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Tennis : Auf den Spuren von Vorbild Scharapowa

Rückschlag auf der Rosenhöhe: Als French-Open-Halbfinalistin angereist, unterliegt Antonia Lottner in Offenbach schon in Runde zwei. Bild: picture-alliance / Rolf Kosecki

Paris, Offenbach, London, New York: Mit ihren 15 Jahren spielt Antonia Lottner bei den großen Nachwuchsturnieren. Womöglich lockt bald ein Angebot von der Weltranglistenersten.

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          Vergangene Woche in Paris mochte Antonia Lottner kaum ihren Augen und Ohren trauen. Die Fünfzehnjährige schuftete im Kraftraum von Roland Garros, und gleich nebenan saß ihr großes Idol und sprach mit ihrem Manager - über sie! Antonia Lottner wagte es zwar nicht, sich Maria Scharapowa zuzuwenden und sich vorzustellen. Kann aber gut sein, dass sie demnächst Post und damit einhergehend ein Angebot von der russischen Weltranglistenersten bekommt. Denn für jede neue Tenniskollektion, die Maria Scharapowa auf der Profitour trägt, wählt sie mit ihrem Ausstatter einige möglichst vielversprechende und auffällige Talente aus, die das gleiche Kleidchen in den Nachwuchswettbewerben anziehen dürfen. Vor einigen Jahren gehörte in Julia Görges schon eine junge deutsche Tennisdame zu denen, die wie die große Scharapowa herumlaufen durften. Und bald auch Antonia Lottner, über die in Paris schon getuschelt wurde?

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dass die Wahl so ganz verkehrt nicht wäre, hat die gebürtige Düsseldorferin in den vergangenen Wochen bewiesen. Erst spielte sie sich beim ITF-Jugendturnier im italienischen Bonfiglio als Qualifikantin ins Finale und sicherte sich damit auch die Teilnahme an den French Open. Anschließend mischte Antonia Lottner in Paris das Hauptfeld auf, als sie sich gleich bei ihrem Debüt in der Juniorinnen-Konkurrenz eines Grand-Slam-Turniers bis ins Halbfinale durchschlug. Dort scheiterte sie zwar an der Slowakin Anna Schmiedlova, die im Endspiel ihrerseits der Bonnerin Annika Beck unterlag. Doch ihre Pariser Premiere fand die Düsseldorferin rundum „schön“: „Für mich war es wie eine Belohnung, nachdem ich im letzten Jahr und den vergangenen Monaten hart gearbeitet hatte.“ Damen-Bundestrainerin Barbara Rittner sagte, sie sei von Antonia Lottner, die zu den vier Spielerinnen des kürzlich gegründeten „Porsche Talentteam Deutschland“ gehört, „positiv überrascht“.

          Sie gönnt sich eine Erholungspause

          Verblüfft war auch Uta Tschepe, als Antonia Lottner zu Beginn dieser Woche vor ihr stand, um sich zum ITF-Junioren-Turnier in Offenbach zu melden. Sie könne sich Gesichter besser merken als Namen, sagte die Turnierdirektorin, aber im Falle der blonden Rheinländerin musste sie zweimal hinschauen. Im vergangenen Jahr, sagt Uta Tschepe, sei der Teenager „noch kein Hingucker“ gewesen und „so gut wie gar nicht aufgefallen“. Was wohl auch daran lag, dass Antonia Lottner sich 2011 gleich nach der ersten Runde vom stets hochklassig besetzten Nachwuchsturnier verabschieden musste. In diesem Jahr allerdings kehrte das Talent nicht nur hoch aufgeschossen und etwas reifer zurück, sondern auch als gestandene French-Open-Halbfinalistin. „Ich will bei den Juniorinnen noch weit kommen und mich auch bei den Damen weiter etablieren“, sagt Antonia Lottner, die in der Jugend-Weltrangliste auf Position 33 und bei den Damen nach vier Profiturnieren auf Platz 911 geführt wird.

          Dass der geplante Karriereweg nicht schnurstracks verläuft, sondern auch von überraschenden Ausrutschern begleitet wird, musste die junge Deutsche in Offenbach erleben. An Nummer sechs gesetzt, hatte sie zunächst ein Freilos. Am Donnerstag griff sie dann mit Verspätung ins Turniergeschehen ein, nachdem ihr Zweitrundenmatch gegen Zarah Razafimahatratra aus Madagaskar tags zuvor wegen Dauerregens ins Wasser gefallen war. Antonia Lottner erwischte einen ordentlichen Start und ging 2:0 in Führung; doch nachdem sie den ersten Satz recht mühsam 6:4 gewonnen hatte, lief nicht mehr viel zusammen. 1:6 und 4:6 gab sie die letzten beiden Sätze ab, so dass sie wie im Vorjahr schon nach dem ersten Match von der Rosenhöhe abreisen musste. Eine abermalige Regenunterbrechung hätte ihr wohl gutgetan, so wie kürzlich im French-Open-Viertelfinale: „Dort konnte ich die Zeit nutzen, um mit meinem Trainer zu sprechen.“ In Offenbach dagegen war sie auf die vereinzelten Anfeuerungsrufe von Barbara Rittner angewiesen. Doch deren wiederholtes „Auf geht’s, Lotti!“ verhallte ohne Wirkung.

          Nach ihrer Niederlage reist Antonia Lottner - anders als ihre Altersgenossen - nicht weiter zum Rasenturnier im ostwestfälischen Halle, sondern gönnt sich nach den stressigen Turnierwochen zunächst eine Erholungspause. Dann wird sie in Wimbledon aufschlagen, wenn alles im Sinne von Barbara Rittner läuft, nicht in der Qualifikation, sondern dank einer Wildcard gleich im Hauptfeld. Für die US Open im September ist Antonia Lottner aufgrund ihrer jüngsten Erfolge schon direkt qualifiziert. Bis dahin wird sie weiter versuchen, ihrem Vorbild Maria Scharapowa in jeder Hinsicht nachzueifern. „Ich beneide ihren Kampfeswillen“, sagt Antonia Lottner. „Vom Typ her bin ich ähnlich wie sie.“ Äußerlich bestehen zwischen den beiden langen Blondinen viele Ähnlichkeiten. Spielerisch, das hat Antonia Lottners enttäuschender Auftritt in Offenbach gezeigt, trennen die beiden Welten.

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