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Im Gespräch: Jan Zimmermann : „Wir müssen nochmal neue Euphorie entwickeln“

  • Aktualisiert am

Nach der 3:1-Niederlage gegen Arminia Bielefeld im Hinspiel sind die Chancen auf den Aufstieg gesunken. Bild: dpa

Nach dem 1:3 im Hinspiel der Relegation gegen Bielefeld steht Zimmermann an diesem Montag zum vorerst letzten Mal im „Lilien“-Tor. Dabei hofft der 29 Jahre alte Keeper auf einen 3:0-Sieg im Rückspiel.

          Frei nach Jürgen Klopp gefragt nach der 1:3-Heimniederlage im Relegations-Hinspiel gegen Bielefeld: Das Ding ist durch, oder?

          Ich halte mit einem Sprichwort dagegen: Totgesagte leben länger. Zwar haben die Bielefelder viele Trümpfe in ihren Händen, und wir sind in der vergangenen Saison formal in die vierte Liga abgestiegen. Aber wir haben in diesem Spieljahr gezeigt, was wir leisten können.

          Ihr Trainer Dirk Schuster meinte, dass für den Zweitliga-Aufstieg nun „Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen“ müssten.

          Wir haben von Vornherein gesagt, dass wir die Relegation als Glücksfall und Chance betrachten. Jetzt steht es zur Halbzeit 1:3. Wir gehen in das Rückspiel mit demselben Enthusiasmus und Ehrgeiz, wie wir die gesamte Drittligasaison bestritten haben – und sind sicherlich nicht hoffnungslos.

          Man konnte den Eindruck haben, dass sich die Mannschaft im Hinspiel plötzlich der immensen Bedeutung des Spiels bewusst geworden und darüber verkrampft ist.

          Man muss auch sehen, dass Bielefeld gut gespielt hat. Denen kam es gelegen, auswärts zu starten. Die waren nicht in der Bringschuld, sondern konnten sich auf ihre Defensive und Konter konzentrieren. Dass der Zweitligist die Favoritenrolle im Spiel nicht angenommen hat, kam uns nicht gelegen. In der zweiten Halbzeit haben wir ja dann wieder den gewohnten „Lilien“-Fußball abgezogen: Vollgas-Fußball mit dem Herz in der Hand.

          Nun bedarf es in Bielefeld an diesem Montag mindestens dreier Tore. Steckt das im letzten Saisonspiel noch in den „Lilien“?

          Am Ende des Kalenderjahres 2013 hatten wir schon mal eine Phase, in der es schlecht lief. Da haben wir uns eindrucksvoll zurückgekämpft und das Jahr mit einem 3:0-Sieg gegen Elversberg abgeschlossen. Das nehme ich als gutes Omen, dass wir auch die Saison 2013/14 mit einem 3:0-Sieg abschließen können. Wir müssen nochmal alles reinwerfen und während des Spiels nochmal eine Portion neue Euphorie entwickeln. Nichtsdestotrotz wird es ein schwerer Gang.

          Fiele Ihnen der Abschied vom SV 98 im Fall des Nicht-Abstiegs etwas leichter?

          Wären sportliche Gründe ausschlaggebend gewesen, wäre meine Entscheidung nicht so ausgefallen. Mir würde der Abschied wesentlich leichter fallen, wenn wir aufsteigen, weil es dann der krönende Abschluss meiner dreieinhalb Jahre in Darmstadt wäre. Der Gedanke, Hauptsache, ich kann in Heidenheim in der nächsten Saison in der zweiten Liga spielen, liegt mir völlig fern.

          Wie oft müssen Sie als Identifikationsfigur des Klubs vor Ihrem letzten Spiel für die „Lilien“ über Ihre Gefühle reden?

          Das Reden ist das eine. Das andere ist das Sich-Bewusst-Werden der vielen Dinge, die man in diesen Tagen zum letzten Mal macht: das letzte Mal in den Bus steigen, das letzte Mal in die Kabine gehen, das letzte Mal die Fußballschuhe mit nach Hause nehmen. Da wird man schon sehr wehmütig, da kommen viele Emotionen hoch.

          Von der Frankfurter Eintracht in die vierte Liga zu den „Lilien“ und in dreieinhalb Jahren in die Zweitliga-Aufstiegs-Relegation ...

          ... das ist wirklich der Wahnsinn. In dieser Zeit stecken so viele emotionale Spiele, Entwicklungen und Veränderungen. Beim SV 98 ist alles familiär und der Kontakt zu den Fans sehr intensiv. Ich habe mich vom Typ her sofort mit dem Verein identifizieren können. Hier ist sich vom Präsidenten bis zum ehrenamtlichen Mitarbeiter niemand für etwas zu schade. Das Grundverständnis hat sich vom dritten Tabellenplatz in der Regionalliga bis zum Relegationsplatz in der dritten Liga nicht verändert.

          Sie haben in Heidenheim für drei Jahre unterschrieben. Ist eines Tages eine Rückkehr nach Darmstadt denkbar?

          Dass im Fußball alles schwer planbar ist, hat mir die Entscheidung so schwer gemacht. Jetzt heißt es für mich, das Fernweh zu stillen und woanders etwas zu erleben. Wenn ich es alleine planen dürfte: Dann würde ich zu einhundert Prozent wiederkehren, als Torwart oder in irgendeiner anderen Funktion und nochmal die Lilie auf der Brust tragen.

          Das Gespräch führte Alex Westhoff.

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