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Deutscher Meister im Tipp-Kick : Kopfsache für Fingerfertige

  • -Aktualisiert am

Abwehrbereit: Michael Kaus bei seiner Lieblingsbeschäftigung am grünen Tisch Bild: Helmut Fricke

Michael Kaus ist im Oktober zum dritten Mal Deutscher Meister im Tipp-Kick geworden. Das war kein Kinderspiel, sagt er. Der gebürtige Frankfurter wurde damit zu einem der Größten des Tischfußballspiels.

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          Regungslos beobachtet Michael Kaus die Abwehrstellung seines Gegenspielers. Drei Sekunden hat er noch Zeit zu schießen. Er wechselt die sieben Zentimeter große Gusseisenfigur und drückt auf den Knopf auf ihrem Kopf. Das Bein bewegt sich und der zwölfeckige kleine Ball landet im sieben Zentimeter hohen Tor. Eins zu null.

          Tipp-Kick ist kein Kinderspiel, sondern ein ernsthafter Wettbewerb. Ein Match dauert zweimal fünf Minuten. Gespielt wird auf einer 106 Zentimeter langen und 70 Zentimeter breiten mit Filz überzogenen Holzplatte. Das ist ein im Verhältnis 1 zu 100 verkleinertes normales Fußballfeld. In jeder Mannschaft kommen ein Schütze und ein Torwart zum Einsatz. Der Feldspieler wird, je nachdem ob der Schuss vom Eckpunkt oder besonders präzise erfolgen soll, ausgetauscht, der Torwart steht meist aufrecht, kann aber auch zur Seite geneigt werden. Je stärker der Spieler auf den Knopf des Schützen drückt, desto schärfer der Schuss.

          Zum dritten Mal Deutscher Meister

          Der Bad Vilbeler Michael Kaus ist der amtierende Deutsche Meister im Tipp-Kicken. Anfang Oktober gewann er den Titel bei der Deutschen Einzelmeisterschaft in Köln, zum dritten Mal nach 2016 und 2018. Der gebürtige Frankfurter wurde damit zu einem der Größten des Tischfußballspiels, das mehr als 500 in Vereinen organisierte Enthusiasten als Hobby und Wettkampf betreiben. In der Tipp-Kick-Bundesliga treten derzeit 45 Spieler in neun Vereinen an. Der 49 Jahre alte Kaus ist seit 33 Jahren für den Tipp-Kick-Club (TKC) Gallus aktiv, seit seinem ersten Titelgewinn 2016 ist er einer der Stars der Szene.

          Wenn der Bad Vilbeler über seinen Werdegang nachdenkt, muss er grinsen. Ironie des Schicksals: „Mehr als 20 Jahre habe ich nach diesem Titel gehechelt“. In dieser Zeit sei er bei den Meisterschaften oft nur knapp gescheitert. Vor seinem ersten Titelgewinn hatte er sich schon mit einem Schicksal als „Ivan Lendl des Tipp-Kicks“ abgefunden. So wie der frühere Tennisstar dem Sieg in Wimbledon, so schien auch Kaus dem deutschen Meistertitel vergeblich hinterher zu rennen. Er sei vor lauter Ehrgeiz zu verbissen und verkrampft gewesen, sagt er heute. Erst vor wenigen Jahren habe er jene „gewisse Lockerheit“ erreicht, die für den Gewinn großer Titel unumgänglich sei.

          Ob bei der Abwehr oder beim „Brettern“, den harten Schüssen, Kaus beherrscht alle Variationsmöglichkeiten beim Tipp-Kick-Spiel. Gefragt, was ihn besonders auszeichne, nennt er Feingefühl, mentale Stärke und das Wissen um seine Fähigkeiten. Der gelernte Kaufmann arbeitet heute als Immobilienhändler. Wie viele Stunden in der Woche er am Spieltisch trainiert, will er nicht verraten. So viele wie zu Beginn seiner Karriere, als er täglich mehrere Stunden an der Platte stand, seien es jedenfalls nicht mehr, sagt er bloß. Den Mangel an Training mache er inzwischen durch Routine und Erfahrung wett.

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