https://www.faz.net/-gzg-9no42

Ausgrabungen in Mainz : Tausend Jahre alter Sarkophag geöffnet

  • Aktualisiert am

Bedeutungsvolle Öffnung: Der Sarkophag soll mehr als tausend Jahre alt und die letzte Ruhestätte eines Bischofs sein. Bild: Michael Kretzer

In der Mainzer Johanniskirche öffnen Forscher einen bei Grabungen entdeckten Steinsarg. Es wird vermutet, dass darin ein Bischof beigesetzt wurde. An der Untersuchung wirken Anthropologen und Textilwissenschaftler mit.

          In einem tausend Jahre alten Sarkophag in der Mainzer Johanniskirche haben Forscher am Dienstag die Überreste eines Geistlichen entdeckt. Darauf deute eine Goldbordüre am Kopf und im Armbereich des Toten hin, sagte Grabungsleiter Guido Faccani nach der Öffnung des Steinsargs. Steinmetze des Mainzer Dombauamts hoben mit einem Flaschenzug die 700 Kilogramm schwere Steinplatte hoch. Ein Team von 14 Wissenschaftlern begann daraufhin mit der Untersuchung, die sorgfältig dokumentiert wird. Danach soll der Sarkophag wieder geschlossen werden, um die Totenruhe zu wahren.

          Der steinerne Sarg aus dem 11. Jahrhundert wurde im vergangenen Jahr bei archäologischen Grabungen in der evangelischen Kirche freigelegt. Es wird vermutet, dass der Sarkophag das Grab des Mainzer Bischofs Erkanbald sein könnte, der 1021 starb. Damit wäre der Nachweis gelungen, dass St. Johannis der „Alte Dom“ von Mainz war - also die erste Kathedrale vor dem später erbauten heutigen Dom, der seit 1036 Bischofssitz ist.

          Schwierige Datierung und Identifizierung

          Eine Identifizierung der Person sei zunächst ebensowenig möglich wie eine genaue Datierung, sagte Faccani. Im Anschluss an die archäologische Fotografie hätten Anthropologen mit der Untersuchung begonnen. Auch Experten für historische Textilien wirken mit.

          Die evangelische Johanniskirche war früher der alte Dom von Mainz. Bilderstrecke

          Vor der Öffnung des Grabs nahmen der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, an einer ökumenischen Andacht teil. Angesichts eines Vorgängers als Mainzer Bischofs sei es „bewegend, dass wir Teil einer Glaubensgeschichte sind, die auch in die Zukunft geht“, sagte Kohlgraf. Jetzt sei er gespannt auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse. „Dies ist auch ein geistliches Erlebnis“, sagte Jung. „Wir sind konfrontiert mit Vergänglichkeit und Hoffnung.“

          Weitere Themen

          Das bedeutet die Pleite für das Rhein-Main-Gebiet

          Thomas Cook : Das bedeutet die Pleite für das Rhein-Main-Gebiet

          Die Insolvenz des Reiseanbieters Thomas Cook trifft nicht nur die britische Tourismusbranche. Am deutschen Stammsitz arbeiten 1300 Personen, die Konzerntochter Condor beschäftigt Tausende Mitarbeiter im Rhein-Main-Gebiet.

          Topmeldungen

          Vor UN-Klimagipfel : Jetzt muss endlich gehandelt werden

          Angela Merkel und ihre Regierung reisen mit einem Plan nach New York, mit dem sie nicht als Vorkämpfer fürs Klima zurückkehren werden. Nur guten Willen zeigen – das genügt nicht mehr. Die neuen Klimaberichte sind alarmierend.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.