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Politisches Drama : Was bedeutet es, Macht zu haben?

Wird bei der Premiere am 19. Januar wohl ausverkauft sein: das große Haus im Staatstheater Wiesbaden Bild: Michael Kretzer

Wiesbaden ächzt noch immer unter den politischen Turbulenzen um den ehemaligen Oberbürgermeister. Jetzt kommen die Geschehnisse auf die Bühne, als „Political“ im Staatstheater.

          3 Min.

          Die spannendsten Geschichten schreibt das Leben selbst. Kein Wunder, dass der Intendant des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Uwe Eric Laufenberg, das politische Drama um Sven Gerich, Ralph Schüler und Bernhard Lorenz als Steilvorlage für die Bühne erkannte. Der frühere Oberbürgermeister, der mit ihm eng befreundete Holding-Geschäftsführer und der ehemals mächtige Fraktionschef der CDU haben ihre politischen Ämter und auch ihre Reputation verloren. Ob sich ein Bühnenautor ein derart verworrenes Stück über Freundschaft, Intrigen, Vetternwirtschaft, machthungrige Strippenzieher, Geldtöpfe, Hinterzimmer, Rivalität und Rache hätte ausdenken können, sei einmal dahingestellt.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Aber genau so wird das Stück schon seit Monaten auf dem Spielplan des Staatstheaters beworben, und weil die Wiesbadener Kommunalpolitik auch nach dem Rückzieher von Sven Gerich als Oberbürgermeister und seinem Abtauchen aus allen sozialen Netzwerken in turbulenter Bewegung blieb, ließ das Theater zunächst offen, ob es von Mitte Januar an eine theatrale Groteske, eine Politsatire oder eine Tragikomödie aufzuführen gedenke.

          Zehn Aufführungen sind geplant

          Inzwischen sind diese Fragen beantwortet. Am 19. Januar ist in Wiesbaden Premiere im Kleinen Haus, und es steht außer Frage, dass die knapp 300 Plätze ausgebucht sein werden. Rund 30 Premieren feiert das Staatstheater in jedem Jahr, doch diese ist etwas Besonderes. Zehn Aufführungen sind bislang im Spielplan für das Stück vorgesehen. „Casino Wiesbaden“ lautete lange Zeit der Arbeitstitel, doch der Name der Landeshauptstadt wurde inzwischen getilgt, denn „es geht schließlich nicht um eine Bühnenzusammenfassung der Wirklichkeit“, sagt Clemens Bechtel. Nun also nur noch „Casino“.

          Der freie Regisseur Bechtel wurde von Intendant Laufenberg damit beauftragt, auf die Bühne zu bringen, was Wiesbaden in den zurückliegenden 15 Monaten bewegt und erschüttert hat. Bechtel, Jahrgang 1964, ist ein Regisseur mit langjähriger nationaler und internationaler Erfahrung, der sich häufig mit Themen mit dokumentarischem und politischem Hintergrund auseinandergesetzt hat. Für das Hessische Staatstheater Wiesbaden erarbeitete er in der Spielzeit 2014/2015 „Die Träume der Armen, die Ängste der Reichen“ und später dann „Sechs Jahre – Der Abschied von meiner Schwester“ nach dem Buch von Charlotte Link. In Wiesbaden hat er sich zuletzt mit der dritten Generation der Linksterroristen von der RAF beschäftigt. Lokale Bezüge reizen ihn.

          „Dennoch habe ich mich mit dem Stoff erst einmal schwergetan“, räumt Bechtel ein. Zumal er mit seiner Bühnenarbeit nicht zur allgemeinen Politikverdrossenheit beitragen und auch nicht „den falschen politischen Kräften in die Hände spielen“ will. Dennoch hat er im Lauf der Recherche zu den Wiesbadener Ränkespielen „Feuer gefangen“, wie er sagt. Was bedeutet es, Macht zu haben? Welche Wirkungen hat sie auf die Sprache? Berauscht die Macht, oder macht sie blind? Das sind die Fragen, die den Regisseur in erster Linie beschäftigen.

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