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Trainer der Frankfurter Löwen : „Man darf in keiner Blase leben“

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Eishockey-Verrückter: Löwen-Coach Matti Tiilikainen lebt seinen Sport und fühlt sich wohl in Frankfurt. Bild: Jan Huebner

Matti Tiilikainen, der Trainer der Frankfurter Löwen, über den Sport in Finnland, seine kurze Karriere als Spieler, sein Leben als jüngster Coach im deutschen Profi-Eishockey und sein Prinzip, immer ruhig zu bleiben.

          Sie leben nun seit etwas mehr als einem halben Jahr mit Ihrer Frau und Ihren beiden Söhnen in Frankfurt. Was vermissen Sie am meisten an Finnland?

          Auf jeden Fall die Sauna. Und am meisten meine Familie und Freunde, ein bisschen auch die Landschaft. Frankfurt ist eine viel größere Stadt als Hämeenlinna. Dort leben nicht so viele Menschen, und man hat das Gefühl, dass alles nah, aber doch irgendwie weit entfernt von einem ist. Hier ist es schwieriger, mal mit den Kindern raus in die Natur zu gehen, aber es ist trotzdem schön. Ich kann mich nicht beschweren.

          Sportlich haben Sie sich in Deutschland schnell zurechtgefunden und die Hauptrunde der Zweiten Deutschen Eishockey Liga auf Platz eins abgeschlossen. Wie wird Ihre Arbeit bei den Löwen in Ihrer Heimat wahrgenommen, wo Sie lange erfolgreich beim Traditionsklub Hämeenlinna Pallokerho (HPK) im Jugendbereich gearbeitet haben?

          Ich glaube, dass es viele gut finden, was wir hier machen. Den Leuten ist bewusst, dass es nicht einfach ist, in ein fremdes Land zu gehen und dort zu coachen. Sie wissen, dass wir gut organisiert sind und ein tolles Team haben. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass man Erfolg hat. Dafür müssen die Trainer auch gut zusammenarbeiten. Ich denke, das ist uns bisher gut gelungen. Es ist keine riesengroße Sache in Finnland, aber wird durchaus positiv wahrgenommen.

          Sie sind mit 31 Jahren der mit Abstand jüngste Headcoach im deutschen Profi-Eishockey. Wie verschafft man sich Respekt gegenüber Spielern wie Eduard Lewandowski, der 38 Jahre alt ist und über 1000 Profispiele absolviert hat?

          Ich weiß nicht, ob er mich respektiert (lacht). Ich glaube, dass es auf die Kommunikation ankommt. Wir haben die gleichen Werte und Ziele und wollen alle gewinnen. Es ist wichtig, dass man ehrlich zu den Spielern ist und Wissen über Trainingsinhalte, Teamwork und Taktik vermitteln kann. Zudem muss man immer Mensch bleiben. Man darf niemandem die eigene Idee stur aufzwingen beziehungsweise denken, dass man schon alles über Eishockey weiß.

          Was bedeutet Eishockey für Sie?

          Eishockey ist ein großer Teil meines Lebens. Mit drei Jahren habe ich Schlittschuhlaufen gelernt. Bis ich 20 war, habe ich selbst gespielt. Dann habe ich angefangen zu coachen, und Eishockey ist mein Job geworden. Um 27 Jahre lang sein Leben nach dem Sport zu richten, muss man Eishockey auf jeden Fall lieben.

          Sie haben demnach einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen und Ihre Spielerkarriere schon mit 20 Jahren beendet, um Trainer zu werden. Was war der Grund dafür?

          Vielleicht war ich nicht so ein guter Spieler (lacht). Ich hatte auch viele Verletzungen. Im Alter von 18 bis 20 war ich dreimal an der Schulter verletzt. Dann bekam ich die Chance, Trainer zu werden, und musste überlegen, ob ich es noch mal in der dritten finnischen Liga probieren oder lieber eine Trainerkarriere anstreben will. Jetzt bin ich gesund und kann als Trainer das machen, was ich liebe. Es war damals eine harte Entscheidung für mich, aber ich bin mir im Nachhinein sicher, dass es die richtige war. Eishockey war weiterhin ein Teil meines Lebens. Ich war weiter in der Kabine dabei, was das Beste daran ist. Ich habe die gleichen Emotionen bei Siegen und Niederlagen gespürt und außerdem hat man als Trainer auch weiterhin Einfluss darauf, ob das Team gewinnt oder verliert. Das hat es erträglicher gemacht.

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