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Öffentlicher Nahverkehr : Berliner Kindl auf Frankfurter Straßen

  • -Aktualisiert am

Hochstapler: Wenn sie sich als funktional erweisen, könnten mehr Doppeldeckerbusse in Frankfurt fahren. Dieser ist eine Berliner Leihgabe. Bild: Etienne Lehnen

Die Verkehrsgesellschaft traffiq testet einen Doppeldeckerbus auf der Linie 30. Als Leihgabe aus Berlin bringt der Bus Kinder zum Strahlen und Erwachsene zum Diskutieren.

          Morgens kurz nach acht in Bad Vilbel: Das kleine Mädchen mit der rosa Haarspange wirft einen Blick auf die erste Sitzreihe im ersten Stock des Busses. Sofort legt sie die Stirn in Falten und lässt enttäuscht die Schultern hängen. Die Plätze sind besetzt. „Wir setzen uns einfach in die zweite Reihe“, will die Mutter trösten. Erfolglos.

          Der Doppeldeckerbus als Leihgabe aus Berlin

          Die erste Reihe auf der oberen Etage eines Doppeldeckerbusses ist wegen der Panoramaaussicht besonders begehrt. Auch auf der Linie 30, auf der die Nahverkehrsgesellschaft Traffiq vergangene Woche einen Doppeldecker auf der Strecke zwischen Bad Vilbel und dem Hainer Weg getestet hat. Der Vorteil: Er kommt besser um enge Kurven als der Gelenkbus, den man sonst auf der Strecke einsetzt. Aber nehmen die Kunden ihn an? Bringt er andere Schwierigkeiten mit sich? Um das zu erproben, hat Traffiq einen Doppeldecker aus Berlin geliehen. Woher der Bus stammt, davon zeugt schon die Aufschrift an der Busseite. Die Biersorte Berliner Kindl wirbt dort für sich.

          „Die Kinder sind ganz wild darauf“, sagt Busfahrer Dogan Altan. Manche warten lieber ein paar Minuten länger, um bei ihm mitzufahren. Andere steigen erst Stationen später aus, als sie eigentlich müssten, oder bleiben sogar sitzen, bis der Bus auf der einstündigen Rundfahrt an der richtigen Station noch einmal hält.

          Erwachsene zeigen sich weniger beeindruckt. „Ganz nett“, nennen es achselzuckend zwei Studenten. Ein anderer sagt, er erschrecke sich, wenn Baumäste gegen die Fenster schlagen. Die meisten der befragten Fahrgäste sind auf dem Weg zur Arbeit. Wenn die Pendler morgens nach Frankfurt rein- und abends rausfahren, dann müssen sie im Bus enger zusammenrücken. Das ist auch im Doppeldecker nicht anders. Spätestens ab der Friedberger Warte sind oben alle Sitze belegt. Unten stehen sie Schulter an Schulter gedrängt und blockieren die schmalen Treppen, die nach oben führen. So dauert es länger, bis die Fahrgäste ein- und ausgestiegen sind. Ob es zu lange dauert, wird ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung darüber sein, ob Doppeldecker in Frankfurt eingesetzt werden oder nicht. Der deutlichste Unterschied zwischen der oberen und unteren Etage ist die Temperatur. „Da oben gehst du ja ein“, stöhnt ein Mann, als er die Treppe heruntersteigt. Oben ist es tatsächlich deutlich wärmer. Andere aber finden es mollig warm.

          Kaum mehr Sitz- und Stehplätze als im Gelenkbus

          Eine Mutter und ein Vater sind sich uneinig, ob es in einem Doppeldecker weniger Platz für Kinderwagen gibt. Doppelt so viele hätten in den Gelenkbus gepasst, sagt er. Die Frau bestreitet das. Sie einigen sich darauf, dass es egal sei. Nachmittags um fünf sei auch der Gelenkbus manchmal so voll, dass sie mit dem Kinderwagen nicht mitfahren können. „Dann muss ich laufen“, sagt die Frau. 90 Sitz- und Stehplätze hat ein Gelenkbus. Nur wenig mehr sind es im Doppeldecker, weil auf der oberen Etage aus Sicherheitsgründen nicht gestanden werden sollte. Bei der Deckenhöhe von 1,7 Meter ist das auch nicht für alle bequem möglich.

          Nicht allen Erwachsenen ist die Busart egal. Bei manchen sieht man begeisterte Gesichter. Ab Konstablerwache leert sich der Bus, und eine Frau schnappt sich einen Platz in der begehrten ersten Reihe. Mit ihrem Handy macht sie ein Foto nach dem anderen von der Strecke, die sie jeden Tag fährt. Eine ältere Frau, die die Panoramaaussicht zwar nicht lockt, hofft dennoch, dass der Bus bleibt. „Man hat viel mehr Beinfreiheit.“

          Auch wenn sich Traffiq dafür entscheidet, Doppeldeckerbusse in Frankfurt regulär einzusetzen, wird das noch drei bis vier Jahre dauern. Die Busse müssten für Frankfurt extra angepasst werden.

           

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