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Verlängerung der Straßenbahn : Tram von Frankfurt nach Bad Vilbel

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Verlängerung: Es wird überlegt, die Straßenbahnlinie 18 nach Bad Vilbel fahren zu lassen. Bild: Rojas, Diana Cabrera

Die Straßenbahnlinie 18 soll für rund 100 Millionen Euro von Frankfurt nach Bad Vilbel verlängert werden. Bis zum Sommer soll eine Analyse vorliegen, die klärt, ob sich die Erweiterung lohnt.

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          Eine Straßenbahnlinie könnte in Zukunft Bad Vilbel und Frankfurt miteinander verbinden. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und sein Bad Vilbeler Kollege Thomas Stöhr (CDU) unterzeichneten am Montag, dem 20. Januar, den Auftrag zu einer Potentialanalyse. Feldmann sagte: „Ich bin sicher, dass diese Trassenführung möglich ist.“ Die Studie soll bis zum Sommer vorliegen und danach eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden. Die Baukosten werden auf 20 Millionen Euro für jeden der bis zu sechs Trassenkilometer geschätzt. Die Politiker stellten auch Varianten für den Trassenverlauf vor.

          Eine neue Straßenbahn über die Frankfurter Stadtgrenze hinaus ist seit 110 Jahren nicht mehr gebaut worden. Zuletzt waren Bad Homburg und die Oberurseler Hohemark für Frankfurter auf Schienen erreichbar. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Stadt eher auf das Auto gesetzt, um den Verkehr in den wachsenden Städten zu bewältigen. Bisher ist Bad Vilbel schon über die S-Bahn-Linie 6 mit Frankfurt auf dem Schienenweg verbunden. In der Kurstadt hält diese in Dortelweil, dem Südbahnhof und dem Bahnhof Bad Vilbel.

          Doch inzwischen zwingen Staus und schlechte Luft die Planer dazu, den öffentlichen Nahverkehr stärker auszubauen. Die Zahl der täglich nach Frankfurt strebenden Autos sei in den vergangenen Jahren um 30 Prozent gestiegen, sagte Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling. Der SPD-Politiker hatte Pendler Ende 2018 mit der Ankündigung geschockt, er wolle die von Bad Vilbel nach Frankfurt-Sachsenhausen fahrenden Busse der Linie 30 an der Friedberger Warte stoppen. Begründung: Die Dieselbusse erhöhten zu sehr die Feinstaubbelastung im Stadtzentrum. Später nahm Oesterling die Ankündigung zurück – und verhandelte mit dem Bad Vilbeler Kollegen Sebastian Wysocki (CDU) über den Bau der Straßenbahn. Die Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq lässt nun berechnen, ob die nach Norden verlängerte Linie18 noch mehr als die 5000 Fahrgäste am Tag befördern könnte, die derzeit die Buslinie 30 aufnimmt.

          Zwei verschiedene Trassen-Varianten

          Beginnen soll die neue Linie an der Haltestelle Bodenweg südlich der Unfallklinik, kurz bevor die Linie 18 nach Preungesheim abbiegt. Die Schienen sollen entlang der Friedberger Landstraße (B521) nach Norden führen und in Bad Vilbel den Heilsberg hinunter entlang der Frankfurter Straße zum Südbahnhof.

          An der Stadtgrenze soll die Studie zwei Trassen-Varianten untersuchen. Die Straßenbahn könnte entweder an der Sudetenland- und Heilsbergsiedlung vorbei in Richtung Südbahnhof führen. Alternativ würde sie am Friedhof Heiligenstock schräg nach links auf die Alte Frankfurter Straße schwenken, die Siedlung durchqueren und dann nach einer Rechtskurve am großen Kreisverkehr die Frankfurter Straße erreichen. „Wir haben mehr als 6000 Einwohner in der Sudetenlandsiedlung und auf dem Heilsberg. Die wollen wir mitnehmen“, sagte Stöhr vor der Vertragsunterzeichnung. In Bad Vilbel hatte es zuvor Befürchtungen gegeben, die Straßenbahn würde diesen Stadtteil schlechter anbinden als die Buslinie 30.

          Schneller in Frankfurt als bisher

          Die Potentialanalyse soll auch klären, ob die Straßenbahn über den Bad Vilbeler Südbahnhof hinaus gebaut werden kann. Möglich wäre ein zusätzlicher Kilometer entlang der Kasseler Straße bis zum Nordbahnhof. Das würde die Tram mit diversen Zubringer-Buslinien aus dem Umland verknüpfen – und mit der von Altenstadt her kommenden Niddertalbahn. Letztere bringt zahlreiche Pendler in Richtung Frankfurt. Sollten sie in Bad Vilbel in die neue Straßenbahn umsteigen, könnten sie schneller als bisher das Frankfurter Nordend und ihre Arbeitsplätze im Osten Frankfurts erreichen.

          Unklar ist noch, ob die Straßenbahn in der Mitte der Ausfallstraßen oder am Rande fahren würde. Auf jeden Fall sind die Straßen nach Ansicht der Planer breit genug für den zusätzlichen Schienenweg. Noch gibt es keine Angaben darüber, ob alle oder einige der Auto-Stellplätze entlang der Straße wegfallen müssten.

          Die mindestens fünf Kilometer lange Straßenbahnstrecke würde laut Oesterling etwa 100 Millionen Euro kosten. Vom Bund erhoffen die Planer einen sechzigprozentigen Zuschuss, weitere 25 Prozent vom Land Hessen. Den Restbetrag teilten sich je nach Streckenlänge Frankfurt mit seiner Verkehrsgesellschaft Traffiq und Bad Vilbel mit dem Wetterauer Verkehrsträger ZOV. Ob die Tramlinie gebaut wird, entscheiden die Stadtverordneten beider Städte. Kein Politiker mochte am Montag, dem 20. Januar, vorhersagen, wann die Tram in Betrieb gehen könnte.

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