das darf man sagen, weil der Londoner mit seiner Passion sein Geld verdient und es damit auch zu lokaler Bekanntheit gebracht hat. Porters große Leidenschaft sind die Beatles, die er verehrt, wie er sonst vermutlich nur seine Kinder liebt. Seine Begeisterung für die Band versucht Porter an fünf Tagen in der Woche mit den vielen Besuchern Londons zu teilen. Dann offeriert er zwei verschiedene Stadtspaziergänge, die die Touristen zu jenen Plätzen in der britischen Hauptstadt führen, an denen die Fab Four vor über vier Jahrzehnten Musikgeschichte schrieben. Die Touren führen zu Clubs und Pubs, zu Studios wie Trident und Abbey Road und selbstverständlich auch zum wohl berühmtesten Zebrastreifen der Welt, auf dem täglich Hunderte von Menschen für einige Sekunden John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr als Spaziergänger nacheifern wollen.

          So anekdotenreich Porter über die Londoner Jahre der Beatles zu erzählen weiß, überlässt er den zu den Rundgängen passenden Soundtrack doch der Imagination jedes Einzelnen. Die Musik spielt im Kopf, die Hits der Beatles gibt es allenfalls als Konserve. So war es zumindest in den vergangenen Jahren, doch könnte Porter nun seine Besucher ins West End zum legendären Savoy Theatre führen, wo seit Anfang dieses Jahres allabendlich den Beatles gehuldigt wird. „Let it be“ heißt die dort aufgeführte Tribute-Show, die das Publikum auf eine musikalische Zeitreise in die sechziger Jahre nehmen will. Obwohl die vier Musiker auf der Savoy-Bühne noch nicht einmal große Ähnlichkeit mit Lennon, McCartney, Harrison und Starr haben, verkaufen sie mit einigem Geschick die Illusion, den Beatles bei einem imaginären Konzert zuzusehen, bei dem diese Hits aus allen Phasen ihrer Karriere spielen. Solch ein Konzert hat es allerdings in Wirklichkeit nie gegeben, weil die Beatles 1966 aufgehört hatten zu touren und nur noch einmal - am 30.Januar 1969 auf dem Dach des Londoner Apple-Studios - live auftreten sollten.

          Andere Songs, andere Anzüge, andere Zeiten

          Doch allein nur ein Konzert der Beatles nachzustellen ist nicht Ziel des Showformats. Eher ist „Let it be“ eine musikalische Chronik des Schaffens der Beatles und ihrer Zeit, die sie ebenso prägten, wie die Gruppe von den Zeitläuften geprägt wurde. Daher folgt die Show auch nicht der Dramaturgie eines Rockkonzerts, das eher auf Emotion aus wäre, sondern präsentiert die Hits wie einen musikalischen Kalender, beginnend mit den frühen Beat-Hits aus dem Jahr 1963 wie „She loves you“, „From me to you“ oder „I want to hold your hand“, um dann Lied für Lied zu den immer komplexeren Kompositionen wie „Come together“, „A day in the life“ oder „I am the walrus“ zu gelangen, die die Beatles bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1970 in einem nicht enden wollenden Kreativrausch vorlegten.

          Mit den Kompositionen wandeln sich auch die Männer auf der Bühne von Anzüge tragenden Pilzköpfen zu langhaarigen Hippies mit Schnurrbärten, oder sie schlüpfen in die Phantasieuniformen der „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“. Mit den Kostümen ändern sich auch die Zeiten, vorgeführt auf den Videoleinwänden hinter und seitlich der Bühne. Dort flimmern fünf Jahrzehnte alte Werbefilmchen oder Ausschnitte aus Nachrichtensendungen, die vom Vietnamkrieg, von Protestmärschen, aber auch von Swinging London künden.

          Der Klang stimmt nicht immer

          Dieses Showformat erinnert nicht nur von ungefähr an die erfolgreiche amerikanische Tribute-Show „Rain“, die einst von Beatles-Enthusiasten in Kalifornien begründet wurde. „Let it be“ ist quasi die britische Variante und Weiterentwicklung von „Rain“, bei der ein Ensemble von insgesamt 15 Musikern den nahezu kompletten Beatles-Songkatalog so gekonnt einstudiert hat, dass ihnen in wechselnden Besetzungen die nahezu perfekte Illusion gelingt, den Zuhörern weiszumachen, dem weltberühmten Original zu lauschen. Wenn Ian Hornal als Paul, Ryan Coath als John, Paul Mannian als George und Ben Cullingworth als Ringo bei ihren bevorstehenden Deutschlandauftritten dem Verstand nicht immer ein Schnippchen schlagen können, liegt es am Sound.

          Den Klang der ursprünglichen Instrumente bekommen sie bei den vielen Wechseln nicht immer hin und müssen sich daher der Hilfe der Sampler-Technik bedienen. Doch solche Abweichungen lassen vor allem Fans vom Schlage eines Richard Porter stutzen. Der hat übrigens Gefallen an „Let it be“ gefunden und sich die Show schon mehrmals angesehen.

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