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„Transurban“-Projekt : Ein Archiv für das urbane Museum

  • -Aktualisiert am

Kollaboration: Die Sprayer Corone aus Frankfurt und 5Star aus Berlin schufen dieses Ensemble gemeinsam. Bild: Mai, Jana

Kunst im öffentlichen Raum ist vergänglich. Das „Transurban“-Projekt nimmt Werke in einen digitalen Katalog auf, um sie zu bewahren.

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          Il-Jin Choi steht neben der Honsellbrücke im Ostend am Mainufer von Frankfurt und erklärt, was ein Graffito ist: „Eine typographische Arbeit ohne Sinn“. In der Mitte des Flusses, direkt hinter Chois Rücken, ragt die Kaimauer auf, die vor zwei Jahren für Diskussionen über Kunst im öffentlichen Raum gesorgt hatte. Die Künstler Oguz Sen und Justus Becker hatten an prominenter Stelle ein Bild von Alan Kurdi, dem aus Syrien geflüchteten Jungen, der im Jahr 2015 tot an der türkischen Küste angespült wurde, an die Mauer gemalt. Anschließend beschmierten vermutlich rechte Gruppierungen das Gemälde. Sen und Becker übermalten das alte Bild mit einem von Plüschbären umgebenen, lächelnden Alan Kurdi.

          Graffitibegriff offen für Entwicklungen

          Choi erzählt den neun Besuchern einer Stadtführung zum Thema Kunst im öffentlichen Raum, dass er auch das Wandgemälde in seinem Rücken noch Graffito nenne, nicht Streetart. Der Graffitibegriff sei offen für Entwicklungen. In der Szene befänden sich die Dinge ohnehin, wie in der Kunstwelt insgesamt, im konstanten Wandel. Auch ihm sei es als Jugendlicher nur um das sogenannte Taggen gegangen; also um typographische Arbeiten ohne Sinn, außer vielleicht jenem, seinen selbst verliehenen Künstlernamen – Atem – an gut sichtbaren Stellen in der Stadt zu plazieren, illegal. Über die Jahre habe er seinen „Tag“ immer weiter entwickelt, immer kunstvoller gestaltet. Heute ist Choi fest in der Kunstwelt verankert. Er hat an der Städelschule bei Tobias Rehberger Kunst studiert und muss keine Sozialstunden mehr ableisten, wenn er Wände bemalt.

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