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Theater am Willy-Brandt-Platz : Kompromiss für die Bühnen

Blick auf die Städtische Bühnen Frankfurt am Main auf dem Willy-Brandt-Platz. Der Standort bietet Raum für alles, was mit den Städtischen Bühnen zu tun hat. Bild: Daniel Vogl

Sollte die Theaterdoppelanlage im Kern saniert werden, bleibt sie am Willy-Brandt-Platz. Neuerungen wären jedoch durchaus wünschenswert.

          Der Nebel lichtet sich, die Umrisse der Städtischen Bühnen, wie sie sich künftig in die Stadt einfügen, werden sichtbar, und sie ähneln nicht der Elbphilharmonie oder dem Guggenheim-Museum in Bilbao, zwei der herausragenden Beispiele für eine Aufwertung der Städte mittels kultureller Großprojekte. In Frankfurt sieht es nach einem Kompromiss aus. Und nach der Bestätigung des Bewährten.

          Wenn sich herausstellt, dass es sich finanziell zwar nicht lohnt, die existierende Theaterdoppelanlage zu sanieren, wohl aber, sie im Kern zu erhalten und ihr neue Räume und ein frisches Aussehen angedeihen zu lassen, bleibt der Willy-Brandt-Platz ihr Standort. Eine der besten Lagen in der Stadt, wo auch künftig die Kultur beheimatet ist: Das wirkt zum einen sympathisch, weil daraus eine gewisse Bescheidenheit spricht, und zum anderen leicht befremdlich, weil es zu Selbstverständnis und Gebaren Frankfurts nicht recht passen will.

          Gewiss ist eine halbe Milliarde Euro eine beträchtliche Summe, die sicherlich manche Stadtverordnete die Mundwinkel nach unten ziehen lässt, auch wenn es die Hälfte dessen ist, was noch vor zwei Jahren für die Erneuerung der Städtischen Bühnen veranschlagt wurde. Andere aber träumen noch ein bisschen: Ließe sich nicht mit Hilfe von privaten Förderern doch noch ein großer Wurf verwirklichen? Oper und Schauspiel am Wasser? Vor der Kulisse der Hochhäuser und nicht eingeklemmt zwischen ihnen? Zugegeben: Um einen Effekt wie in Hamburg zu erzielen, müsste die Architektur außergewöhnlich sein, das Ambiente anziehend, ein neues Theaterviertel geschaffen werden, das gut erreichbar ist. Dazu bedürfte es einer stadtplanerischen Vision, die sich deutlich absetzt von, sagen wir, der Europaviertel-Realität.

          Mit der Planung, wie sie sich jetzt abzeichnet, werden anscheinend aber auch leichter zu realisierende Ziele aufgegeben. Theater im 21. Jahrhundert auf zwei große Guckkastenbühnen und ein Kammerspiel zu reduzieren, ist nicht gerade zukunftsweisend. Veränderbare und auch mehrere kleine Auftrittsräume wären wünschenswert, denn auch wenn niemand voraussagen kann, wie es um die darstellende Kunst in 30 Jahren bestellt sein wird, so ist doch jetzt schon deutlich, dass eine Vielzahl von Kulturen mit je eigener Ausdrucksweise draußen vor der Tür bleibt. Sie in die großen Theater zu lassen wäre auch eine Form von Integration.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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