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Thomas Jühe, Chef der Fluglärm-Kommission : „Wir brauchen leisere Flugzeuge“

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„Das wünscht man keinem“: Thomas Jühe, Bürgermeister von Raunheim und Vorsitzender der Fluglärmkommission Bild: Wonge Bergmann

Raunheims Bürgermeister Jühe (SPD) warnt seit Jahren vor zunehmendem Fluglärm. Er bestreitet die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens nicht, fordert aber ein Nachtflugverbot.

          Die Empörung in den Anrainerkommunen des Flughafens ist seit Eröffnung der vierten Piste erheblich. Sind Sie von der Heftigkeit überrascht?

          Nein, als jemand, der weiß, was eine richtig brutale Fluglärmbelastung bedeutet, hat mich das überhaupt nicht überrascht. Für mich war eher die Frage, wann die Flörsheimer auf der Straße stehen und protestieren werden, nicht ob. Was mich aber überrascht, ist, dass es beispielsweise auf dem Frankfurter Lerchesberg noch so ruhig ist.

          Auch da sind empörte Stimmen zu hören. Können Sie die Erregung verstehen? Für Raunheim sind Überflüge in sehr viel geringerer Höhe alltäglich.

          Ja, sicher verstehe ich das. Wir Raunheimer sitzen jetzt nicht hier und freuen uns, dass nun auch andere heftigen Fluglärm abbekommen. Das wünscht man keinem. Ich habe sehr viel Verständnis dafür, wenn auch dort die Leute protestieren.

          Wir stehen erst am Anfang. Momentan liegt die Zahl der Flugbewegungen bei 90 je Stunde, das Ziel sind 126. Was muss für Sie als Chef der Fluglärmkommission passieren, um das für die Anrainer noch ertragbar zu machen?

          Ich habe schon seit langer Zeit immer wieder darauf hingewiesen, was es bedeutet, wenn der Flughafen an dieser Stelle im Ballungsraum so ausgebaut wird. Nun ist die Situation da, es bleibt nichts, als konstruktiv damit umzugehen. Das wird die Flörsheimer nicht glücklich machen. Aber die Betroffenen müssen wissen, dass wir als Fluglärmkommission zusammen mit dem Forum Flughafen und Region intensiv daran arbeiten, alle Möglichkeiten der Lärmminderung ausschöpfen zu können.

          Was kann man tun?

          In Flörsheim helfen jetzt nur ganz wenige Maßnahmen.

          Welche sind das?

          Da ist einmal die Erhöhung der Rückenwindkomponente. Denn Flörsheim ist eigentlich nur dann wirksam geholfen, wenn es nicht überflogen wird. Und das ist damit möglich.

          Eine erhöhte Rückenwindkomponente bedeutet, dass die Flugzeuge häufiger von Osten anfliegen dürfen, auch bei leichtem Rückenwind?

          Richtig. Die Zielsetzung ist, dass künftig weniger als ein Viertel aller Anflüge aus Westen, also über Flörsheim hinweg, stattfinden. Dabei muss man aber auch sagen, dass es sich dabei nicht einfach um eine Umverteilung des Lärms von einem zum anderen Betroffenen handelt. Es ist schlichtweg gerechtfertigt, weil auf der Westseite des Flughafens die Wohngebiete viel näher vor den Landepisten liegen als im Osten. Das gilt seit Inbetriebnahme der Nordwestbahn jetzt vor allem für Flörsheim.

          Wie groß ist die Entfernung zum Aufsetzpunkt der Flugzeuge?

          Von Raunheim aus sind es 4,2 Kilometer. Von Flörsheim aus müssen es etwa 3,6 Kilometer sein.

          Das ist nicht viel.

          Nein. Das sind ganz außergewöhnliche Belastungen. Das einzelne Schallereignis, also der Lärm beim einzelnen Überflug, liegt fast immer über 70 Dezibel. Und das bei künftig rund 500 Anflügen pro Tag über dem bewohnten Stadtgebiet Flörsheims. Das ist extrem. Da schafft wirklich nur die Anhebung der Rückenkomponente Entlastung, weil sie länger überflugfreie Zeit bringt.

          Hilfe für Flörsheim ist für Sie als Vorsitzendem der Fluglärmkommission also absolut vordringlich?

          Ja, unbedingt.

          Halten Sie es für notwendig, das Aufkaufprogramm der Fraport AG für belastete Häuser "Casa" auszuweiten?

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