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Zum Rücktritt Schäfer-Gümbels : Entwicklungshelfer für die SPD

  • -Aktualisiert am

Fleißig, gewissenhaft, dünnhäutig: Thorsten Schäfer-Gümbel zieht sich aus der SPD zurück. Bild: dpa

Drei Mal trat Thorsten Schäfer-Gümbel als SPD-Spitzenkandidat für das Amt des hessischen Ministerpräsidenten an, drei Mal verlor er. Ein Blick auf die politische Karriere des Sozialdemokraten.

          2 Min.

          „Die Sonne scheint, das wird ein guter Tag.“ Mit diesen Worten begrüßte Thorsten Schäfer-Gümbel am Dienstagmorgen seine 27.300 Follower auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Der SPD-Landeschef und stellvertretende Bundesvorsitzende schien mit sich und seinem Entschluss im Reinen, sich nach einem Leben in der Politik neuen Herausforderungen zuzuwenden. Gemessen an seinen Wahlergebnissen, ist TSG, wie er nach seinen Initialen genannt wird, als Landesvorsitzender und Fraktionschef der hessischen SPD im Landtag gescheitert. Drei Mal trat der Politikwissenschaftler aus Lich als Spitzenkandidat für das Amt des Ministerpräsidenten an, drei Mal verlor er. Doch Schäfer-Gümbel hatte auch mit extrem widrigen Umständen zu kämpfen.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das 23,7-Prozent-Ergebnis aus dem Jahr 2009, damals das schlechteste in der Geschichte der Hessen-SPD, kann ihm niemand vorhalten, weil es die Reaktion auf gebrochene Versprechen seiner Vorgängerin Andrea Ypsilanti war. Dass die Sozialdemokraten schon fünf Jahre später, mit 30,7 Prozent, wieder an den Rand der Regierungsfähigkeit gelangten, war hingegen zweifellos sein Verdienst. Darauf hoffte Schäfer-Gümbel im vergangenen Herbst aufbauen zu können, doch die Landtagswahl vom 28. Oktober wurde zu seiner bittersten Niederlage. Die 19,8 Prozent, mit denen die SPD sogar noch knapp hinter den Grünen lag, waren der Knockout für den ehrgeizigen Mittelhessen.

          Eintritt in die SPD mit 17 Jahren

          Der am 1. Oktober 1969 in Oberstdorf im Allgäu geborene und in Gießen aufgewachsene Schäfer-Gümbel stammt aus nicht einfachen sozialen Verhältnissen. Sein Vater war Lastwagenfahrer, die Mutter arbeitete als Putzfrau, von den vier Kindern konnte aus finanziellen Gründen nur eines – Thorsten – Abitur machen und studieren. Schäfer-Gümbels Berufsleben ist von Politik und Partei geprägt: Mit 17 Jahren trat er in die SPD ein, nach dem Politologie-Studium arbeitete er fünf Jahre als persönlicher Referent des Gießener Sozialdezernenten, 2003 wurde der Parteilinke in den Landtag gewählt.

          An die Spitze von Landespartei und Fraktion gelangte der Mann mit der markanten Brille – wegen einer Netzhautablösung ist Schäfer-Gümbel auf spezielle Prismengläser angewiesen – zum Jahreswechsel 2008/2009 quasi von einem Tag auf den anderen. Nach dem Scheitern der rot-grün-roten Regierungspläne von Andrea Ypsilanti hatte niemand sonst Interesse an deren Nachfolge bekundet.

          Fleißig, gewissenhaft, dünnhäutig

          Damals traute dem Neuen kaum jemand zu, die am Boden liegende Partei wiederaufzurichten. Doch Schäfer-Gümbels Kernthemen – soziale Gerechtigkeit, gutbezahlte Arbeit und bessere Bildung – kamen an. Vieles spricht dafür, dass es 2013 nur deshalb nicht für eine von ihm geführte rot-grüne Mehrheit in Wiesbaden reichte, weil die Landtagswahl von der am selben Tag stattfindenden Bundestagswahl überlagert war. Und bei der konnte die CDU damals noch von einem Merkel-Bonus profitieren.

          Schäfer-Gümbel ist ein Mann mit hohen moralischen Ansprüchen. Sein Fleiß, seine Intelligenz und seine Gewissenhaftigkeit kamen ihm zustatten, seine für einen Spitzenpolitiker erstaunliche Dünnhäutigkeit stand ihm im Weg. Vielleicht mangelte es ihm im entscheidenden Moment aber auch an Führungsstärke. Viele in seiner Partei halten ihm jedenfalls vor, dass er nach der Wahl 2013 nicht entschieden genug in Richtung einer großen Koalition verhandelt habe.

          Dann, so heißt es, hätten die Sozialdemokraten als Juniorpartner der CDU in ihrem ehemaligen Stammland wenigstens wieder einen Fuß in die Tür zur Staatskanzlei bekommen. Stattdessen wird Hessen seitdem von einem CDU/Grünen-Bündnis regiert, und die SPD findet sich seit mittlerweile 20 Jahren auf den Oppositionsstühlen im Landtag wieder.

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