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Terrorverdächtiger vor Gericht : Wozu baute Halil D. die Rohrbombe?

  • -Aktualisiert am

Das SEK im Einsatz: Polizisten durchsuchen die Wohnung in Oberursel (Archivbild). Bild: Helmut Fricke

Im vergangenen Jahr wurde das Radrennen rund um den Finanzplatz Frankfurt-Eschborn wegen Terrorgefahr abgesagt. Nun beginnt der Prozess gegen den Terrorverdächtigen.

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          Halil D. wollte Menschen töten, und zwar viele. Darüber sind sich die Richter und Staatsanwälte einig, die sich mit dem 35 Jahre alten Mann aus Oberursel beschäftigt haben. Weit auseinander gehen ihre Meinungen aber, wenn es um den Zeitpunkt der geplanten Bluttat geht. Wollte der mutmaßliche Islamist Zuschauer und Sportler des Radrennens „Rund um den Finanzplatz Frankfurt-Eschborn“ treffen? Diese Frage wird von heute an das Frankfurter Landgericht beschäftigen.

          Halil D. und seine Frau Senay wurden von der Polizei beobachtet, seit sie Ende März 2015 in einem Baumarkt drei Liter Wasserstoffperoxid gekauft hatten. Halil D. hinterließ einen falschen Namen, aber auch seinen Fingerabdruck. Die Datenbanken der Justiz lieferten den echten Namen des Mannes, der unter anderem schon mit dem Waffengesetz in Konflikt geraten war. Fortan folgte die Polizei D. und sah mit an, wie der Vater von zwei kleinen Kindern immer wieder die Radrennstrecke abfuhr. Am 30. April, einen Tag vor dem Sportereignis, wurden Halil und Senay D. festgenommen. In ihrem Haus in Oberursel fanden die Ermittler eine mit Nägeln gefüllte Rohrbombe und drei Liter Wasserstoffperoxid. Das Landeskriminalamt sagte das Radrennen aus Angst vor einem Attentat ab.

          Lange Ermittlungen

          Entging Deutschland im Mai 2015 dem ersten großen islamistischen Anschlag? Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat lange ermittelt und ist skeptisch. Senay D., die schon seit Sommer 2015 wieder auf freiem Fuß ist, habe nichts Strafbares nachgewiesen werden können, so die Ermittler. Die Vorwürfe gegen Halil D. wiegen zwar schwer. So soll er seit längerem Kontakte in die radikalislamistische Szene gepflegt haben. Schon 2007 hatte er mit der sogenannten Sauerland-Gruppe zu tun, drei Männern, die längst wegen der Vorbereitung eines islamistischen Anschlags verurteilt sind. Und D. war selbst entschlossen, bei einer Großveranstaltung in Deutschland Menschen zu töten, davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Dass er dabei aber das Radrennen im Auge gehabt habe, lasse sich nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit sagen.

          Gleich zwei Gerichte haben der Staatsanwaltschaft noch vor Prozessbeginn widersprochen. Erst ließ das Oberlandesgericht bei der turnusmäßigen Haftprüfung von Halil D. wissen, der Verdächtige habe durchaus einen Anschlag auf das Radrennen geplant, davon sei auszugehen. Kurz darauf formulierte das Landgericht bei der Eröffnung des Hauptverfahrens, D. habe „einen Anschlag auf die Sportveranstaltung zumindest in Betracht gezogen“.

          Diese Meinungsverschiedenheiten sind so ungewöhnlich wie die Entschlossenheit, mit der sich der Anwalt von Halil D. zu einem frühen Zeitpunkt öffentlich über seinen Mandanten geäußert hatte. Im Sommer bezeichnete Ali Aydin die Beweislage der Staatsanwaltschaft im Gespräch mit dieser Zeitung als „sehr dünn“. Sein Mandat habe das Wasserstoffperoxid zur Schimmelbekämpfung in seiner Wohnung benötigt und die Radrennstrecke im Taunus nur genutzt, um seinen Wagen für mehrmalige TÜV-Untersuchungen warm zu fahren.

          Halil D. hat das alles auch selbst gesagt, in den Vernehmungen der Staatsanwaltschaft. Er, der Kontakte in die salafistische Szene Frankfurts hatte, stritt zudem ab, Islamist zu sein. Eine der ihm vorgeworfenen Taten gab er aber zu: Es stimme, sagte er, dass er im Baumarkt einen falschen Namen angegeben habe.

          Auch dieses Delikt, eine Urkundenfälschung, wird von heute an das Landgericht beschäftigen.

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