https://www.faz.net/-gzg-7t83c

Tattoo-Entfernung : Die Jugend geht, die Sünde bleibt

  • -Aktualisiert am

Zeit der Leiden: Das Entfernen einer Tätowierung ist schmerzhafter als das Stechen, sogar beim Lasern. Bild: Kaufhold, Marcus

Eine Tätowierung loszuwerden ist teuer, schmerzhaft und langwierig. Ein Laser im Gesundheitszentrum Kelkheim verspricht bessere Ergebnisse.

          5 Min.

          Zu jeder Tätowierung lässt sich eine Geschichte erzählen. Manche gehen gut aus, andere enden misslich. Emanuel Lorenz’ Geschichte gehört zu Letzteren: Vor fünfzehn Jahren ließ sich der heute Siebenunddreißigjährige, damals Kung-Fu-Sportler und fasziniert von fernöstlicher Kultur, sein chinesisches Sternzeichen tätowieren. Seither windet sich ein schlangenförmiger Drache sein rechtes Schulterblatt entlang. Vor etwa vier Jahren ließ er den Drachen durch ein Motiv erweitern, das laut Lorenz etwas zwischen „Sonne, Spirale und Strudel“ darstellen und den ganzen Rücken bedecken sollte. Doch was der Tätowierer in seine Haut stach, gefiel ihm ganz und gar nicht. Lorenz brach ab, nachdem ein Viertel seiner Rückseite von dunklen, windmühlenähnlichen Flügeln bedeckt war.

          Doch die Spuren des gescheiterten Projekts wieder loszuwerden ist nicht einfach. Die wenigen Möglichkeiten sind schmerzhaft und kosten viel Geld. Das Tattoo kann zum Beispiel aus der Haut geschnitten oder abgeschliffen werden, wie Falk Ochsendorf, Leitender Oberarzt der Dermatologie am Uniklinikum Frankfurt, sagt. Doch je tiefer die Farbpigmente lägen, desto tiefer seien dann auch die Narben. Zudem bergen die Methoden nach seinen Worten „geringstenfalls“ Risiken wie unvorhersehbare Narbenbildung oder Infektionen. Die beliebteste Methode ist auch deswegen die Behandlung mit dem Laser, Lorenz findet sie weniger „martialisch“.

          „Roch mich selbst als Barbecue“

          Etwa 800.000 Deutschen, das sind rund zehn Prozent der Tätowierten, geht es wie Lorenz. Sie sind unzufrieden mit der Tätowierung und würden sie gern entfernen lassen. Manchmal aus beruflichen Gründen, weil das Motiv aus der Jugend nicht mehr dem persönlichen Geschmack entspricht oder ganz einfach weil der Name der Ex-Frau verschwinden soll. Das Tattoo verblasst im Gegensatz zur Liebe nicht, und so haben sich im vergangenen Jahr fast eine halbe Million Tätowierte einer Laserbehandlung unterzogen.

          Lorenz entschied sich zunächst für die Therapie mit einem gütegeschalteten Neodym-Yag-Laser. Doch starke Blasenbildung und Schmerzen zwangen ihn zum Abbruch. „Ich habe mich selbst als Barbecue gerochen“, sagt er. Seine Mutter hörte von einem neuen Laser, der im Vergleich zu herkömmlichen Geräten weniger Schmerzen und bessere Ergebnisse bei weniger Sitzungen versprach. Lorenz fuhr in das Gesundheitszentrum Kelkheim und ließ sich in der dermatologischen Praxis von Matthias Bonczkowitz mit dem Pikosekundenlaser behandeln. Ein Versuch zeigte, dass weniger Nebenwirkungen auftraten. Seitdem fährt Lorenz alle vier bis fünf Wochen von Kaiserslautern in die Gemeinschaftspraxis Hautmedizin Kelkheim.

          Etwa sechs Sitzungen nötig

          Die Praxis ist die einzige in Hessen, die mit der Picosure-Technik arbeitet. In Deutschland setzen vier weitere Praxen in Nürnberg, Trier, Bochum und Hamburg den Laser ein. Seit Juli vergangenen Jahres arbeitet Bonczkowitz mit dem Gerät, seitdem lasern er und seine Kollegen „im großen Stil“, wie der Dermatologe sagt. Bislang ließen um die 250 Patienten in etwa 650 Sitzungen ihre Tätowierungen entfernen. Die meisten Patienten sind zwischen 25 und 40 Jahre alt, viele sind angehende Polizisten oder Stewardessen, denen keine sichtbaren Tätowierungen erlaubt sind, wie der Dermatologe sagt. Je nach Größe und Farbe, Intensität und Tiefe des Tattoos dauern die Sitzungen zwischen fünf und 20 Minuten. Etwa sechs Behandlungen sind nötig, bis ein Tattoo verschwunden ist - mit dem Pikosekundenlaser sinkt die Zahl der Sitzungen damit um ein Drittel bis die Hälfte, wie Bonczkowitz sagt. Statt 25 Sitzungen seien heute manchmal nur zehn nötig.

          Dennoch gilt auch beim Pikosekundenlaser: Bunte Tattoos, die von Profis gestochen wurden, machen mehr Sitzungen nötig, wie Ochsendorf sagt. Die Pigmente lägen tiefer in der Haut, und je nach Laser würden nur bestimmte Farben „erkannt“. Die Farben Gelb, Rot und Weiß seien schwieriger zu entfernen, sagt Bonczkowitz. Der Pikosekundenlaser könne vor allem bei Grün- und Blautönen bessere Ergebnisse erzielen als die vorherige Technik. Für rote Farben setze er aber noch immer den Neodym-Yag-Laser ein.

          Weitere Themen

          Schutz und Schmuck – alles für  die Füße

          Schuh-Design : Schutz und Schmuck – alles für die Füße

          Von Sitzschuhen, Erotik und linken Füßen, von Shakespeare, Balzac und „Sex and the City“: Das Deutsche Ledermuseum in Offenbach erzählt die Kulturgeschichte nicht nur des Schuhs.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.