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Tag der offenen Tür im Römer : Kuchen backen mit dem Stadtrat

  • -Aktualisiert am

Wandelhalle: Auch der Kaisersaal war zu besichtigen. Bild: Kaufhold, Marcus

Beim Tag der offenen Tür können die Bürger viel sehen, aber nicht überall hinein. Dafür dürfen sie um schöne Bleistifte würfeln.

          3 Min.

          Das wichtigste Büro im Römer ist leer, die Türen stehen offen. Leider versperrt eine Metallkette den Zutritt. Das Arbeitszimmer von Oberbürgermeisterin Petra Roth ist sozusagen halboffen. Das ist nicht optimal für einen Tag der offenen Tür. Zumal die CDU-Politikerin gar nicht im Rathaus ist. Am Samstag nicht und am Sonntag auch nicht, weil sie da lieber zum letzten Heimspiel der Eintracht geht als zu den vielen tausend Gästen im Römer. Das ist natürlich schade. In zwei Monaten endet die lange Amtszeit der Oberbürgermeisterin, und viele Besucher hatten auf einen letzten Plausch gehofft.

          Ein Asiate macht ein Foto durch die offenen hölzernen Flügeltüren hindurch. Der Bildausschnitt zeigt einen glänzenden Konferenztisch, in dessen Mitte ein lilafarbenes Blumengesteck steht. Der weiße Schreibtisch der Oberbürgermeisterin ist blank, keine einzige Akte, keine Vorlage, keine Bittschrift, kein Schmierzettel, kein Taschentuch, nichts. Nur die gerahmten Fotos auf der Fensterbank deuten darauf hin, dass hier noch regelmäßig jemand arbeitet.

          „Dialogbäckerei“

          Ein Tag der offenen Tür ist eine Verheißung. Denn was an diesem speziellen Tag offen ist, muss sonst verschlossen sein, sonst wäre ein solcher Tag ja ziemlich sinnlos. Offen ist deshalb auch der Plenarsaal. Wo sonst die Stadtverordneten tagen, sitzen an diesem Sonntagmittag zirka 50Bürger. Gleich tritt Michael Quast auf, er heißt die Besucher willkommen zu einem „interaktiven Planungswerkstätten-Bürgerdialog“, einer feinen Persiflage auf den Bürgerbeteiliungswahn, der immer mehr Politiker erfasst, weil sie sich immer weniger trauen, wichtige Fragen selbst zu entscheiden. Quast, assistiert von einer stöckelnden, „Manon“ genannten Dame im Mini-Minirock, will sich aber nur mit echten Frankfurtern über den Bürgerhaushalt und eine Bürgerbeteiligungshymne unterhalten. „Alle Nichtfrankfurter bitte ich in eine Ecke. Sie können da einen Umlandverband gründen.“

          Neben dem Kaisersaal bläst Dezernent Volker Stein in einen weißen Plastikhandschuh. Der FDP-Mann steht hinter dem Tresen der „Dialogbäckerei“, wo Bürger eine Stunde lang mit fünf Politiker backen und über Politik sprechen sollen, dürfen oder müssen. Einer der fünf in diesem Durchgang ist Stein. Weil ihm der Handschuh nicht gleich über die Pranke passt, will er ihn mit Atemluft weiten. Nach einigem Gezerre sitzt das Teil. Stein grinst. Die erste Bürgerfrage kommt von einem Herrn im türkisfarbenen T-Shirt der Verkehrsbetriebe, der vorhin noch im Erdgeschoss den VGF-Stand betreut hat. „Mich nerven teils die Radfahrer“, sagt er. Wahrscheinlich ist er Busfahrer.

          SPD und Linke sind sich sehr, sehr nah

          Wenig weiter haben die Fraktionen ihre Stände aufgebaut. Wie es sich gehört, reihen sie sich der Stärke nach hintereinander. Die CDU steht also ganz vorn, hat aber als einzige kein Holzhäuschen, sondern ein etwas mickrig, dafür modern aussehendes Pult. Der Chef ist da, Helmut Heuser. Er hat noch viel zu tun. Drei Stunden lang wird er für seine Partei einen vollbesetzten Bus durch Frankfurt begleiten und die Gäste währenddessen über neue Bauprojekte und andere Pläne der schwarz-grünen Koalition informieren.

          Die Ballons sehen sich ähnlich. Sie sind knallrot und mit Gas gefüllt, und weil die SPD und Die Linke ihre Stände nebeneinander haben, entsteht der Eindruck, beide Parteien seien sich sehr, sehr nah. Lothar Reininger von der Linken verteilt Postkarten. Die Rückseite verspricht einen Gutschein für einen Gratis-Kaffee in den Fraktionsräumen. Am Samstag haben sich vormittags etwa 100Rentner eingefunden, wie Reininger sagt. Er glaubt, dass die meisten sich sonst keinen Kaffee leisten können. Vielleicht ist der Fraktionskaffee aber auch einfach überragend.

          Alles, was Frankfurt ausmacht

          Im Erdgeschoss stellen sich die Ämter und städtischen Gesellschaften vor. Am VGF-Stand bekommt ein junger Mann vier klobige Holzwürfel in die Hand gedrückt. „Geht um ein Plüschtier“, sagt ein Mitarbeiter. Nach einem etwas intransparenten Vorgang und drei Würfelgängen ist daraus leider nichts geworden. „Kugelschreiber, Bleistift oder Schlüsselband“, fragt der Mitarbeiter. Der junge Mann nimmt den Bleistift. Nikolaus Münster schlendert derweil bester Laune durch die Gänge. Der Chef des Presse- und Informationsamts hat den Tag der offenen Tür mit seinem Team organisiert. Mit dem Zuspruch ist er zufrieden.

          In der Dialogbäckerei hat Stadtrat Stein als erster seine Torte fertig dekoriert. Was von oben aussieht wie grünes Marzipangeschnipsel ohne Sinn, ist nach Steins Meinung ein phantastisches Scherenschnittpotpourri aus Goethes Kopf, der Römer-Silhouette und einem Bembel geworden. Alles, was Frankfurt ausmacht. Auf einer einzigen Torte.

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