https://www.faz.net/-gzg-9k1xn

Tiermaler Wolfgang Weber : Der mit den Krokodilen schwamm

  • -Aktualisiert am

König der Löwen: Wolfgang Webers Skizzen dienten später als Bildvorlagen. Bild: Carlos Bafile

Wolfgang Weber war auf allen Kontinenten unterwegs, um Tiere zu malen. Mehr als einmal hat er sich in Gefahr begeben. Auch unfreiwillig. So wachte er einmal neben einem Gorilla auf.

          6 Min.

          Im Flur hängt die Welt an der Wand, auf einer Landkarte, die fast so groß ist wie die Wand und sehr an Schule erinnert. Wenn Wolfgang Weber mit dem Finger über die Kontinente und Meere fährt, sagt er nur: „Da war ich schon, da war ich schon, da war ich schon.“ Von Süd nach Nord, von West nach Ost, er lässt nichts aus. Auch nicht die Antarktis.

          Schiffsmodelle, Seile, Speere und die „Gruppe fünf“ – der Flur ist auf den ersten Blick ein Kuriositätenkabinett und auf den zweiten das Entrée zu einem wunderbaren Haus im Dichterviertel, in dem jeder Gegenstand eine Geschichte erzählt. Zum Beispiel die „Gruppe fünf“. Das ist eine Gorilla-Familie. Wolfgang Weber hat sie zehn Tage lang in Afrika aus nächster Nähe beobachtet. Wolfgang Weber ist Tiermaler, er macht alles hautnah. Mit dem Ergebnis, dass das Affen-Familienporträt nun jedem Gast als Erstes ins Auge fällt, sobald sich die Haustüre öffnet.

          Star des Frankfurter Zoos

          Matze hat von Weber auch ein Denkmal gesetzt bekommen. Wer in Frankfurt erinnert sich nicht an Matze? Das war der Affe, der mit 45 Jahren der älteste Gorilla-Vater der Welt wurde. Neunzehn Nachkommen von vier Weibchen und davor auf Wanderschaft mit Schaustellern – er war der Star des Frankfurter Zoos, musste 2008 jedoch eingeschläfert werden, weil er unter Altersbeschwerden litt, Arthrose, Magengeschwüre. Webers Bronzebüste steht vor dem Affenhaus. „Er war eine Persönlichkeit“, sagt er. Deswegen hat Matze nach seiner Meinung auch ein Denkmal verdient.

          Im Zoo ist noch mehr von Weber. Er hat beispielsweise den Eingang mitgestaltet, das Exotarium beschildert. Überhaupt der Zoo. Wolfgang Weber hat ein spezielles Verhältnis zu ihm, nennt ihn seine „zweite Heimat“. Schließlich hat er hier einmal angefangen und gewohnt, das ist alles eine kleine Ewigkeit her. Weber ist Jahrgang 1936, aber tipptopp in Form, hat bis zum vergangenen Jahr Volleyball gespielt, dann riss jedoch eine Sehne in der Schulter, jetzt hat er das Gefühl, dass er nicht mehr richtig schmettern kann. Sagt’s und holt zur Veranschaulichung mit dem Arm weit aus.

          „Ein großartiger, ungewöhnlicher Mann“

          Weber hat sieben Direktoren des Frankfurter Zoos miterlebt. Der erste war der berühmteste. Hier der kleine Kunststudent, der in den Semesterferien volontierte, dort der große Bernhard Grzimek, der ihm ein Taschengeld zuschusterte. „Das war damals nicht üblich für einen Volontär.“ Auf Grzimek lässt Weber nichts kommen, „ein großartiger, ungewöhnlicher Mann“. Später lieferte er für dessen Enzyklopädie des Tierreichs Zeichnungen, entwarf das Gorilla-Emblem für die Zoologische Gesellschaft Frankfurt. Grzimek war ihr Präsident.

          Als Volontär hatte Weber seinen Zeichenblock auch schon immer dabei. Seit er denken kann, hat er gern gemalt und sich für Tiere interessiert. Ein Schlüsselerlebnis? Nein, es war halt so. Was anderes kam nicht in Frage. Aber der Höhepunkt seiner Kindheit waren die Ferien auf einem Bauernhof in Thüringen, der Krieg war gerade vorbei. Hunde, Schweine, Pferde, es war alles da. Und er, der Dreikäsehoch im zarten Alter von neun, durfte allein mit dem Pferdegespann aufs Feld. Was ist Glück? Das war Glück.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Johnson und der Brexit : Drei Briefe und ein einziges Ziel

          Boris Johnson will weiter versuchen, das Brexit-Abkommen bis Ende des Monats zu ratifizieren. Schon am Montag könnte die Regierung in London eine neue Abstimmung über den Brexit-Vertrag ansetzen – wenn John Bercow das zulässt.
          Kurdisches Fahnenmeer: Demonstranten am Samstag in Köln

          Türken-Kurden-Konflikt : Kurz vor der Explosion

          Der Krieg in Nordsyrien führt auch in Deutschland zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen türkischen und kurdischen Migranten. Das könnte erst der Anfang sein.
          Mit Arte in Oslo: Carola Rackete.

          Carola Rackete bei Arte : Ein ganz persönlicher Kulturschock

          In der Arte-Reihe „Durch die Nacht mit ...“ treffen die Aktivistin Carola Rackete und die norwegische Schriftstellerin Maja Lunde aufeinander. Man meint, sie hätten einander viel zu sagen. Es kommt anders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.