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Professor Thomas Hickler : „Die Zusagen reichen nicht für das Zwei-Grad-Ziel“

  • -Aktualisiert am

Lobt und kritisiert den Vertrag von Paris: Thomas Hickler im Senckenberg-Forschungszentrum Biodiversität und Klima Bild: Wolfgang Eilmes

Wärmere Sommer, weniger Schnee im Winter. Thomas Hickler untersucht die Folgen des Klimawandels für die Natur. Er erklärt, warum der deutsche Wald gedeiht wie nie und weshalb Geo-Engineering notfalls einen Versuch wert sein könnte.

          5 Min.

          Wie kommen Sie zur Arbeit?

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Fast immer mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Ich wohne in Frankfurt-Praunheim und benutze oft den schönen Radweg durch das frühere Bundesgartenschau-Gelände.

          Machen Sie dabei Beobachtungen, bei denen Sie zu sich sagen: „Das ist der Klimawandel“?

          Ja. Im Winter fällt weniger Schnee, und die Sommer sind wärmer geworden. Das ist statistisch belegt, aber ich nehme es auch selbst wahr.

          Merken Sie es auch an den Pflanzen?

          Der sogenannte phänologische Frühling, also der Zeitpunkt, zu dem die Pflanzen zu blühen und Blätter zu bilden beginnen, tritt früher ein. Die Wachstumsperiode ist länger geworden.

          Und die Tierwelt? Auf dem Riedberg-Campus der Universität tummeln sich derzeit Heerscharen von Kaninchen. Hat das auch etwas mit dem Klimawandel zu tun?

          Ich bin kein Kaninchen-Experte. Aber ich könnte mir vorstellen, dass die aktiver sind, wenn es länger warm ist. Dass Tiere ihr Verhalten dem Klima anpassen, sieht man beispielsweise auch an Zugvögeln.

          Gibt es weitere Indizien für den Wandel, die deutschlandweit zu beobachten sind?

          Unsere Wälder wachsen gerade besser als jemals zuvor. Die meisten Forscher vermuten, dass dies an der Erwärmung liegt. Auch die Stickstoff-Emissionen durch Verkehr und Landwirtschaft spielen eine Rolle. Stickstoff ist ja Dünger. Nicht zuletzt könnte der steigende Kohlendioxidgehalt der Luft einen positiven Effekt haben. Das ist allerdings umstritten.

          Dem Frankfurter Stadtwald geht es derzeit nicht gut – er leidet unter den Folgen des heißen Sommers. Wie passt das zu Ihrer These von den gedeihenden Wäldern?

          Es geht nicht allen Wäldern besser. Im Durchschnitt wächst der deutsche Wald gut. Es gibt aber, bedingt durch den Klimawandel, den Trend zu mehr extremen Wetterereignissen, also auch Hitze- und Dürreperioden. Darunter leidet der Wald, besonders wenn er auf sandigen Böden steht, die das Wasser nicht so gut halten. So ist es in großen Teilen des Frankfurter Stadtwaldes. Hinzu kommen Probleme mit dem Borkenkäfer und anderen Schädlingen. Wenn die Sommer noch trockener werden, könnte besonders die Fichte zu einem Risikobaum werden. Der klassische Ablauf ist folgender: Die Dürre schwächt sie, und wenn es Sturm gibt, liegt Totholz im Wald. Das ist eine Brutstätte für den Borkenkäfer, der sich dann so stark vermehrt, dass er auch gesunde Bäume angreift.

          Müssen wir fürchten, dass es in der Rhein-Main-Region in 20, 30 Jahren keinen Wald mehr gibt?

          Nein. Im Taunus etwa haben wir ja keine Sandböden. Generell ist das Klima für Waldwachstum hier sehr gut, weil es meist dann regnet, wenn die Bäume Wasser brauchen. Gefährdet sind vielleicht Standorte im Hessischen Ried. Da könnte es für einzelne Baumarten eng werden.

          Es wurde vorgeschlagen, andere Baumarten zu pflanzen, die Hitzestress besser vertragen. Eine gute Idee?

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