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Eintracht Frankfurt : Ende eines Missverständnisses

Da waren es nur noch zwei: Schaaf hat genug von der Eintracht. Vorstandschef Bruchhagen sowie Sportdirektor Hübner haben damit ein Problem mehr. Bild: Niklas Grapatin

Schaaf vermisst das Vertrauen, klagt an und verlässt die Eintracht nach nur einer Saison. Bruchhagen sieht keinen Machtkampf. Vehs Rückkehr im Gespräch.

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          Bruno Hübner ist kein sonderlich guter Schauspieler. Am späten Montagabend hat er sich dennoch in der Verstellungskunst versucht. Zu Gast in einer Fernsehsendung des Hessischen Rundfunks zog der Sportdirektor der Eintracht ein durchweg positive Bilanz der gerade abgelaufenen Runde. Die Mannschaft habe mit dem neunten Platz ihre Ziele „übererfüllt“, behauptete der Sportdirektor, und für eine vorzeitige Trennung von Trainer Thomas Schaaf, die seit Tagen immer wieder als Möglichkeit genannt wurde, wenn unter die wechselhafte Saison auch intern ein Schlussstrich gezogen werden würde, sehe er „keine Anzeichen“. Hübner wirkte während des Auftritts nervös, bei seinen Statements war ihm anzumerken, dass er sich nicht wirklich wohl in seiner Haut fühlte – womöglich weil er wusste, dass er schon bald etwas anderes würde sagen müssen: die Wahrheit.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Keine zwölf Stunden später trat er schon wieder vor Mikrofone und Kameras, um Stellung zu beziehen zum inzwischen vollzogenen Rücktritt Schaafs – und dabei räumte Hübner beiläufig ein, dass er schon seit dem Wochenende informiert war, dass die Wege des Vereins und des Trainers nach nur zwölf Monaten schon wieder unterschiedlich verlaufen werden. Beide Seiten einigten sich darauf, den ursprünglich bis 2016 laufenden Vertrag vorzeitig aufzulösen. Am Dienstagvormittag wurde das entsprechende Schriftstück auf der Geschäftsstelle unterzeichnet.

          Mit seiner Demission verzichtete Schaaf, in der Historie der Eintracht der 41. Bundesligatrainer, auf Gehaltszahlungen in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro. Sein letzte Amtshandlung in Diensten der Hessen war eine ausführliche schriftliche Erklärung, die er von der Eintracht-Pressestelle verteilen ließ. Kernsatz der Botschaft, die mehr als eine DIN-A4-Seite umfasst: „Die in der Öffentlichkeit getätigten Aussagen und die Darstellung meiner Person und meiner Arbeit, die sich in unglaublichen und nicht nachvollziehbaren Anschuldigungen und Unterstellungen in den Medien äußern, kann und will ich nicht akzeptieren. Deshalb ist es zu der Trennung gekommen.“ Die Fakten seien dagegen „eine Bestätigung für unsere gute geleistete Arbeit. Wir haben die uns gestellten Aufgaben erfüllt und mehr“.

          Misstrauensvotum traf Schaaf

          Doch um Zahlen und Ergebnisse ging es schon länger nicht mehr. Tatsächlich war der Verein in der Trainerfrage seit Ostern gespalten. Es gab die Fraktion um den Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen, die vom scheidenden Aufsichtsratschef Wilhelm Bender gestützt wurde, die bis zuletzt argumentierte: Schaaf hat alle Vorgaben erreicht, sogar mehr Punkte (43) geholt als sein populärer Vorgänger Armin Veh (36) in der Saison 2013/2014. Es gab aber auch die Mehrheit der Spieler, deren Einschätzung wichtige Entscheidungsträger in den Gremien erreichten, die Schaaf eine mangelnde Kommunikation und eine fehlende Linie vorwarfen. „Die Realität ist manchmal grausam“, sagte Bruchhagen. „Wir haben bis zum Schluss versucht, leider vergebens, ihn von seinem Entschluss abzubringen.“ Schaaf habe sich nicht ausreichend gewürdigt gefühlt: „Es gab starke Eingriffe, die ihn verletzt haben. Welches Motiv am Ende den Ausschlag gegeben hat, kann ich nicht ermessen. Er hat sich mir nicht jeden Tag mitgeteilt. Ich bin enttäuscht, dass er meiner Argumentation nicht gefolgt ist.“

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