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Tierzucht in Zoos : Partnerbörse für Tiger und Tauben

  • -Aktualisiert am

Katzen-Single: Für Tigerin Malea findet sich derzeit kein passender Partner in den Zuchtprogrammen Bild: Wonge Bergmann

Wenn im Zoo Tiere zur Welt kommen, dann erfreut das nicht nur die Besucher, sondern auch die Schützer bedrohter Arten. Sie suchen weltweit in Zoos Partner für die Paarungen.

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          Malea leckt sich die Tatzen. Vor anderthalb Jahren hat die Tigerin ihren Partner Iban verloren, seitdem streift sie allein durch ihr Gehege im Zoo. Doch das soll sich ändern, so wünscht es sich Zoodirektor Manfred Niekisch. Weltweit sucht er nach einem Sumatra-Tiger für Malea, bisher ohne Erfolg. „Es gibt momentan kein männliches Tier, das altersmäßig und genetisch zu ihr passt“, sagt Niekisch. Für die Zucht sei das zwar schade, für die Tigerin aber nicht weiter schlimm, denn die großen Katzen seien ohnehin Einzelgänger.

          Für ein Wildtier auf Partnersuche zu gehen ist eine komplizierte Angelegenheit. Weltweit tauschen Zoos ihre Tiere aus. Drei verschiedene Zuchtprogramme geben dafür die Regeln vor. Daran beteiligt sind überwiegend wissenschaftlich geführte Zoos. Sie müssen einen hohen Standard in der Tierhaltung nachweisen. Beim Austausch von Zootieren fließe grundsätzlich kein Geld, hebt Niekisch hervor. Zwei der drei Zuchtprogramme sind auf Europa beschränkt, ein drittes umfasst Zootiere auf der ganzen Welt.

          „Zoo-Populationen sollen sich selbst erhalten“

          Um den Tieren weite Reisen und somit Stress zu ersparen, hat der Frankfurter Zoo zunächst in Europa nach einem Partner für seine Tigerin gesucht, im europäischen Erhaltungszuchtprogramm. Dort sind vor allem bedrohte Arten wie der Sumatra-Tiger verzeichnet. Koordinatoren geben für jede der mehr als 150 erfassten Arten Empfehlungen, welches Tier mit welchem gepaart werden sollte. Ziel des Zuchtprogramms ist vor allem die Arterhaltung.

          Im zweiten europäischen Zuchtprogramm, dem European Studbook, sind 140 weniger bedrohte Tierarten verzeichnet. Je Art gibt es einen Zuchtbuchführer, einen Mitarbeiter eines Zoos, der die Daten des gesamten Bestands pflegt. Geburtsdatum, Geschlecht, Abstammung und die Art der Aufzucht werden in den Zuchtbüchern verzeichnet. Der Fokus des Programms liegt auf der Vermeidung von Inzucht. Dieses Ziel hängt eng mit dem Arterhalt zusammen, sagt Zoodirektor Niekisch: „Nur wenn keine Inzucht stattfindet, kann Arterhaltung auf lange Sicht betrieben und eine stabile Zoo-Population geschaffen werden.“ Das sei wichtig, weil die wissenschaftlich geführten Zoos unabhängig von der Natur werden wollten, ergänzt Kurator Stefan Stadler. „Die Zoo-Populationen sollen sich von selbst erhalten können, damit man keine Tiere mehr aus freier Wildbahn hinzu nehmen muss.“ Bei den meisten Arten sei das mittlerweile nicht mehr nötig - dank des koordinierten Austausches von Zootieren.

          Nicht nur die Gene entscheiden

          Die Partnerbörse hat aber auch Schwachstellen. Das Tauschsystem funktioniert nur, wenn die erfassten Daten korrekt sind. Bei der Abstammung gebe es jedoch vereinzelt Ungenauigkeiten, sagt Stadler. Bei einigen Arten sei es schwer festzustellen, welches Tier der Vater eines Neugeborenen sei. Gorillas lebten beispielsweise in großen Familienverbänden, daher könnten die Tierpfleger die Abstammung oft nur vermuten. In den meisten Fällen sei das dominante Männchen der Vater - es gebe aber auch immer wieder Ausnahmen. Mit Hilfe von Computerprogrammen könne diese Unsicherheit aber bei der Partnersuche berücksichtigt werden, sagt Stadler. Doch selbst wenn es genetisch passen würde, entscheidet sich Niekisch manchmal dennoch gegen die Aufnahme eines Tieres. Auch das Verhalten und die Art der Aufzucht müssen sich für Frankfurt eignen. „Bei handaufgezogenen Tieren ist es meistens schwer, sie in eine Gruppe zu integrieren“, sagt der Zoodirektor, darum vermeide er es, solche Tiere zu holen.

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