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Teilsperrung bei Darmstadt : Furcht vor Verkehrskollaps im Osten der Stadt

  • -Aktualisiert am

Sanierungsfall: das Trogbauwerk der B 26 im Osten Darmstadts Bild: Marcus Kaufhold

Die Nachricht von einer monatelangen Teilsperrung der Bundesstraße 26 bei Darmstadt sorgt für politische Aufregung in Südhessen. Nun ist das Verkehrsministerium mit der Sache beschäftigt.

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          Kurz vor den Sommerferien haben Darmstadts Stadtverordnete sich intensiv mit dem Radwegeausbau beschäftigt und ein entsprechendes Programm beschlossen. Kaum aber haben die Ferien begonnen, rücken die Autofahrer und Pendler aus dem Darmstädter Umland in den Fokus. Seit Anfang der Woche dreht sich die südhessische Sommer-Diskussion nur noch um ein Thema: Die für 2020 vorgesehene Teilsperrung der Bundesstraße 26 am östlichen Eingang Darmstadts für voraussichtlich sieben Monate.

          Die Straßen- und Verkehrsbehörde Hessen Mobil will die maroden Wände des Trogbauwerkes sanieren, durch das die Straße kurz vor dem Darmstädter Ostbahnhof zwischen dem Edelstein- und dem Woogsviertel hindurchführt. Die Folge: Vom Frühjahr an müsste die Zufahrt aus dem östlichen Teil des Kreises Darmstadt-Dieburg nach Darmstadt monatelang über die Aschaffenburger und die Erbacher Straße umgeleitet werden. Der Groß-Umstädter Bundestagsabgeordnete Jens Zimmermann (SPD) spricht angesichts dieser Aussichten von einer „Operation am offenen Herzen“, die zum „endgültigen Kollaps“ auf der B 26 führen könne.

          Die Freiheit massiv einschränken

          Bekannt wurden die Pläne am Montag durch einen Artikel des „Darmstädter Echo“. Seitdem schlagen die Wellen hoch. Zu Wort gemeldet haben sich außer Zimmermann der Landrat des Odenwaldkreises, die Darmstädter SPD, die grün-schwarze Koalition der Stadt, die Darmstädter Junge Union, der SPD-Landtagsabgeordnete Bijan Kaffenberger und sein CDU-Kollege im Landtag, Manfred Pentz. Der teilte mit, er sei äußerst überrascht, dass ihn die Nachricht der geplanten Teilsperrung im Urlaub erreiche. Weil diese die Bewegungsfreiheit Tausender Pendler massiv einschränken werde, habe er sofort dem Verkehrsminister geschrieben mit der Bitte, sich des Problems anzunehmen und nach einer „verträglichen Lösung“ zu suchen.

          Die hohe Sensibilität für die B 26 kommt nicht von ungefähr. Darmstadt hat täglich im Schnitt 70.000 Einpendler, knapp die Hälfte davon kommt aus den östlichen Städten und Gemeinden des Kreises Darmstadt-Dieburg und aus dem Odenwaldkreis. Vor Jahrzehnten war dies der Grund, warum Darmstadt die B 26 um die Kernstadt herumführen wollte. 2011 wurde das Projekt der Nordost-Umgehung nach der Kommunalwahl, in der die Grünen stärkste Fraktion wurden, politisch aber abgewickelt. Geblieben ist das Nadelöhr am Ostbahnhof. Dort ist die Zahl der Fahrzeuge in Stoßzeiten so groß, dass selbst überschaubare Straßenarbeiten stadteinwärts den täglichen Stau zur Rushhour erheblich verstärken. Auch die Busse sind meist überfüllt, weshalb seit Jahren über den Bau einer Straßenbahnlinie in den Ostkreis diskutiert wird.

          Eine der Hauptverkehrsachsen

          Bauarbeiten an der B 26 sind also dazu geeignet, die gesamte südhessische Verkehrssituation zum Thema zu machen. Genau das ist der Fall. Frank Matiaske (SPD), Landrat des Odenwaldkreises, meldete mit der Forderung zu Wort, zur Entlastung auf der Strecke der Odenwaldbahn in der Hauptverkehrszeit Doppelstockzüge fahren zu lassen. Man dürfe die Pendler nicht allein lassen, die grundsätzlich nötige Kapazitätsausweitung der Odenwaldbahn müsse kurzfristig geschehen. Der Darmstädter SPD-Parteivorsitzende Tim Huß schlägt vor, den für Herbst zwischen Stadt und Landkreis vereinbarten Verkehrsgipfel zu den Nahverkehrs-Anbindungen des Ostkreises vorzuziehen, um „Abstimmungs- und Entscheidungsstrukturen zur Verkehrspolitik in der Region zu schaffen“. Außerdem verlangt Huß den Einsatz von Sammelbussen.

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