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Zimmer & Rohde aus Oberursel : Stoffe für die Queen und für Madonna

  • -Aktualisiert am

Mag es bunt: Andreas Zimmer, Geschäftsführer von Zimmer und Rohde, neben einer Textilinstallation der amerikanischen Künstlerin Sheila Hicks. Bild: Wolfgang Eilmes

Auf der Fachmesse Heimtextil, die heute eröffnet wird, hat Zimmer und Rohde aus Oberursel einen großen Auftritt. Geschäftsführer Andreas Zimmer setzt auf die Rückkehr zu alter Behaglichkeit statt auf flüchtige Trends.

          Was haben Queen Elizabeth, Madonna, Elton John, Richard Gere, Ringo Starr und Beate Uhse gemeinsam? Sie alle haben Teile ihrer Wohnräume mit Textilien aus dem Hause Zimmer und Rohde ausgestattet. „Dabei war mir Beate Uhse ganz unbekannt“, sagt der 62 Jahre alte Andreas Zimmer ganz ernsthaft, der das Familienunternehmen in vierter Generation leitet. In einer Zeitschrift habe die Dame in den achtziger Jahren einmal Einblick in ihr Schlafzimmer gewährt, und da habe er sofort das Design aus seinem Hause erkannt.

          Aus dem vom Urgroßvater 1899 in Frankfurt gegründeten Textilgroßhandel, der vor 50 Jahren nach Oberursel umsiedelte, ist längst ein global agierender Konzern mit acht Marken geworden. Jüngste Tochter ist Ado, den meisten wohl als „die mit der Goldkante“ bekannt. Deren verstaubtes Gardinen-Image will Andreas Zimmer nun ordentlich aufpolieren. „Ich freue mich, dass wir nun auch eine solche Mittelmarke dabei haben“, sagt der Geschäftsführer, dessen andere Marken im deutlich höherpreisigen Segment zu verorten sind.

          Mit Glück Chance auf Restposten

          Polyester und Synthetik fassten sich heute an wie Naturmaterialien, schwärmt der Textilliebhaber. Die Kernmarke allerdings setzt man eher mit modern-elegantem Samt, Brokat, schwerem Leinen und hochwertig verarbeiteter Baumwolle mit wundervollen Drucken und Farben gleich. Mit etwas Glück kann man im Outlet neben der Firmenzentrale zum deutlich moderateren Preis Restposten davon erstehen. Neben Stoffen für Gardinen und Polsterbezüge bietet Zimmer und Rohde auch hochwertige Tapeten, Möbelstücke, Bettwäsche, Posamente und eine handgefertigte Kissenkollektion an. Außer im Outlet kann man die Produkte nur über Geschäfte für Innenausstattung beziehen. Die Produkte werden in 50 Ländern verkauft, das Unternehmen beschäftigt 400 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von 75 Millionen Euro.

          Die Fachmesse Heimtextil sei für sein Unternehmen bei den Stoffen eher zweitrangig, da sei Paris wichtiger, sagt Zimmer. Für die Tapeten allerdings sei die Frankfurter Messe der wichtigste Schauplatz. Die Wand eines der Showrooms am Zimmersmühlenweg – benannt nach einem seiner Vorfahren, der dort eine Mühle betrieb – prägt ein sehr ausgefallenes Exemplar: Auf den Philippinen handgeschöpfte Papierquadrate im Format von zehn mal zehn Zentimetern sind auf eine Unterlage aufgebracht und simulieren eine Art künstlerisch verfremdeten Wolkenhimmel. 150 Euro und mehr kostet solch eine wertvolle Tapetenrolle leicht, doch kaum jemand wird sich damit ganze Räume dekorieren. „Eine Wand oder ein Teil davon reicht völlig aus, dazu könnte man sogar selbst Ikea-Möbel kombinieren“, sagt der Fachmann für gehobene Wohnausstattung.

          So etwas tut er aber natürlich nicht. Das klassische Sofa vor der Wand ist mit ecru-farbenem Bezug ausgestattet, darauf liegen einige der dunkelroten und buntgemusterten Kissen, die das Unternehmen seit kurzem im Sortiment hat. Sie wirken wie aus altem Samt, „sind aber so pflegeleicht, dass sich selbst Kugelschreiberstriche oder Lippenstift ganz leicht entfernen lassen“, wie Zimmer erläutert.

          Ankurbeln des schwerfälligen Marktes

          Mit solchen Innovationen versucht das Unternehmen einen Markt anzukurbeln, der in den vergangenen 15 Jahren etwas schwerfällig ist. „Obwohl die Wirtschaft super läuft, heißt das nicht unbedingt auch Wachstum für uns“, sagt Zimmer. Menschen wollten zwar verstärkt zu Hause sein, sich dort wohlfühlen, betrieben „cocooning“, das aber solle meist möglichst preiswert sein. Der Einzelhandel müsse mehr Emotionen wecken, so die Einschätzung des Unternehmers, der von sich selbst sagt, dass er 70 Prozent seiner Entscheidungen aus dem Bauch heraus trifft. Immerhin konstatiert er gegenwärtig eine Kehrtwende, der Trend zum Minimalismus des Wohnens weiche dem Gemütlichen, das sehr lange mit Spießigkeit gleichgesetzt worden sei. Trotz all der farbenprächtigen großen Muster auf den Stoffen im Firmensortiment, die einen wahlweise in einen Dschungel oder einen Rosengarten versetzen können, sei die Lieblingsfarbe der deutschen Kunden nach wie vor Silbergrau. 20 Prozent des Umsatzes macht er in Deutschland.

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