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Transrapid : Koch will Verhandlungen - Beck hat kein Geld

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Die Bundesregierung wie auch die Landesregierung von Rheinland-Pfalz haben der Neuauflage der Idee einer Transrapid-Verbindung zwischen den Flughäfen Frankfurt und Hahn im Hunsrück am Montag einen Dämpfer verpaßt.

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          Die Bundesregierung wie auch die Landesregierung von Rheinland-Pfalz haben der Neuauflage der Idee einer Transrapid-Verbindung zwischen den Flughäfen Frankfurt und Hahn im Hunsrück am Montag einen Dämpfer verpaßt. Das Bundesverkehrsministerium sagte allerdings eine Prüfung des Vorschlags von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) zu. Dieser setzt darauf, als Zuschuß zu den Baukosten der Strecke in Höhe von ungefähr 3,1 Milliarden Euro jene 1,75 Milliarden Euro zu bekommen, die der Bund Nordrhein-Westfalen zugesagt hatte. Im Bundesverkehrsministerium hieß es allerdings, dieses Geld sei gar nicht vorhanden, sondern müsse erst mobilisiert werden. Es sei "virtuelles Geld", wurde der Sprecher in Agenturberichten zitiert.

          Er wies zudem darauf hin, daß die am Wochenende von Koch ins Gespräch gebrachte Verbindung in den Hunsrück bereits einmal abgelehnt worden sei. Bevor sich der Bund darauf festgelegt hatte, die Transrapid-Strecken von Dortmund nach Düsseldorf sowie von der Münchener Innenstadt zum dortigen Flughafen zu fördern, hatte er drei weitere Strecken untersucht.

          Seinerzeit sei indes lediglich der Bau einer überwiegend eingleisigen Strecke geprüft worden, auf der zudem nur Personen-, nicht aber Güterverkehr beabsichtigt gewesen sei. Wenn nun eine zweigleisige Strecke geplant würde, auf der auch Güter befördert werden sollten, müsse das Vorhaben neu berechnet werden; das zweite Gleis werde allerdings die Baukosten erheblich erhöhen. Dazu sagte am Montag ein Sprecher der hessischen Landesregierung, über solche Details sei noch gar nicht gesprochen worden. Das gelte auch für die Frage, ob die Strecke in Frankfurt am Flughafen oder, wie seinerzeit geplant, am Hauptbahnhof beginnen würde. Durch einen Beginn am Flughafen ließe sich Geld sparen, weil die Verbindung dann kürzer würde.

          Aus der Landesregierung von Rheinland-Pfalz - über dessen Gebiet würde der größte Teil der Transrapid-Verbindung führen - meldete sich am Montag Verkehrsminister Hans-Artur Brauckhage (FDP) zu Wort. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur zufolge, das Projekt betrachte er lediglich als eine "technologiepolitische Vision". Einen Anlaß für einen Vorstoß sehe er nicht. Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums hob hervor, daß derzeit die Aufnahme einer ICE-Verbindung zwischen Frankfurt und Hahn in den Bundesverkehrswegeplan geprüft werde. Allerdings hatte sich am Wochenende der Vorsitzende der rheinland-pfälzischen FDP, Rainer Brüderle, dafür ausgesprochen, die Magnetschwebebahn zwischen Frankfurt und Hahn einzusetzen. Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) wiederum hatte gesagt, sein Land werde den Transrapid nur dann bauen, wenn der Bund die Kosten vollständig übernehme.

          Die hessische Landesregierung verbreitete am Montag nach einer Kabinettssitzung gleichwohl eine Pressemitteilung, in der es hieß, Hessen wolle "gemeinsam mit Rheinland-Pfalz" Verhandlungen mit dem Bund aufnehmen, und wenn der Bund 1,75 Milliarden Euro zahle, "würde der verbleibende Teil von Hessen und Rheinland-Pfalz erbracht werden". Ein Sprecher der Regierung in Mainz zeigte sich darüber verwundert. Verhandeln könne man immer, aber die Hessen könnten nicht entscheiden, wofür Rheinland-Pfalz Geld ausgebe. Am heutigen Dienstag werde sich allerdings das Kabinett mit der Frage befassen.

          In Hessen erntete Koch am Montag vorwiegend Lob für den abermaligen Vorstoß. Die SPD-Fraktion im Hessischen Landtag befürwortete das Vorhaben. Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Michael Denzin, forderte sogar, in einem zweiten Bauabschnitt müsse der Zug bis Brüssel und Luxemburg fahren. Hingegen äußerte der Bund für Umwelt und Naturschutz, der Transrapid wäre ein Milliardengrab. Außerdem sei nicht erkennbar, wie die Trasse auch nur halbwegs umweltverträglich über Raunheim und Rüsselsheim geführt werden sollte. Der Frankfurter Flughafenbetreiber, die Fraport AG, an der das Land mit 32,1 Prozent beteiligt ist, ließ wissen, der nach wie vor geplante Transrapid in München wäre "weniger rentabel" als einer in den Hunsrück. Das hohe Wachstum der Passagierzahlen in Hahn sichere eine hohe Auslastung. (mak.)

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