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Teurer wohnen für Studenten : Dachterrasse und Empfangsdienst

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Protest zwischen zwei Fenstern: In vielen deutschen Großstädten beschweren sich Studenten über Wohnungsmangel und teure Mieten. Bild: dpa

Private Investoren bauen immer mehr Studentenwohnheime in Frankfurt. Den Wohnungsmangel beseitigt das aber nicht - denn nur wenige können sich die Apartments leisten.

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          Familie Schanze ist extra aus Bremen angereist, um beim Umzug zu helfen. Denn die Töchter Julia und Sonja beziehen an diesem Tag das neue Wohnheim am Campus Bockenheim - als zwei der ersten Bewohnerinnen. Morgen wird die private Studentenunterkunft der Marke „The Flag“ dann offiziell eröffnet. Sie liegt im ehemaligen Philosophicum, das saniert und umgebaut wurde. 174 Ein-Zimmer-Appartements gibt es nun dort, im Neubau nebenan entstehen 64 weitere. Lange war das denkmalgeschützte Gebäude umkämpft, die Bürgerinitiative „Wohnen im Philosophicum“ wollte es erwerben, brachte jedoch nicht den gewünschten Kaufbetrag auf. 2014 ging das Gebäude an „The-Flag“-Inhaber Rudolf Muhr, der daraus das private Wohnheim machte.

          Insgesamt wird es die 238 Appartements in zwei Kategorien geben: vollmöbliert und halb möbliert. Julia und Sonja Schanze haben zwei halb möblierte Appartements à 26 Quadratmeter gemietet - jeweils mit moderner Küchenzeile und Badezimmer. Die Schwestern hatten Glück, denn sie haben zwei der 32 von der öffentlichen Hand geförderten Wohnungen in dem denkmalgeschützten Gebäude bekommen und zahlen deshalb nur jeweils 350 Euro Warmmiete, W-Lan inklusive. Die halb möblierten, nicht geförderten Appartements dagegen beginnen mit 620 Euro Warmmiete für 23 Quadratmeter, die vollmöblierten bei 850 Euro. Darin enthalten sind Geschirr, Föhn und das hauseigene Servicebüro. Eine Lounge auf der Dachterrasse und ein Fitnessraum sollen noch gebaut werden.

          Mieten von bis zu 1000 Euro

          Rund zehn solcher Appartementhäuser mit zirka 2500 Plätzen gibt es in Frankfurt, an mindestens drei weiteren wird gebaut. Sie heißen zum Beispiel The Fizz, The Flag, Headquarter oder Youniq und haben eines gemeinsam: „Sie richten sich an Studenten mit gut gefülltem Geldbeutel. Doch da es nicht so viele gibt, die sich Mieten von bis zu 1000 Euro leisten können, vermieten die Betreiber immer öfter an sogenannte Young Professionals, also Berufseinsteiger und junge Pendler.

          Einer davon ist Benedikt Haas. Der 24 Jahre alte Hotelfachmann wohnt im Studentenwohnheim The Fizz an der Galluswarte, seitdem es vor rund einem Jahr eröffnet wurde. Für 23 Quadratmeter mit Küchenzeile und Duschbad zahlt er 757 Euro Warmmiete im Monat. „Das ist schon super. Ich musste keine Möbel mitbringen, die Lage ist top, und es sind sehr viele Serviceleistungen wie ein Empfangsdienst, Kinoleinwand, Fitnessraum und diverse Gemeinschaftsveranstaltungen enthalten“, sagt er und fügt hinzu: „Wir sind hier wie eine kleine Familie geworden.“

          Füße Berufseinsteiger und Studenten aus reichem Haus

          Am Westbahnhof steht das Headquarter. Ein zweites Wohnheim desselben Investors wird gerade an der Mainzer Landstraße in Höhe der Hellerhofstraße gebaut. Zudem betreibt die Domus-Vivendi-Gruppe drei Wohnheime in Frankfurt, auf dem Riedberg stehen zwei Studentenwohnheime des Betreibers Youniq. Das Konzept der privaten Studentenwohnheime ist sehr ähnlich: Bei den meisten Marken handelt es sich um Ketten, die weitere Objekte in anderen Studentenstädten haben. Sie alle bieten möblierte Ein-Zimmer-Appartements mit zusätzlichen Gemeinschaftsräumen.

          550 Euro Warmmiete ist meist der günstigste Preis für ein Appartement von zirka 18 Quadratmetern Größe, inklusive Küchenzeile und Bad. Wer größere Appartements von bis zu 39 Quadratmeter sucht, zahlt bei Youniq auf dem Riedberg bis zu 900 Euro, Headquarter verlangt 700 Euro für 35 Quadratmeter, und die teuersten und größten Wohnungen von The Flag kosten bis zu 1400 Euro warm im Monat. Die privaten Anbieter füllen damit eine Lücke auf dem Markt: Berufseinsteiger und Studenten aus wohlhabendem Haus, die auf möglichst unkomplizierte Weise Wohnraum in zentraler Lage suchen, werden bei ihnen fündig.

          Günstiger Wohnraum fehlt weiterhin

          Dem Deutschen Studentenwerk kommt das nicht ungelegen. Seit Jahren beklagt es, dass die staatlich geförderten Wohnheimplätze in keinem Verhältnis zu den staatlich geförderten Studienplätzen stünden. Referatsleiter Stefan Grob sieht daher durch die privaten Anbieter vor allem eine Entlastung. „Ein gutes Fünftel der Studierenden hat mehr als 1000 Euro im Monat zur Verfügung. Für sie sind die Angebote der privaten Wohnheime genau richtig. Doch leider deckt das nur einen Teil ab.“

          Für die restlichen vier Fünftel wird es knapp. Der Großteil von ihnen habe weniger als 700 Euro monatlich zur Verfügung, sagt Grob. Viele könnten sich nur die Mieten der Studentenwerk-Wohnheime leisten, die im Schnitt 234 Euro betrügen. Doch davon gebe es nicht annähernd genug - obwohl sich in Frankfurt 21 solcher Wohnheime mit etwa 2800 Plätzen finden. Er sieht darin ein großes Problem. „Der Markt allein wird es nicht richten. Gerade den eklatanten Mangel im Rhein-Main-Gebiet werden die privaten Anbieter allein nicht ausgleichen können.“

          AStA der Goethe-Uni ist unzufrieden

          Einige Betreiber von privaten Studentenwohnheimen wollen daher künftig auch günstigere Appartements anbieten. „Wir bemühen uns, auch Studenten mit weniger Geld die Möglichkeit zu bieten“, sagt Horst Lieder, Geschäftsführer von The Fizz. „Erstmals bauen wir das jetzt in Köln unter dem Namen Basic. Das werden 14 bis 15 Quadratmeter große Appartements mit Duschbad für 360 Euro warm.“ Für Frankfurt hat das Unternehmen so etwas noch nicht geplant, dort soll zunächst noch ein neues Luxus-Studentenwohnheim entstehen. „Gerade warten wir noch auf die Baugenehmigung für ein neues Gebäude am Sommerhoffpark. Und wir sind noch an anderen Objekten in Frankfurt dran“, sagt Lieder.

          Unzufrieden ist der AStA. Der Vorsitzende Max Rudel findet die Preise der privaten Wohnheime deutlich zu hoch. „Die meisten Studenten in Frankfurt haben ungefähr ein Budget von 400 Euro für die monatliche Miete zur Verfügung. Für sie sind die Preise in den privaten Wohnheimen einfach nicht machbar.“

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