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Tigermücke in Hessen : Den Winter leider überlebt

Folgen des Klimawandels: Die Asiatische Tigermücke fühlt sich nun auch in Hessen offenbar sehr wohl. Bild: dpa

Lästiger Blutsauger entdeckt: Dieser Gast aus Fernost ist im Rheingau definitiv nicht willkommen. Doch die Asiatische Tigermücke hat andere Pläne und will offenbar bleiben.

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          Im Herbst vergangenen Jahres hatte ein aufmerksamer Oestrich-Winkeler Bürger der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) ein Exemplar einer Asiatischen Tigermücke zugesandt. Ein Alarmsignal, denn diese höchst anpassungsfähige Stechmücke ist ein unbeliebter Einwanderer. Doch begünstig offenbar der Klimawandel seine weltweite, unaufhaltsame Verbreitung. Bei der KABS waren die Experten jedenfalls alarmiert, und bei ersten Nachkontrollen vor wenigen Wochen wurden in der Nähe des Standorts der Entdeckung des Jahres 2019 neue Larven der Asiatischen Tigermücke nachgewiesen. Offenbar hat das Insekt den Rheingauer Winter überlebt, und die Experten gehen nun von einer – wenn auch „kleineren“ – Population aus.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Die Stadtverwaltung, das Gesundheitsamt des Rheingau-Taunus-Kreises und die KABS bitten nun die Bürger um Unterstützung, um die mögliche Gefahr und weitere Ausbreitung frühzeitig zu stoppen. Die aus Südostasien stammende Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) breitet sich schon seit dem Ende des 20. Jahrhunderts in der Folge der Globalisierung, dem zunehmenden internationalen Warenhandel und der weltweiten Mobilität der Menschen aus. Sie kann eine große Bandbreite natürlicher und künstlicher Wasseransammlungen zur Aufzucht ihrer Larven zu nutzen und sich dank dieser Anpassungsfähigkeit in neuen Gefilden schnell ansiedeln. Laut KABS wurde im Sommer 2015 in einer Kleingartenanlage in Freiburg im Breisgau die erste größere Ansiedelung der Asiatischen Tigermücke in Deutschland entdeckt. Ende 2015 wurden in Heidelberg und im Sommer 2016 im Kraichgau weitere Vorkommen der invasiven Stechmückenart bestätigt. Danach gab es Meldungen vor allem aus der klimatisch begünstigten Oberrheinebene.

          Die Asiatische Tigermücke ist eine bis zu zehn Millimeter kleine, aber sehr aggressive Stechmückenart, deren Weibchen den Menschen auch am hellen Tag hartnäckig verfolgen. Laut Stadtverwaltung kann es bei hohen Populationsdichten zu starker Belästigung, zur Einschränkung des Freizeitverhaltens kommen.

          Die Mücke gilt zudem vor allem in tropischen Zonen als Überträgerin von Viren wie den Chikungunya-, Zika-, und Dengueviren. Diese Gefahr sei unter den kühleren klimatischen Bedingungen in Deutschland zwar geringer. Eine Übertragung von Viren könne jedoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Daher ist es gerade zu Beginn des Aufbaus von Populationen wichtig schnell aktiv zu werden, um die dauerhafte Ansiedlung von Asiatischen Tigermücken zu verhindern.

          Kampf gegen den Blutsauger

          Tauchen in den Kommunen des Vereins KABS Tigermücken auf, ist die Arbeitsgemeinschaft für Kontrolle und Bekämpfung zuständig. Um mehr Informationen zu gewinnen, wird sie in Abstimmung mit der Stadtverwaltung und dem Gesundheitsamt in den nächsten Tagen Stichprobenkontrollen im Umkreis von wenigen hundert Metern um die Fundstelle vornehmen. Mögliche Brutstätten sind alle Behälter, in denen sich Wasser ansammeln kann und für mindestens fünf Tage nicht vollständig austrocknen wird. Das können Regentonnen, Eimer, Topfuntersetzer, Gullys oder verstopfte Dachrinnen sein Da sich viele der potentiellen Brutstätten auf Privatgrundstücken befinde, werden die Bürger gebeten, den KABS-Mitarbeitern Zugang zu den Grundstücken und die Kontrolle möglicher Brutstätten zu ermöglichen. Sie werden im Vorfeld durch Hauswurfsendungen informiert.

          Zudem appelliert die Stadt, dass sich Bürger aus ganz Oestrich-Winkel melden, die in ihrem Garten Regentonnen oder vergleichbare Behälter stehen haben. Diese Tonnen können – nach Terminabsprache – auf Tigermückenlarven kontrolliert werden. Regentonnen gelten wegen ihrer recht großen Oberfläche und der Wassermenge als potentielle Massenbrutstätten für Tigermücken.

          Werden ihre Larven entdeckt, so werden die betroffenen Brutstätten mit einem biologischen Wirkstoff behandelt. Es handelt es sich um ein Eiweißkristall namens Bacillus thuringiensis israelensis, das nur für die Larven weniger Mückenarten tödlich ist. Es hat sich seit mehr als vier Jahrzehnten weltweit in der biologischen Stechmückenbekämpfung bewährt.

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