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Katholizismus-Kommentar : Reden, schreiben, handeln

Brief an Kardinal Marx: Die katholische Kirche soll reformiert werden. Bild: dpa

Theologen und ranghohe Katholiken aus Frankfurt fordern einen Wandel der Kirche. Die regionale Revolte rührt dabei am Kern der Institution.

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          Ein Brief aus Frankfurt – so lässt sich das Schreiben an Kardinal Marx mit ein wenig Zuspitzung bezeichnen. Neun Theologen und Katholiken in kirchlichen oder kirchennahen Führungsämtern haben weitreichende Reformen angemahnt. Sie rühren an den Kern der Institution: Machtteilung für Bischöfe, Öffnung des Weiheamtes für Frauen, Aufgabe des verpflichtenden Zölibats für Diözesanpriester, neue Sexualmoral, einschließlich der Bewertung von Homosexualität.

          Dass sechs der neun Unterzeichner aus Frankfurt und der Nachbarstadt Offenbach kommen, könnte Verteidiger des Status quo dazu veranlassen, von einer regionalen Revolte zu sprechen. Doch man täusche sich nicht, der Verdruss, der bei vielen Gläubigen bis zur Verzweiflung reicht, ist in allen deutschen Diözesen groß. Der Missbrauchsskandal und seine schleppende Bewältigung treiben selbst solche zum Austritt, die die Kirche jahrzehntelang gegen wohlfeile Angriffe verteidigt haben.

          Frankfurter Appell

          Der regionale Schwerpunkt der Verfasserschaft hat sicherlich mit dem gegenseitigen Vertrauen der Unterzeichner zu tun; womöglich auch mit einer überdurchschnittlichen Ballung von Bekennermut. Wichtiger dürfte aber sein, dass die Kirche in Frankfurt – einer Stadt mit „Dom“, aber ohne Bischofssitz – unmittelbarer mit den gesellschaftlichen Wandlungen konfrontiert ist und eigenständiger auf sie zu reagieren gewohnt ist. Und mit der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen zu spüren bekommt, dass Nachwuchs immer schwerer zu gewinnen ist.

          Man sollte realistischerweise nicht damit rechnen, dass der Frankfurter Appell – „herzliche Grüße an Papst Franziskus“ – viel Durchschlagskraft in Rom entwickeln wird, dafür mangelt es an Solidarität aus zu vielen Weltgegenden. Aber mit einiger Hoffnung werden viele Gläubige auf die Reaktion der deutschen Bischöfe warten. Der Limburger Bischof Georg Bätzing hat schon im November von „systemischen Faktoren“ für den sexuellen Missbrauch gesprochen und angemahnt, man müsse ins Handeln kommen. Wohlan.

          Matthias Alexander

          Redakteur im Feuilleton.

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