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Handarbeit für den Hausstumpen

Text von MARKUS SCHUG, Fotos von SAMIRA SCHULZ

1. September 2020 · Nicht zum Rauchen verführen will das Tabakprojekt in Lorsch, sondern an die mehr als 300 Jahre alte und die Region prägende Zigarrenproduktion erinnern. Deshalb bewirbt man sich auch als Immaterielles Kulturerbe.

Wie ihre Zigarre, die „Lorsa Brasil“, schmeckt, wissen nur die wenigsten der Helfer, die sich im August zur Tabakernte auf dem etwa 1000 Quadratmeter großen Feld bei Lorsch eingefunden haben. Denn die Raucher sind „mit vielleicht 20 Prozent“ klar in der Minderheit unter den 30 Frauen und Männern, die sich seit 2013 an der südhessischen Bergstraße darum bemühen, die Erinnerung an die mehr als 300 Jahre währende Tradition des Tabakanbaus und der Zigarrenherstellung wachzuhalten. Die Vermutung, dass es den ehrenamtlich tätigen Pflanzern des Heimat- und Kulturvereins womöglich nur darum gehe, sich als Selbstversorger auf günstige Art und Weise mit Rauchware zu versorgen, ist also unbegründet.

Die Beteiligten selbst sprechen von einer „Hommage an eine Pflanze, die Stadt und Region entscheidend geprägt“ habe; dies vor allem zwischen 1860 und 1983. Phasenweise gab es in der heute als Unesco-Welterbe bekannten Stadt dereinst mehr als 50 kleine und fünf große Zigarrenfabriken. Auf gut 100 Hektar wurde zu Spitzenzeiten von nahezu allen Familien im Ort Tabak angebaut und verarbeitet: also getrocknet, fermentiert und später dann gefüllt und gerollt. Das war für viele Lorscher ein lohnenswertes Zusatzgeschäft.

Nur die besten Blätter: Bernhard Blume bringt die Ernte zum Trocknen zum Hof in Lorsch.
Nur die besten Blätter: Bernhard Blume bringt die Ernte zum Trocknen zum Hof in Lorsch.

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