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Trainingsstart Darmstadt 98 : Auftakt mit Wackelkandidaten

  • -Aktualisiert am

Großer Name: Eine Stammplatzgarantie bei Darmstadt 98 gibt es für Kevin Großkreutz nicht. Bild: Jan Huebner

Am Dienstag startete Darmstadt 98 mit der Vorbereitung auf die kommende Saison. Während es in der Offensive an Personal mangelte, haben einige Spieler keine Zukunft mehr beim Zweitliga-Klub.

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          Und zur Strafe ab in die Mitte! Der Fehlpass im Eifer des Gefechts von Kevin Großkreutz, der vor Ärger kurz kräftig in die Hände klatschte, hatte Folgen. Jetzt musste der Darmstädter Fußballprofi im Kreis dem Ball hinterherjagen, während sich fünf Mannschaftskollegen um ihn herum auf engem Raum fleißig im flüssigen Passspiel übten. Es dauerte ein bisschen, bis der 29-Jährige als erfolgreicher Störenfried wieder Kontakt mit dem Ball aufnahm und dadurch zu seiner sichtbaren Freude in die nicht so kraftraubende Rolle des den Ball verteilenden Akteurs zurückkehren konnte.

          Auffällig oft hatte Großkreutz beim Trainingsauftakt der „Lilien“ am Dienstag ein Grinsen im Gesicht, außerdem scherzte er bei der einen oder anderen Gelegenheit, seine persönliche Situation schien ihn überhaupt nicht zu belasten. Der Weltmeister von 2014 zählt wohl zu den Kandidaten, die der Zweitliga-Klub in diesem Sommer trotz bestehenden Vertrags gerne von seiner Gehaltsliste streichen würde. „Wir haben unsere Vorstellungen klipp und klar dargestellt“, betonte Trainer Dirk Schuster, ohne die Namen von Spielern, denen die Perspektive aus Leistungsgründen am Böllenfalltor fehlt, zu nennen.

          Suche nach einem neuen Arbeitgeber

          Angesprochen auf die gute Laune von Großkreutz, merkte er nur grinsend an: „Es ist doch schön, wenn er sich der Aufgabe stellt und die Herausforderung annimmt. Wenn Kevin Spaß an der Arbeit hat, freut mich das um so mehr. Interna zu dieser Personalie“ wollte der Trainer auf Nachfrage ausdrücklich nicht preisgeben.

          Knapp fünfeinhalb Wochen nach dem finalen Ligaspiel in der Vorsaison gegen Aue (1:0) und dem harterkämpften Klassenverbleib konnten die Darmstädter bei der Wiederaufnahme ihrer Arbeit jeden Spieler gebrauchen. 14 Feldspieler und drei Torhüter bildeten die schmale Arbeitsgrundlage für Schuster an Tag eins der Saisonvorbereitung. Vom Trainerstab war Torwarttrainer Dimo Wache aus Krankheitsgründen abwesend. Stürmer Artur Sobiech hatte sich auf eigenen Wunsch vom Trainingsbetrieb freistellen lassen, der 28-Jährige bemüht sich um einen neuen Arbeitgeber.

          Es fehlt an Stürmern

          Den gleichen Arbeitsschwerpunkt verfolgen in diesen Tagen dessen Noch-Teamkollegen Julian von Haacke und Romuald Lacazette, deshalb tummelten sich die beiden ebenfalls nicht auf dem Trainingsplatz. „Die Jungs sind zu Gesprächen weg, stellen sich bei anderen Klubs vor und führen vielleicht schon erste Verhandlungen“, meinte Schuster. Dem Flügelflitzer Joevin Jones gewährte der Trainer aus privaten Gründen eine Urlaubsverlängerung. Auch Angreifer Terrence Boyd bekamen die 200 Zuschauer nicht zu sehen, Verein und Spieler konnten sich bisher nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen.

          Noch herrscht in der „Lilien“-Offensive personell eine ziemliche Flaute, denn auch beim Australier Jamie Maclaren, der bei der WM in Russland am Ball ist, ist alles andere als klar, ob er nach seiner Leihe zu Hibernian Edinburgh tatsächlich nach Darmstadt zurückkommen wird. Strenggenommen ist aktuell also nur Felix Platte Teil der Abteilung Attacke beim SVD. Und auch bei den drei Leihspielern der vergangenen Rückrunde, Romain Brégerie (zurück nach Ingolstadt), Dong-Won Ji (FC Augsburg) und Baris Atik (TSG Hoffenheim) konnten die Südhessen in Sachen möglicher Weiterbeschäftigung keine Klarheit erzielen. „Alle drei sind gute Spieler“, sagte Schuster. „Sollte es irgendeine Möglichkeit geben, diese Spieler zu halten, werden wir nichts unversucht lassen.“

          Erster in der Vorbereitung

          Präsenz zeigte am Dienstag immerhin der Däne Patrick Banggaard. Aber auch der in der Vorsaison ausgeliehene Verteidiger liebäugelt offenbar mit einer Rückkehr zu Roda Kerkrade. Zu jenem Klub aus den Niederlanden, der wahrscheinlich letzter Testspielgegner der „Lilien“ am 28. Juli sein wird, bevor Anfang August die neue Zweitliga-Runde beginnt.

          Vor allen Zweitliga-Rivalen haben die Darmstädter, die vom 9. bis 16. Juli ein Trainingslager im Schwarzwald beziehen, in Anwesenheit ihres bisher einzigen Neuzugangs Sebastian Hertner von Erzgebirge Aue ihre Vorbereitung gestartet. Auf Schuster machte sein Personal in der eineinhalbstündigen Einheit „einen ganz ordentlichen Eindruck. Aber das war nur ein lockerer Aufgalopp“, meinte er vielsagend. Am Donnerstag, nach dem Laktattest am Mittwoch, gehe es dann „richtig los“. Schuster, der Trainermanager, wird auch abseits des Platzes in den kommenden Wochen gefordert sein.

          In allen Mannschaftsteilen muss das Team verstärkt werden. Gesucht werden gut ausgebildete Spieler von Bundesliga-Vereinen, gestandene Zweitliga-Kräfte oder auch „sehr gute Drittliga-Spieler. Wir wollen den Kader qualitativ verbessern, um eine sorgenfreiere Runde zu spielen“, sagte Schuster. „Platz 16 oder 17 soll uns diesmal erspart bleiben, damit wir ruhiger schlafen können.“

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