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Tierheim Rüsselsheim : Zwei Tigerdamen als Freundinnen

  • -Aktualisiert am

Von Schauspielerin Brigitte Bardot gerettet, schaut Gandhi munter in die Gegend. Zusammen mit Natascha wartet sie auf ein neues Zuhause. Bild: Kretzer, Michael

Im Rüsselsheimer Tierheim leben seit Jahren Raubkatzen. Weil die Vermittlung der Tiere an Zoos schwierig ist, kümmern sich ehrenamtliche Mitarbeiter um die ungewöhnlichen Dauergäste.

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          Natascha liebt exotisches Parfüm. Ihr Lieblingsduft ist Curry. Ihre Schwester Gandhi mag dagegen am liebsten Zimt. Wenn Pfleger Harald Konrad die Gewürze im Gehege der beiden Bengalischen Tiger im Rüsselsheimer Tierheim verstreut, werden aus den gefährlichen Raubkatzen zahme Schmusetiere. Die Tiger reiben die Schnauzen in den Gewürzhäufchen auf dem Boden, lecken Curry und Zimt von der Schnauzenspitze und den Pfoten. Am liebsten wälzen sie sich aber darin, damit das Fell noch lange nach dem ungewöhnlichen Parfüm duftet.

          Seit vier Jahren kümmert sich Konrad ehrenamtlich um die beiden Tigerdamen. Der Betriebsratsvorsitzende des Flugzeugteilezulieferers Honeywell Aerospace in Raunheim kommt im Wechsel mit seinem erwachsenen Sohn jeden Abend, um die Tiere zu füttern. Die beiden Männer haben einen Intensivkurs beim Raubtiermeister des Frankfurter Zoos absolviert, um den Umgang mit den Großkatzen zu lernen. Dabei hätten sie die Vorliebe der Tiere für Curry und Zimt entdeckt, sagt Konrad. „Die beiden sind richtige Damen. Die brauchen Parfüm.“

          „Die ist richtig verschmust, und das Streicheln genießt sie“

          Der Neunundfünfzigjährige verfüttert abends an jedes der Tiere fünf bis sieben Kilogramm Fleisch, hauptsächlich vom Rind. Gelegentlich brächten die Förster der Umgebung tote Rehe, etwa nach einem Wildunfall, vorbei. Für den Gaumenschmaus bedanken sich die Tiger auf ihre Art. Nach dem Füttern dürfe er Natascha durch das Gitter immer den Bauch kraulen. „Die ist richtig verschmust, und das Streicheln genießt sie.“ Die 230 Kilogramm schwere Natascha und die 190 Kilogramm schwere Gandhi sind jedoch keine Haustiere und zeigen das auch. Wenn Fremde ihnen zu nahe kommen, fauchen sie und zeigen ihre scharfen Fangzähne.

          Seit vielen Jahren arbeitet Konrad schon für das Tierheim. Bevor er sich um die Tiger gekümmert hat, führte er zahlreiche Hunde aus, die auf einen neuen Besitzer warteten. Die Arbeit mit den Tigern sei allerdings beinahe ein Vollzeitjob, schließlich müssten sie jeden Tag gefüttert und gepflegt werden. „Aber wer hat schon so ein Hobby?“, fragt er mit einem Lächeln. „Nicht jeder hat schließlich zwei Tigerdamen als Freundinnen.“

          Sie stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten

          Seit fast fünf Jahren leben die beiden Tiere in Rüsselsheim in einem 200 Quadratmeter großen Gehege mit eigenem Haus. Der sie umgebende Sicherheitszaun ist laut Konrad auf dem neusten Stand der Technik. Auf einer kleinen Plattform können die Tiger in der Sonne liegen und ihr Reich überblicken. Im Wasserbecken finden sie nach dem Sonnenbad Abkühlung.

          Dichte Bambusbüsche bieten Schutz vor den Blicken der Besucher, die während der regulären Öffnungszeiten die Tiere beobachten können. Da Tiger Einzelgänger sind, muss immer eines der Tiere im Haus bleiben, während das andere im Gehege umherstreift. Weltweit soll es nach Schätzungen von Tierschutzorganisationen etwa 2.500 Bengalische Tiger geben. Ihre Art steht auf der internationalen Roten Liste der gefährdeten Tiere. Ein so angenehmes Leben wie in Rüsselsheim hatten die neun Jahre alten Tigerschwestern nicht immer. Ein Zirkus habe sie in einem vier Quadratmeter kleinen Käfigwagen auf einem Parkplatz bei Marseille in Südfrankreich zurückgelassen, berichtet Pfleger Konrad. Die lokalen Beamten wussten nicht viel mit den Tieren anzufangen, fütterten sie notdürftig mit toten Hühnern.

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