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Trauerfeier für Tugce : „Es hätte auch meine Tochter sein können“

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Anteilnahme war enorm: Auf einer Trauerfeier im hessischen Wächtersbach haben rund 1000 Gäste Abschied von Tugce Albayrak genommen. Die getötete Studentin wurde anschließend in ihrer Geburtsstadt beerdigt.

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          Der traurige Abschied von Tugce Albayrak beginnt in einem schmucklosen Gewerbegebiet von Wächtersbach. Dort steht neben einer Holzwerkstatt und Bahngleisen das gelbe Moschee-Gebäude des örtlichen Türkisch-Islamischen Kulturvereins (Ditib). Im Freien bahren Helfer den dunkelbraunen, geschmückten Sarg mit dem Leichnam der jungen Lehramtsstudentin auf. Viele der rund 1000 Trauergäste weinen, als ein Gebet für Tugce gesprochen wird, die nach einer Prügelattacke in Offenbach ins Koma fiel und daraus nicht mehr erwachte.

          Auf zwei Tischen vor dem Moschee-Gebäude liegen zahlreiche Blumengebinde, mit denen die Menschen ihre Anteilnahme und Trauer ausdrücken. Ein Gesteck aus rosa und weißen Rosen trägt ein Band mit der Aufschrift: „Es hätte auch meine Tochter sein können“. An einem anderen steht: „Unser Engel, Du wirst immer in unseren Herzen bleiben.“ Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und der türkische Botschafter in Deutschland, Hüseyin Avni Karslioglu, erweisen Tugce die letzte Ehre. Nach der Zeremonie wurde der Leichnam auf dem Friedhof ihrer Geburtsstadt Bad Soden-Salmünster beigesetzt.

          Nach dem gemeinsamen Totengebet wurde der Leichnam der Frau zum Friedhof im benachbarten Bad Soden-Salmünster überführt. Bilderstrecke
          Nach dem gemeinsamen Totengebet wurde der Leichnam der Frau zum Friedhof im benachbarten Bad Soden-Salmünster überführt. :

          Die tragische Geschichte der Lehramtsstudentin hat zahlreiche Menschen bewegt, viele drücken Entsetzen und Trauer über die sozialen Netzwerke im Internet aus. Egi Deidda und ihre 14 Jahre alte Tochter sind aus dem nahen Maintal zur Trauerfeier nach Wächtersbach gekommen. „Nicht jeder hat solch einen Mut wie sie. Ich hätte wahrscheinlich wie viele andere weggeschaut“, sagt die Mutter über Tugce.

          Die junge Frau war nach bisherigen Erkenntnissen in einem Schnellrestaurant zwei Mädchen zu Hilfe gekommen, die von Männern belästigt worden sein sollen. Darunter auch der Achtzehnjährige, der später auf dem Parkplatz zugeschlagen haben soll. Er sitzt seither in Untersuchungshaft. Noch ist unklar, ob der Schlag oder Tugces Sturz, bei dem sie mit ihrem Kopf heftig auf den Boden prallte, die letztlich tödlichen Verletzungen verursacht haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Für einen Tötungsvorsatz gebe es keine Anhaltspunkte, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Offenbach.

          Nach seinen Worten könnten die Ermittlungen in den ersten Monaten 2015 zu Ende gebracht werden. „In Haftsachen, insbesondere mit Jugendlichen, sollte möglichst innerhalb von sechs Monaten angeklagt werden und die Hauptverhandlung beginnen“, sagte er. Mit dem Ergebnis aller Obduktionsergebnisse sei im Januar zu rechnen. Zur aktuellen Ermittlungsarbeit gehöre auch, die Qualität des Videos vom Tatgeschehen auf dem Parkplatz verbessern zu lassen.

          Geprüft wird der Vorschlag, Tugce Albayrak posthum einen Verdienstorden zu verleihen. Bundesregierung und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hätten „große Sympathie“ für entsprechende Äußerungen von Bundespräsident Joachim Gauck, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Vor fünf Jahren war auch Dominik Brunner, Manager aus dem niederbayerischen Ergoldsbach, nach seinem Einsatz als Streitschlichter in München posthum mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.

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