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Tiermaler Wolfgang Weber : Der mit den Krokodilen schwamm

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Mit Dieter Plage, auch ein bedeutender Naturfilmer, war er ebenfalls eng befreundet. Der wiederum entschied sich – mit dem Einverständnis seiner Naturfilm-Firma – für einen Film über Wolfgang Weber. Wie er so im Busch mit dem Skizzenblock auf die Pirsch ging, hatte ihn beeindruckt. Statt der Tiere holte er also den Künstler vor die Kamera. Zwei Jahre lang wurden sie ausgeschickt, zu den Bären nach Alaska, zu den Tigern nach Nepal, zu den Gorillas in Afrika, zu den Moschus-Ochsen in Norwegen, zu den Seelöwen und Meerechsen, den Haien und den vielen Vögeln auf den Galapagos. „Ein magischer Ort.“ Weber war mehrere Male dort. Es kamen zwei Filme dabei heraus: „A brush with nature“ und „Drawn to the wild“. Sie liefen überall, auch die Fluggesellschaften übernahmen sie, der eine kam sogar am ersten Weihnachtsfeiertag abends im Fernsehen. Am Ende des Jahres trudelte immer ein Scheck ein. Kein Wunder, dass Weber sagt: „Das war eine phantastische Zeit.“ Außerdem verstanden sie sich gut, auch die Ehefrauen. Das zählt, wenn man es monatelang zusammen in einem Camp aushalten muss. Denn Webers Erkenntnis lautet: Vor einem Expeditionskoller muss man sich hüten. Aber er ist sowieso kein Typ, der sich gern streitet.

Den Erfolg nicht mehr erleben

Sie wollten einen dritten Film machen, es kam jedoch nicht dazu. Bei den Dreharbeiten zu einem Stück über Orang-Utans auf Sumatra verunglückte Dieter Plage 1993 tödlich. Er wurde gerade einmal 56 Jahre alt. Sein Luftschiff, Weber beschreibt es als einen Einmann-Zeppelin, verfing sich in der Krone eines Baumes, als Plage eine Kamera „befreien“ wollte, die sich im Geäst verfangen hatte. Nach dem Sturz aus dem Luftschiff habe er noch eine halbe Stunde gelebt, seine Frau habe unter dem Baum gestanden, sagt Weber.

Der Freund erlebte den Erfolg ihrer zwei Filme nicht mehr. Weber findet das heute noch traurig. Parallel zu den Filmen erschien in Großbritannien ein dicker Bildband mit Webers Werken, in limitierter Auflage und mit dem Titel: „Wildlife impressions“. In England seien die Leute mehr an so etwas interessiert als hierzulande, sagt er. Obwohl er natürlich auch in Deutschland Ausstellungen gemacht hat, sei es in Frankfurt, Berlin, Hannover oder Karlsruhe. Und in Zürich. Die Galerie, mit der er zusammenarbeitet, sitzt in England.

So gerne einmal mitgespielt

Der Bildband ist ein schönes, aufwendig produziertes Buch. „Das wird mich überleben.“ Zu jeder Seite fällt Weber die dazugehörende Geschichte ein. Beim Blättern erzählt er von der Eleganz der Krokodile unter Wasser und der Kängurus in freier Wildbahn. Oder von dem Spiel, dass die Massai in Kenia und Tansania spielten. Einer legt einem schlafenden Nashorn einen Stein aufs Horn, der Nächste nimmt ihn weg, der Nächste legt ihn wieder hin, der Nächste – bis das Nashorn, ein Spitzmaulnashorn, aufwacht. Wolfgang Weber hätte dieses Spiel so gerne einmal mitgespielt.

Ihm fallen seine ersten Wildschweine im Hunsrück ein und der erste Rotfuchs beim Brennholzhacken im Wald. Da war er elf. Gorillas haben ihm aber schon damals imponiert. Als Kind habe er sich vorgestellt, mit einer Tarnkappe auf dem Kopf unter Gorillas zu sitzen. Als Erwachsener wachte er aus dem Mittagschlaf neben einem Berggorilla auf – ohne Kappe. Damals hat er sich sicherlich gewundert, heute kann er sich auch noch wundern, freilich in einem anderen Sinn. „Das Staunen hört nie auf, ob in der Tiefe des Weltraums oder in einem Mikrokosmos.“ Der sei genauso groß.

Von Beruf Tiermaler. Weber mag den Begriff nicht sonderlich. In der Kunst sei eben alles auf den Menschen bezogen, sagt er bedauernd und verweist auf die Tiere der Höhlenmalereien. Apropos Menschen: Sein Verhältnis zu ihnen ist zwiespältig. Er hat eine Wut auf sie, weil sie in seinen Augen immer die gleichen Fehler machen. Trotzdem hält er sie für eine „interessante Spezies“.

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