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Tierheim Rüsselsheim : Zwei Tigerdamen als Freundinnen

  • -Aktualisiert am

Schauspielerin Brigitte Bardot rettete die Tiere

Drei Jahre lebten die Tiger in dem kleinen Wagen auf dem Parkplatz, dann wollte die Stadt Natascha und Gandhi einschläfern lassen. Die Tierschutz-Stiftung der französischen Schauspielerin Brigitte Bardot verhinderte dies im letzten Moment und vermittelte die Tiger an einen Zoo in Lübeck, wo sie allerdings nur ein Jahr bleiben konnten.

Da das Rüsselsheimer Tierheim schon Erfahrung mit Raubkatzen hatte, kamen die Tiere 2007 hierher. Die Erlaubnis, Raubtiere zu halten, sei eher ein Zufall und für ein Tierheim sehr ungewöhnlich, sagt die Vorsitzende des Trägervereins, Claudia Vietmeier-Kemmler. Bis in die achtziger Jahre gab es in der Nähe von Groß-Gerau einen Safaripark mit Wildtieren. Nach dessen Pleite mussten die Tiere in anderen Zoos untergebracht oder eingeschläfert werden. Eine Raubtierpflegerin des Parks übernahm die Leitung des Rüsselsheimer Tierheims unter der Bedingung, dass ihr Löwe Roland und ihre Tigerdame Indra dort leben durften. Das Veterinäramt stimmte zu. Seitdem gibt es auf dem 7000 Quadratmeter großen Gelände ein Raubtiergehege. Roland und Indra haben ihren Lebensabend hier verbracht und sind mit fast 20 Jahren gestorben.

Rund 12.000 Euro kostet die Tierhaltung im Jahr

Herberge für Zirkustiere war das Tierheim auch schon einmal. Im Jahr 2005 nahm man das 16 Monate alte Löwenmännchen Massai und die 16 Jahre alte Tigerdame Rani auf. Ein Zirkusdompteur gab die Tiere ab, weil er für sie nicht mehr angemessen sorgen konnte. Der Löwe konnte schnell an einen Zoo vermittelt werden, die Tigerin starb.

Dass Natascha und Gandhi schon fünf Jahre hier leben, sei nicht geplant gewesen, sagt Vietmeier-Kemmler. Die Vermittlung sei schwierig, weil sich ihre Herkunft nicht eindeutig belegen lasse. Ohne diesen Nachweis dürften deutsche Zoos sie nicht aufnehmen. Nur der Impfpass existiere, wodurch zumindest das Alter der Tiger bestimmt werden konnte. Vietmeier-Kemmler vermutet, dass die Tiere in Gefangenschaft geboren wurden. Dafür spreche, dass ihnen die Krallen gezogen wurden.

Für sechs Euro können Interessierte Paten werden

Eine Vermittlung sei auch daran ge-scheitert, dass das Tierheim nur „sehr dubiose“ Anfragen von Händlern und Zoos aus dem Ausland erhalte, sagt Vietmeier-Kemmler. Die Tiere würden so lange bleiben, bis man sicher sein könne, dass sie in einem neuen Zuhause gut aufgehoben seien. Diesen zeitlichen Spielraum habe man dank der finanziellen Hilfe der Bardot-Stiftung. Rund 12.000 Euro kostet die Tierhaltung im Jahr, schätzt Konrad. Ein Großteil des Geldes wird für das Futter gebraucht, aber auch die medizinische Versorgung müsse bezahlt werden. 90 Prozent der Kosten übernehme die Bardot-Stiftung, bis die Tiere in einem Zoo oder Tierpark unterkämen. Den Rest bringe das Tierheim über Spenden und Tierpatenschaften auf. Sechs Euro im Monat kostet eine Tigerpatenschaft.

In Gefangenschaft könnten Tiger bis zu 18 Jahre alt werden. Pfleger Konrad hofft dennoch, dass seine Freundinnen irgendwann ein größeres Zuhause finden werden - „auch wenn ich mir dann ein neues Hobby suchen müsste.“

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