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Traditionsbruch : Einstiges Badhaus ohne Gastronomie

Einkehr für schmale Geldbörsen: Die kleine Parkwirtschaft wird wieder aufgebaut. Bild: Rainer Wohlfahrt

Das Land Hessen investiert weitere Millionen in den Staatspark Wilhelmsbad in Hanau. Trotzdem werden nicht alle Wünsche wahr.

          3 Min.

          Ein von vielen Hanauer Bürgern seit langem gehegter Wunsch wird sich nicht erfüllen: Ein Speiserestaurant an der Wilhelmsbader Parkpromenade wird es nicht mehr geben. Nach den Worten von Finanzstaatssekretär Martin Worms soll das an den sanierten Arkadenbau im rechten Winkel anschließende Badhaus zwar ebenfalls in absehbarer Zeit renoviert werden. Aber ein Restaurant, wie es sich viele Jahre lang dort befand, werde nicht mehr eingerichtet. Das Gebäude solle künftig einer „musealen Nutzung“ dienen, sagte Worms auf Nachfrage am Rande der Feierlichkeiten zum Richtfest der wiedererstehenden sogenannten Kleinen Parkwirtschaft. Sie war im Jahr 2015 nach einer Brandstiftung teilweise niedergebrannt und soll in der zweiten Jahreshälfte 2020 wiedereröffnet werden.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Laut Worms würde es ein Pächter im Badhaus schwer haben, dort eine Gaststätte wirtschaftlich zu betreiben, da es in Wilhelmsbad mehrere Alternativen gebe. Im Sommer eröffnete der Hanauer Gastronom Emanuel Schimmelpfennig, Betreiber des Museumscafés im Schloss Phillippsruhe, des Märchencafés am Marktplatz und des Cafés Huttenhof in Steinheim, ein Bistro im Comoedienhaus an der Parkpromenade, das Gäste bei Vorstellungen bedient und außerdem jeweils von donnerstags bis sonntags zwischen 13 und 18 Uhr geöffnet hat. Bei schönem Wetter werden Kaffee und Kuchen auch auf der Terrasse serviert.

          Das Puppen- und Spielzeugmuseum im Arkadenbau lädt ebenfalls in ein kleines Café ein. Außerdem gibt es seit langem ein griechisches Restaurant mit Außenbewirtschaftung im ehemaligen Fürstenbahnhof sowie im Golfclub Wilhelmsbad ein Restaurant mit gehobener internationaler Küche. Worms, der selbst aus Hanau stammt, erinnerte an die Tradition, dass die Gastronomie in Wilhelmsbad lange Zeit zweigeteilt war. In der Großen Parkwirtschaft im Badhaus hätten die wohlhabenderen Hanauer gespeist, während in der Kleinen Parkwirtschaft Gäste mit schmalerem Geldbeutel anzutreffen gewesen seien. Dort habe es früher rustikale deutsche Küche gegeben und später ein italienisches Restaurant. Wie gut sich das Angebot in der Kleinen Parkwirtschaft etabliert habe, zeige die Tatsache, dass die Gäste dem Betreiber in den vergangenen Jahren treu geblieben seien, obwohl es nur ein Provisorium gebe. Im nächsten Jahr werde die Kleine Parkwirtschaft wiedereröffnet. Für eine Große Parkwirtschaft sehe das Ministerium keinen Bedarf. Wie die „museale Nutzung“ des Badhauses aussehen werde, stehe noch nicht fest. Dafür müsse noch ein Konzept entwickelt werden.

          Sanierung weiterer historischer Gebäude

          Die Stadt, politische Parteien und für Wilhelmsbad engagierte Bürger drängen seit langem auf die Wiedereinrichtung einer Gaststätte im Badhaus. Bisher wurde angenommen, dass mit einer Sanierung des Gebäudes ihre Einrichtung verbunden sein werde. Diese Hoffnung wird sich nun nicht erfüllen. Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) zeigte sich am Rand der Veranstaltung überrascht von den Plänen aus dem Finanzministerium. Die Stadt werde an dem Wunsch festhalten, sagte er der FAZ. In seiner Rede zum Richtfest hatte Worms den Hanauern nur Positives zu verkünden. Das Finanzministerium werde in Kürze dem Bedarf für die Herrichtung weiterer historischer Gebäude im Staatspark Wilhelmsbad unter der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten zustimmen. Dazu zählte der Staatssekretär neben dem Badhaus auch den Stallbau und den sogenannten Langen Bau an der Parkpromenade. Vorgesehen seien Investitionen von rund 16 Millionen Euro.

          Etwa die gleiche Summe wurde in den vergangenen Jahren in die inzwischen weitgehend abgeschlossene Sanierung des Arkadenbaus, des zentralen Gebäudes der Parkpromenade, investiert. Für die Sanierung des historischen Karussells kamen zudem rund drei Millionen Euro vom Land, weitere Millionen dienten der Herrichtung von Außenanlagen.

          Für die denkmalgeschützte, spätbarocke Kleine Parkwirtschaft werden Worms zufolge rund 5,3 Millionen Euro ausgegeben. Rund eine Million sei bisher verbraucht. Das Gebäude werde originalgetreu wiederaufgebaut, um seinen historischen Charakter zu erhalten. Ergänzend entsteht ein Nebengebäude mit Küche, Vorrats- und Kühlräumen sowie Sanitäranlagen.

          Glücklicherweise war das Gebäude durch den Anschlag nicht komplett abgebrannt. Das habe vor allem an der Bauweise gelegen, erläuterte Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen. Die damaligen Bauherren hätten eine massive „Mann-an-Mann-Decke“ einbauen lassen, eine aus eng aneinandergelegten Baumstämmen bestehende Decke zwischen Erd- und Obergeschoss. Sie habe verhindert, dass sich die Flammen weiter ausbreiteten. Ein Teil des Holzes habe bei der Neuerrichtung des Dachstuhls wiederverwendet werden können. Auch sei damals die Feuerwehr schnell zur Stelle gewesen, um Schlimmeres zu verhindern. Das Gebäude werde in Abstimmung mit dem Denkmalschutz behutsam renoviert, um den heutigen Anforderungen etwa der Barrierefreiheit und der historischen Bausubstanz zugleich gerecht zu werden. Die Schuldigen für den Brandanschlag konnten nicht gefunden werden. Die Nachforschungen wurden mittlerweile eingestellt.

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