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Tiermaler Wolfgang Weber : Der mit den Krokodilen schwamm

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Mission ist geglückt

Nach seinem Studium an der Kunsthochschule in Mainz zog Wolfgang Weber in den Frankfurter Zoo, lebte vier Jahre lang auf dem Wirtschaftsgelände, zeichnete für den hiesigen Zoo und andere Tiergärten, illustrierte Bücher, eben auch „Grzimeks Tierleben“, und heuerte von hier aus auf dem Forschungskutter „Astarte“ an, dem Vorgänger der „Senckenberg“ in Wilhelmshaven, aus einem einzigen Grund: Er wollte Wale sehen. Es ging über den Nordatlantik nach Kanada. Die Mission ist geglückt.

Eigentlich war er auf seinen ungezählten Reisen immer abenteuerlich unterwegs, auch auf seiner allerersten: zu Fuß und per Anhalter durch Dänemark, Südschweden, Finnland, an der russischen Grenze entlang nach Norwegen bis zum Nordkap. Das war 1957. Er musste weite Strecken laufen, weil es nicht viele Autos gab, die er hätte anhalten können. Nach einem Vierteljahr kam er mit einem enormen Bart zurück, dafür hatten die Eltern inzwischen ihren ersten Fernsehapparat.

Gnadenbrot für ein treues Reisegefährt

Nach der Hochzeit war Schluss mit dem Wohnen im Zoo, das Paar zog 1963 in das wunderbare Haus mit seinem ebenso wunderbaren, verwunschenen Garten. Früher sollen Esel darin gegrast haben, das würde ja passen. Heute steht neben der Terrasse ein ausgedienter Kleinbus – das Gnadenbrot für ein treues Reisegefährt. Das passt auch. Außerdem ist es ein Diesel.

Webers Frau ist Medizinerin, machte in Hamburg eine Zusatzausbildung zur Tropenärztin, wenn sie konnte, fuhr sie mit ihm mit. Er war viel und oft lange weg, weil er einfach in einem Land blieb, bis er alles gesehen hatte, was er sehen wollte, und vor allem skizziert hatte, ob im Sprung, im Flug, wie auch immer. Manchmal ging nur eine schnelle Skizze. Hauptsache, von nahem. Bilder aus den Skizzen machte er daheim. Im Bergwald von Ostafrika lässt sich nur schwer eine Staffelei aufstellen. Was er einmal gezeichnet hat, hat er außerdem im Kopf. Ostafrika ist ohnehin seine große Liebe. „Ich wollte einfach nur in den Busch.“ Grzimek hat ihn dazu ermuntert. „So muss man es machen.“ Also lebten sie drei Jahre in Kenia, von 1969 bis 1972, sie wirkte in ihrer Buschklinik, er zeichnete Aquarelle, eine Galerie in Nairobi verkaufte seine Holzschnitte. Weber sagt, für nicht schlechtes Geld.

„Man muss die Grenze kennen“

Irgendwann trat der Tierfilmer Alan Root in sein Leben, viele seiner Werke wurden berühmt, etwa der Film über die Gnuwanderungen in der Serengeti und über das Leben von Termiten. Sie machten zusammen verrückte, auch nicht ungefährliche Sachen. In den Mzima Springs in Kenia beispielsweise schwammen sie ganz nah an Krokodile und Nilpferde heran, Alan Root filmte unter Wasser. Die Krokodile und Hippos waren offensichtlich nur eins – verdattert. Weber würde aber niemandem empfehlen, es ihnen gleichzutun. „Man muss die Grenze kennen“, sagt er.

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