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Tag der Architektur : Masse mit Klasse

Zugespitzt: das Rathaus in Großkrotzenburg. Bild: Christoph Rokitta

Beim Tag der Architektur werden gelungene „Alltagsbauten“ vorgestellt. Am Wochenende öffnen 145 Gebäude in ganz Hessen, die sonst nicht zugänglich sind, ihre Türen.

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          Die Gelegenheit, ein Rathaus zu bauen, kommt höchst selten. Außer den Kirchen ist der Verwaltungssitz vielleicht der einzige Gebäudetyp, der den Anspruch, als Mittelpunkt und Repräsentanz des öffentlichen Lebens überdauern zu müssen, schon in sich trägt. Der Berliner Architekt Andreas Schwarz hat in Großkrotzenburg die einmalige Gelegenheit genutzt. Sein Rathaus strahlt Würde aus und lädt dazu ein, betreten zu werden. Das steile Satteldach knüpft an den Bautyp historischer Rathäuser an, die großen Fenster vermitteln zwischen innen und außen. Den Passivhaus-Standard sieht man ihm kaum an - zum Glück.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie immer geht es beim Tag der Architektur um gute Alltagsarchitektur. „Denn sie bestimmt unser Leben und unsere Umwelt letztlich weit mehr als ein extravagantes Bauwerk“, schreibt Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der hessischen Architekten- und Stadtplanerkammer, im Vorwort zum Programm. 145 Bauten, die sonst nicht zugänglich sind, öffnen diesen Samstag und Sonntag in ganz Hessen ihre Türen: vom Wohn- bis zum Geschäftshaus, von der Schule bis zum Firmengebäude, vom Kiosk bis zum Gemeindezentrum.

          Fertighaus-Riese beweist Klasse trotz Masse

          Abseits vom seltener werdenden kubischen Einerlei weißer Einfamilienhäuser mit Flachdach ist viel Geschosswohnungsbau vertreten. Auf dem Frankfurter Riedberg etwa zeigen Albert Speer & Partner, Stefan Forster und auch der Fertighaus-Riese Bien-Ries, wie man Masse mit ansprechender Gestalt verbindet.

          Und wenn es doch einmal ein Einfamilienhaus ist, demonstrieren Busch + Liebig Architekten, dass es nicht Pseudo-Bauhaus-Langeweile sein muss: Ihr spitzgiebliges Holzhaus in Neunkirchen im Odenwald steht mitten auf einer Wiese und verfügt passenderweise über eine hochmoderne Grasdämmung. Sozusagen das erste Biohaus Deutschlands. Auch besonders gelungene Sanierungen sind zu bestaunen. Das Haus der Begegnung in Kronberg stammt aus den fünfziger Jahren und wurde von Werkum Architekten wiederhergerichtet, dem Palmengarten-Gesellschaftshaus hat das Büro von David Chipperfield zu neuem Glanz verholfen. Vielen Architekten geht es nicht nur um Selbstverwirklichung im Neubau, sondern auch um das Perfektionieren des Bestands.

          Das Haus der Begegnung in Königstein im Taunus.
          Das Haus der Begegnung in Königstein im Taunus. : Bild: Christoph Rokitta

          Andere fügen sich ein: Die Mensa der Georg-Büchner-Schule in Darmstadt wirkt aus der Distanz betrachtet fast wie saniert, ist aber frisch entstanden. Opus Architekten haben sich an dem benachbarten Schulbau von Hans Schwippert aus den sechziger Jahren orientiert und Ausdruck und Material übernommen. Besonders spektakuläre Sonderbauten sind bei der Auswahl mit einer Ausnahme nicht dabei: Der architektonisch durchaus umstrittene Tower 185 von Christoph Mäckler kann in Frankfurt besichtigt werden.

          Unter www.akh.de/baukultur/tag-der-architektur finden Sie Programm, Öffnungszeiten, Veranstaltungen, Angebote für Kinder und Führungen.

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