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Tanja Ariane Baumgartner : Von den Farben der Musik

Schokolade tut der Stimme gut: Noch mehr aber liebt Tanja Ariane Baumgartner ihre Arbeit. Bild: Wonge Bergmann

Fleißig war sie immer, spannend bleibt es allemal: die Mezzosopranistin Tanja Ariane Baumgartner.

          Wenn sie Zeit hätte, würde sie vielleicht auch mal wieder Geige üben. Aber die Zeit und Tanja Ariane Baumgartner haben ein merkwürdiges Verhältnis zueinander. Wer die Agenda der Mezzosopranistin betrachtet, kommt aus dem Staunen kaum heraus: Gestern die „Carmen“ in Basel, heute die Emilia in „Otello“ in Frankfurt, morgen mal kurz unter der Leitung von Kent Nagano in Berlin eine konzertante Judith in „Herzog Blaubarts Burg“, eine Rolle, die sie eigens einstudiert hat, dann „L’amico Fritz“ in der Alten Oper - Baumgartners Tage scheinen 48 statt der üblichen 24 Stunden zu haben.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für viel anderes als das Singen allerdings hat die Mezzosopranistin kaum Zeit. Wandern? Ja, gern, wenn sie mal ein paar Tage Ferien macht in ihrer „Herzensheimat“ Luzern. Ansonsten sind die raren Nischen freier Zeit für Freunde reserviert, und ab und an fürs Shoppen - das baut Stress ab und macht Spaß. Dass Baumgartner ein Händchen für Mode hat, dürfte die Freude an ihrer jüngsten Rolle an der Frankfurter Oper noch vergrößert haben. Ihr sensationelles Abendkleid, über und über mit Strass bestickt, stammte von Christian Lacroix, der Vincent Boussards Inszenierung von Cileas „Adriana Lecouvreur“ opulent ausgestattet hat.

          Sechs Stunden am Tag üben

          Als Fürstin von Bouillon erntete Baumgartner wahre Beifallsstürme, die Rolle der Nebenbuhlerin und Giftmörderin der Diva Adriana machte sie zur Charakterstudie einer vergeblich liebenden, leidenschaftlichen Frau. Böse Frauen seien ohnehin besonders interessant, sagt Baumgartner: „Weil ich immer zeigen will, warum sie so sind - es geht meist um einen Überschwang von Gefühl, der dann in ein falsches Ventil gerät.“

          Wenn sie sich in eine Rolle einarbeitet, geht sie zunächst tief an die Wurzeln ihrer musikalischen Ausbildung. Das Üben, sechs Stunden am Tag, war schon für die Jugendliche normal und ist Baumgartner in Fleisch und Blut übergegangen. „Fleißig war ich immer“, sagt sie mit einer Mischung aus heiligem Ernst und leiser Ironie über sich - was die Sache mit der Zeit einigermaßen erklärt und auch das Credo der Sängerin: „ Man lernt nur durch Arbeit. Dafür muss man tun, tun, tun.“ Geige hat sie erst studiert, das Fach an der Hochschule in Freiburg auch abgeschlossen. Doch während des Studiums stellte sie fest, dass das Geigenspiel das „falsche Medium“ für ihren musikalischen Ausdruck sei, und fand zur Stimme, die, wie sie lakonisch sagt, „immer schon da war“. Schließlich hat der Vater, ein Lehrer, im heimischen Rheinfelden an der deutsch-schweizerischen Grenze jahrelang Chöre geleitet, die Tochter sang, seit sie sprechen konnte, und spielte schon im Kindesalter Musiktheater mit den Freundinnen im Kinderzimmer. Dennoch war es eine Volte, von der Geigerin zur Mezzosopranistin zu werden.

          Eine Art Häutung

          Dass die Stimme, die Fähigkeit zum gesanglichen Ausdruck, eine Art Alter Ego sei, um das es sich bisweilen höchst fürsorglich zu kümmern gilt, ist Last und Lust zugleich. „Singen ist wie Leistungssport“, sagt Baumgartner. Gute Kondition, ausreichend Schlaf und Rücksicht auf das Instrument sind Pflicht - immerhin hat die zierliche Sängerin einen Genuss entdeckt, der ihrer Stimme „extrem gut“ gefällt: dunkle Schokolade. Mit einem Pied-à-terre in der Schweiz nicht die schlechteste Leidenschaft. Der Lohn für die Disziplin liegt im Singen selbst - wobei ihr die Ausbildung zur Geigerin vor allem bei zeitgenössischen Werken zupasskommt. An der Musikhochschule schienen ihr die Sänger die „Exoten“ zu sein: „Die hörten CDs an, während wir Partituren studierten.“

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