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Trassen-Bau : „Kaum neue Strommasten“

Welt am Draht: Irgendwie muss die Energie vom Windrad zur Steckdose der Kunden gebracht werden - dazu braucht es Leitungen und Strommasten. Bild: dpa

Wie müssen die regionalen Verteilnetze aussehen, um die Energiewende zu verwirklichen? Das soll eine Studie klären, die die Landesregierung in Auftrag gegeben hat.

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          „Wir werden bei den regionalen Stromnetzen auf absehbare Zeit praktisch ohne neue Strommasten auskommen.“ Das ist eine der Schlussfolgerungen, die der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) aus einer Studie zieht, die gestern vorgestellt wurde. Sie sollte klären, was die Energiewende für die regionalen Verteilnetze bedeutet, die im Unterschied zu großen Stromtrassen wie Suedlink kürzere Distanzen überbrücken, um Haushalte, Büros und Unternehmen zu versorgen.

          Ewald Hetrodt
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Ausgangspunkt war das von der hessischen Politik einmütig proklamierte Ziel, bis 2050 den Bedarf an Strom und Wärme vollständig mit erneuerbaren Energien zu decken. „Ein Teil der Verteilnetze ist bereits heute ausreichend dimensioniert, um der prognostizierten Versorgungsaufgabe gerecht zu werden“, heißt es in der Untersuchung, mit der die Landesregierung das Fraunhofer-Institut und das Beratungsunternehmen Bearing Point beauftragt hatte. Wo eine Ertüchtigung nicht ausreiche und ein Ausbau nötig ist, will Al-Wazir ihn mit unterirdischen Kabeln bewältigen.

          Anstieg der erneuerbaren Energien

          Er betonte allerdings, dass die Energiewende nicht ohne die Digitalisierung der Netze funktioniere. Am Ende würden in Deutschland nicht mehr 500 Kraftwerke Strom ins Netz geben, sondern zwei Millionen Einspeiser – vom Windrad bis zum Solardach. Die dadurch bedingte Fluktuation des Angebotes könne man nicht mehr „von Hand auf einer Leitwarte steuern“.

          Die Fachleute rechnen damit, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch in Hessen auf 28 Prozent im Jahr 2024 und auf 43 Prozent im Jahr 2034 steigt. Der Verbrauch werde trotz Einsparungen, die sich durch eine höhere Effizienz erzielen ließen, insgesamt „geringfügig wachsen“. Wesentliche Treiber seien vor allem die Elektromobilität und elektrische Wärmepumpen. Hinzu kämen viele neue Rechenzentren mit großen Kapazitäten, die sich an den großen Internknoten der Ballungsräume ansiedeln würden.

          Energieeffiziente „Prosumer“

          Die Frage, wie stark das Netz ausgebaut werden muss, hängt nach der Einschätzung der Fachleute auch von den Anlagen ab, die elektrische Energie beziehen, aber auch einspeisen und speichern können. Je mehr es davon gebe, umso geringer sei die Notwendigkeit, das Verteilernetz auszubauen. Allerdings lasse sich heute noch nicht sicher abschätzen, wie viele solcher „Prosumer“ sich langfristig ans Netz anschließen würden.

          Die Kosten für den Ausbau der Netze seien „moderat und beherrschbar“, sagte Al-Wazir. Er kalkuliert mit höchstens 1,5 Milliarden Euro. Die Fachleute geben Empfehlungen, wie sich die Kosten mit Hilfe von innovativer Technik senken ließen. Nützlich sei daneben eine verlässliche Planung wie beispielsweise die Ausweisung von Windvorrangflächen. So etwas wünschen sich die Fachleute auch für Photovoltaikanlagen auf freien Flächen.

          Windstrom für das Ausland

          „Die Verteilnetze werden zum neuen Tankstellennetz“, konstatierte der Verband der kommunalen Unternehmen. Doch mit den Aspekten der Elektromobilität beschäftige sich die Studie nur in Ansätzen. Um zum Beispiel Fragen zu lösen, wie sich die Autos auf eine intelligente Weise laden ließen, seien umfassende Forschungen nötig. Außerdem müssten die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt werden.

          Die SPD-Landtagsfraktion schloss sich der Forderung an. Die Studie, die man jahrelang gefordert habe, bestätige den dezentralen und auf regionale Flexibilität ausgerichteten Ansatz der Sozialdemokraten. Die FDP stellte fest, dass nach dem aktuellem Monitoring der Landesregierung nur 0,05 Prozent des Stromverteilnetzes ausgebaut würden. „Es geht nur in mikroskopisch kleinen Schritten voran“, meinte Fraktionschef René Rock. Schon heute werde ein erheblicher Teil des subventionierten Windstroms im Ausland entsorgt, weil die Produktion am Bedarf vorbeigehe und Stromleitungen fehlten.

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