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Telefonrechnung : Telekom & Co. kassieren nicht nur für sich

Kann unverhofft teuer werden: Smartphones bieten ungeahnte Möglichkeiten, aber auch ungeahnte Risiken. Bild: dpa

Verbraucher sollten sich ihre Telefonrechnung immer genau anschauen. Bisweilen finden sie dort Forderungen von Firmen, von denen sie nie gehört haben.

          Eigentlich hat der Telekom-Kunde einen Flatrate-Tarif, doch der Kontoauszug weist höhere Handykosten auf als sonst. Sicher zu viele SMS in fremde Netze geschickt oder unbedacht hochauflösende Bilder via Handy verschickt. Passiert mir nicht wieder, sagt sich der Mobiltelefonierer und belässt es dabei. Es gibt immer eine plausible Ausrede, die Mobilfunkrechnung nicht im Detail zu prüfen. Wer hat schon Lust, sich durch Rechnungen (Wo sind die gleich abgelegt?) zu wühlen oder sich zur Kontrolle der inzwischen in der Regel auf elektronischem Weg verschickten Rechnungen beim Provider einzuloggen, um dabei festzustellen, dass man wieder einmal eines von gefühlten 50 Passwörtern vergessen hat.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Doch Vorsicht, an der Stelle kann Bequemlichkeit teuer werden. Denn es kann sein, dass etwa die Telekom via Mobilfunkrechnung auch gleich für Drittanbieter mitkassiert. Und zwar womöglich für solche Unternehmen, von denen der Kunde noch nie etwas gehört und mit denen er auch nie wissentlich einen Dienstleistungsvertrag geschlossen hat.

          Abofalle

          Kontrolliert der Ahnungslose dann doch einmal ganz genau, stößt er womöglich auf einen Abschnitt, der mit „Leistungen Dimoco Germany GmbH“ überschrieben ist. Im Fall des kontrollfaulen Telefonierers ist es so. Bei ihm finden sich auf der Rechnung angebliche Dienstleistungen, die oft nachts um 00:55 Uhr abgerufen worden sein sollen. Dahinter steht wahlweise „Digipay“ oder „Abo“. Und wo heute in der digitalen Welt von Abo die Rede ist, fügt sich reflexhaft und oft nicht zu Unrecht das Wort Falle an. Eine Abofalle, offensichtlich.

          Die lauern etwa bei den Apps, den kleinen Softwareprogrammen für internetfähige Handys (Smartphones). Wie es bei der Verbraucherzentrale Hessen heißt, funktionieren solche Fallen bislang etwa so, dass irgendwo in einem kostenlosen Programm ein Werbebanner auftaucht. Es reicht offenbar aus, dieses nur einmal versehentlich mit dem Finger zu berühren, um ein kostenpflichtiges Abo auszulösen. Kassiert wird über die monatliche Mobilfunkrechnung, über die viele dann erstmals von dem angeblichen Vertragsabschluss erfahren.

          Doppelte Zustimmung erforderlich

          Verbraucherschützer bestreiten, dass in solchen Fällen überhaupt ein Vertrag entsteht. Wie die Verbraucherzentrale Hessen im Internet schreibt, wäre es sinnvoll, wenn der Mobilfunkanbieter das Inkasso an Drittanbieter nicht oder nur nach Genehmigung des Nutzers anbieten würde. Dies sei zurzeit leider nicht der Fall.

          Die gute Nachricht: Vom 1. August an soll bei Verträgen via Mobilfunk eine doppelte Zustimmung erforderlich sein, das gilt auch für Internetseiten. Andernfalls ist definitiv kein Abo-Vertrag zustande gekommen. Verbraucherschützer sind skeptisch, weil dubiose Firmen bisher immer noch ein Hintertürchen entdeckt hätten.

          Die Telekom verweigert sich

          Dem Kontrollmuffel hilft anscheinend gleich der erste Anruf beim Kundentelefon der Telekom weiter. Ein freundlicher Berater schlägt vor, eine sogenannte Drittanbietersperre einzurichten. Den erleichterten Smartphone-Nutzer entlässt der Berater mit dem Versprechen: „Von nun an sind Sie sicher vor Drittanbietern.“ Der Kunde hofft das nun, bleibt allerdings skeptisch angesichts unzähliger Beschwerden in Internetforen darüber, dass auch nach Einrichtung einer solchen Sperre Zahlungen an ihnen unbekannte Unternehmen abgebucht worden seien.

          Der Kunde zählt trotzdem auf den Telekom-Berater. Allerdings will er auch die etwa 100 Euro zurück, die ihm über mehrere Rechnungen hinweg von Unbekannt mit Hilfe der Telekom vom Konto geräumt wurden. Hier verweigert sich die Telekom. Ein anderer Kundenberater gibt zu Protokoll, dass es nicht Sache der Telekom sei, zu kontrollieren, was sie ihren Kunden in Rechnung stelle, darauf müsse der Kunde schon selbst achten. Und überhaupt, wenn das über Monate so laufe, sei man selbst schuld. Wenn der Kunde sich beschweren wolle, dann gefälligst bei der Dimoco Germany GmbH, nicht bei ihm.

          Bank kann Lastschrift zurückbuchen

          Der Angeblaffte folgt der Anweisung und erhält über die Hotline von Dimoco, Tochter der österreichischen Dimoco Direct Mobile Communications GmbH, die Auskunft, Dimoco stelle lediglich die digitale Infrastruktur für andere Anbieter zur Verfügung. Weiter lässt der Callcenter-Mitarbeiter wissen, dass unter der Mobilfunknummer des Ratsuchenden zwei Abos aufgelistet seien, die er nun aber sofort sperren werde. Um welche Abonnements es sich handelt, will der Mitarbeiter am Telefon nicht verraten, sagt aber eine Mail zu, in der die Kündigung bestätigt und in der mitgeteilt werde, wem man da gerade gekündigt habe. Es werde aber bis zu zehn Werktage dauern, bis das Schreiben eintreffe. Im Übrigen wisse man von den Anbietern nichts.

          Wer sich diesen Ärger ersparen will, sollte von vornherein eine Drittanbietersperre von seinem Mobilfunkanbieter einrichten lassen - ähnlich der 0900er-Sperre bei einem Festnetzanschluss. Es genügt ein Anruf bei der Hotline (siehe auch www.verbraucher.de und www.verbraucherzentrale-bayern.de, Stichwort Abofalle).

          Wenn schon Fehlbeträge entstanden sind, kann man von seiner Bank die schon eingezogene Lastschrift wieder zurückholen lassen. Sie holt laut Verbraucherzentrale aber nur den Gesamtbetrag zurück. Deshalb müssen Handykunden ihrem Mobilfunkanbieter umgehend die diesem zustehenden Betrag zurücküberweisen und diesen Vorgang auch begründen. Einfacher ist es, erst gar keine Einzugsermächtigung zu erteilen. In jedem Fall sollten Verbraucher regelmäßig ihre Telefonrechnung überprüfen.

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