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Tischtennis : Eine schrecklich nette Familie

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Spitzenmann: Patrick Franziska spielt mit dem TTC Fulda-Maberzell ganz oben in der TT-Bundesliga Bild: AFP

Jung, schnell und sehr harmonisch: Der TTC Fulda-Maberzell, Nummer eins der Tischtennis-Bundesliga, beeindruckt die Konkurrenz mehr und mehr. Jetzt fühlt sich das Team um Patrick Franziska im Pokalwettbewerb an diesem Wochenende reif für den ersten Titel.

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          Was sich wie ein großes Kompliment für den TTC Fulda-Maberzell anhört, ist nicht ernst gemeint, weil es für die Gegner des Tischtennis-Bundesligavereins eine Bankrotterklärung wäre: „Die Fuldaer sind nicht mehr zu schlagen“ - diesen Satz bekommt deren junger Führungsspieler Patrick Franziska oft zu hören, auch von seinem namhaften Düsseldorfer Nationalmannschaftskollegen Timo Boll. Die Absicht des Rekord-Europameisters ist klar: Fulda soll sich in Sicherheit wiegen. „Jeder macht sich einen Spaß daraus, uns die Favoritenrolle zuzuschieben“, sagt der 21 Jahre alte Franziska. Mit 18:2-Punkten führt Fulda die Tabelle vor Frickenhausen und Düsseldorf (je 14:6) an, diese Souveränität hätte die Konkurrenz dem Primus nicht zugetraut. Insofern ist der Respekt vor der Überraschungsmannschaft mit ihrem 29 Jahre alten Spitzenspieler Wang Xi, der der beste Abwehrspieler der Liga ist, groß. Doch diese Dominanz hat jetzt erst recht den Ehrgeiz der anderen Teams geweckt. Boll sagt vor dem Pokal-Endturnier an diesem Wochenende in Stuttgart: „Ich will Düsseldorf zum Pokalsieg führen.“

          Er und Franziska waren an den Weihnachtsfeiertagen Trainingspartner in ihrer Heimat Höchst im Odenwald. Zwei bis drei Stunden übten sie jeweils vormittags gemeinsam in der Halle, die sie aus ihrer Jugendzeit gut kennen. Ihr Zusammenspiel ist nicht ungewöhnlich, schließlich bilden sie auch in Düsseldorf meist in der ersten Wochenhälfte eine Trainingsgruppe mit den anderen Nationalspielern. In Stuttgart hingegen könnten sie wieder zu Gegnern werden. Wie der Rekordmeister Düsseldorf will Fulda endlich den Titel gewinnen. Es wäre der erste für den Verein, der es bisher zu zweiten Plätzen gebracht hat - im Pokalwettbewerb 2012 und im ETTU-Cup. „Wir sind jetzt reif für den Pokalsieg“, sagt Präsident Stefan Frauenholz. Die erste und vermeintlich gut lösbare Hürde stellt am Samstag im Viertelfinale der verlustpunktfreie Zweitliga-Spitzenreiter der Nordgruppe, der TTC Schwalbe Bergneustadt, dar.

          „Wir wollen angreifen“, sagt Franziska. Neben dem Chinesen Wang Xi ist auch Mannschafts-Europameister Ruwen Filus, der aus Grenzau kam, ein Defensivspezialist. Allen drei gemeinsam ist ihr Schritt nach vorne in der persönlichen Bilanz. Bei Wang Xi stehen 12 Einzelsiegen nur drei Niederlagen gegenüber. „Er hat zu alter Stärke zurückgefunden“, sagt Frauenholz. Zwischen 2007 und 2012 wies Wang Xi dreimal die beste Einzelstatistik aller Erstliga-Profis vor. Trainiert wird er von seiner Frau Tan Jing, die früher für Darmstadt 98 in der zweiten Liga spielte. „Das habe ich so auch noch nicht erlebt“, sagt Franziska, dessen Bilanz 9:2-Siege lautet. „Man sieht, in China ist einiges möglich.“

          Immer drei Tage vor einem Bundesligaspiel kommt die Mannschaft in Fulda zusammen, nach den Einheiten unter Anleitung von Cheftrainer Qing Yu Meng finden dann gemeinsame Freizeitaktivitäten wie zum Beispiel Kinobesuche statt. Der Zusammenhalt wird beim Meisterschaftsanwärter groß geschrieben, damit sollen Nachteile im Vergleich zur „stärker gewordenen Konkurrenz“ (Frauenholz) wettgemacht werden. „Wir sind halt eine große Familie“, sagt das Vereinsoberhaupt.

          Er siedelt den Etat in Höhe von „insgesamt 400.000 Euro“ nur im „gehobenen Mittelfeld“ der Bundesliga an. Trotzdem kann das Angebot, das die Fuldaer Franziska für die Verlängerung seines Vertrags gemacht haben, mit dem des Liga-Giganten Düsseldorf mithalten. „Vom Finanziellen her werden sich die Angebote nicht so viel geben“, meint Frauenholz. Franziska will sich spätestens im Februar entschieden haben, wo er seine Karriere fortsetzt. Dass dies in der Bundesliga sein wird, steht für ihn bereits fest. „Meine Entwicklung kommt an allererster Stelle“, sagt er. „Es geht nicht nur um das Geld.“

          Im Wettbewerb mit anderen Sportarten in ihrer Stadt sind die Fuldaer Tischtennisspieler spitze. Die Wasserfreunde Fulda, der andere Bundesliga-Klub, werden wohl wieder in die zweite Liga abtauchen. Eine gute Perspektive soll sich dem TTC außerdem mit dem angedachten Olympiastützpunkt in Fulda bieten. Auf dem Weg dorthin plant der Verein zunächst den Aufbau einer Sportschule mit Leistungszentrum in seiner Spielstätte Wilmingtonhalle, die mit 850 Zuschauern in dieser Saison ein paarmal ausverkauft war.

          Die Fuldaer Stars waren früher die schwedischen Altmeister Jan-Ove Waldner und Jörgen Persson. Heute hingegen verkörpern deutsche Spieler, zu denen auch Philipp Floritz (21 Jahre) gehört, das neue, erfolgreiche Nachwuchskonzept in Fulda. „Wir spielen echt schönes Tischtennis“, sagt Franziska. „Das konnte man so nicht erwarten.“ In der vergangenen Saison hatte Fulda als Fünfter die Play-offs knapp verpasst. Von unschlagbar sein war da jedenfalls noch nicht die Rede.

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