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Terminal in St. Petersburg : Die Eröffnung will Fraport mit Putin feiern

Es wächst: Der russische Flughafen Pulkovo. Bild: Thorsten Winter

Noch ist das dritte Terminal des von Fraport betriebenen Flughafens von St.Petersburg eine einzige Baustelle. Doch im Dezember sollen dort die ersten Passagiere abgefertigt werden. Zur Eröffnung erwartet der Betreiber den russischen Präsidenten.

          Der Weg in die Zukunft der russischen Luftfahrt führt durch eine Spalte in einem hölzernen Bauzaun, über Sand und Staub, vorbei an gestapelten Zementsäcken und Gehwegplatten, mit Planen abdeckten Rolltreppen hinein in einen Koloss aus Stahl, Beton und Glas. Drinnen hantieren Hunderte Männer in gelben Westen und mit weißen Helmen geschützt mit Werkzeugen, bedienen Baumaschinen und stehen auf Hubwagen. Klebergeruch sticht in die Nase, das Kreischen eines Trennschleifers bohrt sich in die Ohren.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor allem aber eröffnet sich eine ungeahnte Weite im neuen Terminal des Pulkovo genannten Flughafens von St.Petersburg. Haushoch erscheint die mit Metallplatten wellenartig geformte Decke in der Ankunftshalle, höher als im Terminal 2 des Frankfurter Flughafens. Welch ein Gegensatz zum internationalen Terminal von Pulkovo, in dem der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport AG mit drei Partnern seit 2009 das Sagen hat.

          Es wird doppelt eng

          Wer aus dem Flugzeug in den sogenannten North Pier geht, betritt einen schmucklosen, in Grau- und blassen Brauntönen gehaltenen Bau, dessen Decken kaum höher sind als die einer Altbauwohnung in Deutschland. Dagegen wirken kleine Flughäfengebäude wie etwa in Berlin-Tegel geradezu luftig. Wer auf seinen Abflug wartet, muss mit harten blauen Metallsesselchen vorliebnehmen und sitzt zudem in einem Glaskasten, die jenen ähneln, die an westlichen Flughäfen für Raucher vorgehalten werden. Komfortabel ist das nicht eben.

          Wenn der Fluggast dann noch zu jenen 500 Passagieren gehört, die die russische Fluggesellschaft Transaero in eine Boeing 747 packt, wird es doppelt eng: in den Glaskästen und auf den Gängen davor. So wird augenfällig, weshalb Bauarbeiter das neue Terminal hochziehen. „Das hier ist nicht mehr adäquat“, sagt Volker Wendefeuer, der für das Tagesgeschäft von Pulkovo zuständig ist. Zumal die Zahl der Fluggäste Jahr für Jahr wächst. 11,2 Millionen waren es 2012, und dieses Jahr sind es schon wieder 16 Prozent mehr als vor Jahresfrist, wie er sagt.

          Es ging schnell

          Der stämmige Mann mit hoher Stirn und breitem, herzlichem Lachen zeichnet als Chief Operations Officer von Northern Capital Gateway. An dieser Gesellschaft hält Fraport 35,5 Prozent, 135 Millionen Euro haben die Frankfurter bisher in diese Beteiligung gesteckt; größter Anteilseigner ist die international tätige russische Bank VTB, eine griechische Gruppe ist mit sieben Prozent beteiligt. Fraport verantwortet den laufenden Betrieb und hat Wendefeuer nicht von ungefähr in die vielleicht westlichste russische Stadt geschickt. Zuvor hat er sich unter anderem schon in Kairo bewährt, wo Fraport einen Management-Vertrag für den internationalen Flughafen besitzt, den größten Afrikas.

          Auf seinem Bauhelm steht in schwarzen Ziffern das Datum, an dem der Grundstein für das neue, das dritte Terminal von Pulkovo gelegt wurde: 24.11.10. Anfang Dezember will Wendefeuer die ersten Passagiere im 140.000 Quadratmeter großen Neubau begrüßen, einige Tage zuvor will Northern Capital Gateway mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die Eröffnung feiern. Dabei ziehen Bauarbeiter eines italienischen und eines türkischen Unternehmens nicht nur ein Flughafengebäude hoch, das laut Bauleiter Joachim Herter das erste „grüne“ Gebäude von St.Petersburg wird und dessen Kosten von 3000 Euro je Quadratmeter „sehr wettbewerbsfähig“ sind. Auch ein Hotel, Parkplätze und ein Business-Center gehören zum Großauftrag. Und obwohl überall noch Baustelle ist, lässt er keinen Zweifel an dem Ziel aufkommen: „Das klappt.“ Und sein Chef Sergey Emdin sagt unaufgeregt: „Ich bin zuversichtlich, dass der Neubau zum Jahresende fertig wird.“ Die für den Betrieb wichtigen IT-Systeme laufen schon, wie es heißt.

          Schon jetzt drittgrößter Flughafen Russlands

          Auch Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte gibt sich entspannt. Er hat sich zur Wochenmitte die Baustelle angesehen und hebt die „Riesen-Fortschritte“ bei den Bauarbeiten hervor: „Vor einem halben Jahr war hier gerade mal das Dach drauf“ - mittlerweile ist die Decke mit Hunderten segelförmiger Platten ausgekleidet, die im Verbund wie eine Wabe wirken. So lobt er die „Klasse-Belegschaft, die sehr gut mitzieht“.

          Pulkovo ist zwar schon jetzt der drittgrößte Flughafen Russlands nach den beiden Airports in Moskau. Aber dass der Koloss mühelos mit noch mehr Fluggästen zu füllen sein wird, steht für Schulte außer Frage, wie er sagt. 18 Millionen sollen es „in den nächsten Jahren“ sein.

          Vorerst geht es noch ums Investieren

          Seine Zuversicht unterfüttert er mit einer ganzen Reihe von Zahlen. Die Region St.Petersburg erbringe gut zehn Prozent der gesamten russischen Wirtschaftsleistung. Das Einzugsgebiet sei mit knapp 8,4 Millionen Einwohnern in etwa so groß wie das des Frankfurter Flughafens. Frankfurt schleuse aber fünfmal so viele Fluggäste durch. „Da sehen Sie, wie viel Potential hier noch ist“, sagt Schulte mit Blick auf Pulkovo. Der Terminalbau, der nach seinen Worten voll im Budget ist, gilt als das erste größte Projekt einer öffentlich- privaten Partnerschaft in Russland. 30 Jahre lang soll diese Partnerschaft laut Vertrag laufen. „Wir sind so etwas wie das Versuchskaninchen - aber bisher ein sehr erfolgreiches“, hebt Schulte hervor.

          In Euro zahlt sich das aber noch nicht aus - vorerst geht es noch ums Investieren. Doch für 2018 erwartet Schulte die erste Dividende von Pulkovo an Fraport. Zum Erfolg beitragen sollen auch neue Auslandsverbindungen. Wie zu hören ist, soll ein britischer Billigflieger künftig Polkovo mit zwei englischen Städten verbinden - zudem liebäugelt eine große amerikanische Fluggesellschaft damit, wieder St.Petersburg anzufliegen.

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