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„The Voice of Germany“ : Ein Kessel Buntgemischtes

  • -Aktualisiert am

Deutschlands Stimme: Charley Ann Schmutzler (Mitte) in der Festhalle Bild: Kaufhold, Marcus

Mit zehn Kandidaten gastiert die Castingshow „The Voice of Germany“ in der Frankfurter Festhalle. Ob Gewinnerin Charley Ann Schmutzler und ihre Kollegen künstlerische Nachhaltigkeit unter Beweis stellen, bleibt aber fraglich.

          Andy Warhol erwies sich als prophetisches Orakel: Gestützt auf die Thesen des Medienphilosophen Marshall McLuhan, legte er 1968 bei einer Ausstellung in Stockholm fest: „In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes.“ Eine plakative, immer gern zitierte Paraphrase, von der auch die Strippenzieher im internationalen Fernsehgeschäft partizipieren. Wie Warhol, der seinen Zirkel aus skandalträchtigen „Superstars“ in der New Yorker Schaltzentrale Factory immer wieder runderneuerte und multimedial auszuwerten verstand, versuchen sich seit erstem Castingshow-Angebot „Popstars“ im Jahr 2000 hierzulande diverse Formate am Geschäft mit dem flüchtigen Ruhm.

          Im Gegensatz zur Konkurrenz von „Deutschland sucht den Superstar“ stellt „The Voice of Germany“, ein 2010 erstmals in den Niederlanden von Produzentenmilliardär John de Mol etabliertes Konzept, künstlerisches Talent über attraktive Äußerlichkeiten. Suggerieren doch sogenannte Blind Auditions, wo die Jury lediglich die Stimme eines Kandidaten hört, dem geneigten Publikum ein gerechtes Auswahlverfahren. Ohne die prominenten Juroren Rea Garvey, Samu Haber (Sunrise Avenue), Stefanie Kloß (Silbermond), Smudo und Michi (Die Fantastischen Vier) empfehlen sich in der Frankfurter Festhalle zehn nicht unbedingt nach optischen Gesichtspunkten ausgewählte Nachwuchstalente.

          Diverse Medleys

          Mit kompetentem Begleitensemble im Rücken unterstreichen sieben Finalisten, zwei mittels Wildcard auserkorene Frühausscheider und eine am 12. Dezember nach zwei Monaten per Televoting und Downloads mit 41,75 Prozent ermittelte Siegerin knapp drei Stunden lang, als wären sie tatsächlich gewillt, der Berufung Sangeskünstler für den Rest ihres Lebens zu folgen. Gewinnerin Charley Ann Schmutzler, Tochter von Schauspielerin Claudia Schmutzler („Soko Wismar“), gebührt mit Asaf Avidans „Reckoning Song/One Day“ der erste Soloeinsatz. Hernach gestaltet sich das Programm kreuz und quer. Jeweils als Solisten, aber auch in nahezu sämtlichen rechnerisch möglichen Varianten - vom Duett bis zum kompletten Chor - verdingen sich die Teilnehmer.

          Da treffen die Endrundenkandidaten Andrei Vesa, Marion Campbell, Lina Arndt samt Staffelerste auf die Halbfinalisten Calvin Bynum, Philipp Leon Altmeyer, René Noçon und Ben Dettinger. Garniert mit Anna Liza Risse und Alex Hartung, die beide nachträglich von den Fernsehzuschauern auserkorenen wurden. Diverse Medleys finden sich ebenso wie Sektionen, in denen entweder nur die Damen oder aber die Herren zueinander finden. Herhalten für den ausgezeichnet aufbereiteten Kessel Buntgemischtes müssen Songklassiker von Nena, Eurythmics, Alicia Keys, Xavier Naidoo oder Led Zeppelin. Delikat abgeschmeckt mit Hits der vergangenen Jahre von Swedish House Mafia über Ed Sheeran, Katy Perry und Andreas Bourani bis hin zu Taylor Swift und Macklemore & Ryan Lewis.

          Inmitten der Zuschauer

          Besinnlich Balladeskes steuert die Zweitplazierte Lina Arndt bei. Ben Dettinger brilliert mit Sam Smiths Ohrwurm „Stay With Me“, Gospelstimme Marion Campbell mit „Roxanne“ von The Police. Bevor sich die Truppe mit Pharrell Williams „Happy“ verabschiedet, darf Charley Ann Schmutzler noch einmal spüren, wie sich Sieger anfühlen: Inmitten der Zuschauer präsentiert sie ihren derzeitigen Hit „Blue Heart“. Da bleibt zu hoffen, dass Til Schweiger nicht auf die Idee kommt, für die nächste Casting-Runde eine seiner Töchter ins Rennen zu schicken.

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