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Abgabe für Übernachtungsgäste : Rheingau als zweitstärkste Marke

  • -Aktualisiert am

Rheingauer Attraktion: die Rüdesheimer Seilbahn zur Germania Bild: Marcus Kaufhold

Um gegen die Konkurrenz der Ausflugsziele bestehen zu können, muss sich der Rheingau weiterentwickeln. Dazu braucht es finanzielle Mittel. Hoteliers, Wirte und Politiker befürworten eine Tourismusabgabe.

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          Der Rheingau gilt als eine der schönsten Landschaften Deutschlands. Etwa sieben Millionen Tagesgäste aus der ganzen Welt besuchen jedes Jahr die Region und bescheren ihr rund 533 Millionen Euro Umsatz. Um gegen die wachsende nationale und internationale Konkurrenz bestehen zu können, muss sich die Destination jedoch weiterentwickeln. Seit 2016 diskutieren Wirte, Kommunalpolitiker, Hoteliers und Gewerbetreibende darüber, wie ein gemeinsames Marketing und Verbesserungen der touristischen Infrastruktur finanziert werden können. Die Erhebung eines Tourismusbeitrags könnte am 1. Januar 2021 beginnen, wenn sich die Rheingau-Kommunen einig sind und die entsprechenden Beschlüsse fassen, äußerte Rheingau-Taunus-Landrat Frank Kilian (parteilos) am Mittwochabend in einer Informationsveranstaltung.

          Etwa 120 Gäste waren in das Bürgerzentrum von Oestrich-Winkel gekommen, um sich über eine derartige Abgabe zu informieren. Neu war das Thema für die meisten Besucher nicht, und im Verlauf der Diskussion zeichnete sich ab, dass die meisten Rheingauer für einen Tourismusbeitrag plädieren. Thorsten Reineck, Geschäftsführer der Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH, wies darauf hin, dass die verschiedenen Verbände und Initiativen, die sich derzeit um die Vermarktung der Destination kümmern, etwa sechs Vollzeitstellen dafür zur Verfügung haben. Um die erarbeiteten Konzepte und Projekte zu realisieren, seien aber zehn Vollzeitstellen nötig. „Wir brauchen das Geld“, konstatierte er.

          Tourismusabgabe in Frankfurt bereits bewährt

          Eine Bettensteuer ist mehr oder weniger vom Tisch, und auch die Tagesgäste sind nicht mehr im Fokus der Akteure. Es ist zu kompliziert, von diesen einen Beitrag zu erheben. Zudem gibt es rechtliche Beschränkungen. Bleiben also die Übernachtungsgäste. 2018 wurden im Rheingau 756.072 Übernachtungen gezählt, vergangenes Jahr bewegten sich die Zahlen auf einem ähnlichen Niveau. Allerdings zahlen nur Privatgäste, denn Geschäftsreisende sind von einem Tourismusbeitrag befreit.

          Die Stadt Frankfurt erhebt schon eine solche Tourismusabgabe und hat nach Auskunft von Thomas Feda, Geschäftsführer der Congress und Tourismus GmbH, 2019 rund 7,6 Millionen Euro damit eingenommen. Laut Feda zählte die Main-Metropole rund zehn Millionen Übernachtungen, von denen etwa 35 Prozent privat veranlasst waren. „Bei uns läuft’s gut“, sagte er im Bürgerzentrum. „Sie sind ein Flaggschiff in dieser Region und die zweitstärkste Marke“, wandte er sich an die Anwesenden und wies darauf hin, dass der Rheingau in den nordeuropäischen Ländern sogar bekannter als Frankfurt sei. „Wir müssen uns gemeinsam vermarkten, und je mehr Geld Sie mitbringen, desto mehr bringe ich mit“, versprach der Geschäftsführer. In Frankfurt habe man sich auf eine Abgabe von zwei Euro pro Übernachtung geeinigt, was sich laut Feda als gute Entscheidung erwiesen habe.

          Mehrwert für den Gast

          Im Rheingau wird nach Auskunft von Reineck mit etwa 800.000 Übernachtungen kalkuliert, von denen zwei Drittel bis drei Viertel privat veranlasst seien. Sollte ein Beitrag von zwei Euro pro Übernachtung beschlossen werden, könnte dies bei zirka 600.000 privaten Übernachtungen Einnahmen von rund 1,2 Millionen Euro im Jahr generieren. Reineck machte am Donnerstag auf Nachfrage deutlich, dass dies eine Schätzung sei und die Kosten für die Erhebung des Beitrags noch abgezogen werden müssten. Im weiteren Verlauf des Abends überwogen die Wortbeiträge der Befürworter. Maresa Nieten vom Hotel Rüdesheimer Schloss sagte: „Die Akzeptanz des Gastes ist vorhanden. Die Gäste zahlen den Beitrag, ohne mit der Wimper zu zucken.“ Christian Bachelle vom Hotel Lindenau in Rüdesheim ergänzte: „Wichtig ist, dass wir es gemeinsam machen.“ Der Frankfurter Eduard Singer, Director Operations der IHG-Hotels, forderte die Hoteliers auf: „Gehen Sie mit breiter Brust an die Tourismusabgabe heran.“ Eine Destination wie der Rheingau könne sich das erlauben, zeigte er sich überzeugt. Es wurden allerdings auch Bedenken geäußert. Insbesondere die Vermieter von kleineren Pensionen und Ferienwohnungen fragten nach dem Mehrwert für die Gäste, und Martin Duda, der neue Tourismuschef in Rüdesheim, erinnerte daran, dass der Gast im Fokus zu stehen habe.

          Nun sind die sieben Rheingau-Kommunen sowie die Städte Flörsheim und Hochheim am Zug: Sie müssen die entsprechenden Beschlüsse fassen, damit der Tourismusbeitrag in Höhe von zwei Euro pro Übernachtung einheitlich erhoben werden kann. Sollte dies im ersten Halbjahr 2020 erfolgen, könnte im zweiten Halbjahr das exakte Konzept erarbeitet werden, wie Reineck bestätigte. Zudem müsse noch geklärt werden, wer die Einnahmen für welchen Zweck erhält. Dies sei jedoch der zweite Schritt.

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