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Syrische Opposition in Frankfurt : Anwältin des Assad-Widerstands

  • -Aktualisiert am

Trauer aus der Ferne: Exil-Syrer nehmen am Samstag an einem Flashmob auf der Zeil teil, um gegen das brutale Vorgehen des Assad-Regimes zu protestieren. Bild: Rüchel, Dieter

Nicht nur in Homs, auch in Frankfurt kämpft die syrische Opposition gegen das dortige Regime. An der Spitze steht die Juristin Nahla Osman.

          Einen Tag, nachdem Nahla Osman in Mainz zum ersten Mal gegen das Assad-Regime demonstriert hat, klingelt das Telefon. Ihre Tante aus der syrischen Stadt Aleppo ist am Apparat. „Was auch immer ihr tut, hört auf damit“ sagt sie, „die Regierungsleute fragen nach euch.“

          Neun Monate sind seit dem Anruf vergangen. Aber Nahla Osman hat nicht aufgehört. Sondern Demonstrationen organisiert, Infozettel verteilt, Unterschriften gesammelt, mit Passanten und Politikern diskutiert, Augenzeugen und Flüchtlinge getroffen. Und sie hat sich dem Aktionsbündnis „Freies Syrien“ angeschlossen, einer Gruppe von Regierungsgegnern, die sich über das soziale Netzwerk Facebook organisiert. „Dort versuchen wir, die Kräfte verschiedener Akteure zu bündeln und Kontakt nach Syrien zu halten“, sagt die 33 Jahre alte Rechtsanwältin, die als Kind syrischer Einwanderer in Rüsselsheim aufgewachsen ist.

          Angst, sich öffentlich zu engagieren

          Der Kampf gegen das Regime von Baschar al Assad bestimmt seit Monaten ihren Alltag. So auch an diesem Tag. Bei niedrigen Temperaturen steht Osman vor der Frankfurter Universitätsbibliothek, den schmalen Körper in einen langen Wintermantel gehüllt, das Haar unter einem olivfarbenen Kopftuch verborgen. Zwischen den getuschten Wimpern suchen ihre blaugrünen Augen den Platz ab. Die Mitglieder der Gruppe wollen sich hier treffen, um ihr Vorgehen zu planen. Doch ihr Beitrag zur Revolution verspätet sich. Eine halbe Stunde nach der vereinbarten Zeit ist außer ihrer 19 Jahre alten Nichte Sarah noch niemand da. Dafür rattern und blinken die Smartphones der beiden Frauen im Minutentakt, ein neuer Treffpunkt wird vereinbart - auf Deutsch, Englisch, Arabisch.

          Hinter der blauen Tür von Uni-Seminarraum 127 kommen sie schließlich zusammen. Fünf Frauen und acht Männer, einige kennen sich schon, andere sind zum ersten Mal hier. Obwohl viele Syrer mit dem Aufstand in ihrer Heimat sympathisieren, haben sie Angst, sich öffentlich zu engagieren. Stattdessen spenden sie Geld, bekunden online ihre Solidarität und verbreiten Informationen im Internet. Ihre Namen und Gesichter bleiben unbekannt. „Aus Angst“, sagt Osman. Assads Spitzel seien auch hier unterwegs. Erst vor einigen Tagen wurden zwei Männer in Berlin verhaftet und mehrere Botschafter ausgewiesen. „Wer nicht um sein eigenes Leben bangt, hat Angst um die Familie in Syrien“, sagt die Juristin. Sie sei keine Ausnahme. Einer ihrer Cousins musste in die Türkei fliehen, die Tanten werden bedroht. Sie selbst wurde mit einem Einreiseverbot belegt. „Mehr blüht mir hoffentlich nicht“, sagt Osman, die keine Angst haben will.

          Jedes Jahr nach Syrien geflogen

          Aufgeben kommt für die Anwältin nicht in Frage. Schon ihr Vater hat sich in den Achtzigern gegen das Assad-Regime aufgelehnt und gegen das Massaker an den Muslimbrüdern in Hama protestiert. Seitdem darf ihr „Baba“, wie Osman den Vater liebevoll nennt, nicht mehr in seine alte Heimat einreisen. Mit 17 kam er nach Deutschland, um hier zu arbeiten. Er blieb für immer. Jetzt ist der alte Mann stolz auf seine Tochter und deren fünf Geschwister, die sich alle im Widerstand engagieren. Er träumt davon, doch noch einmal durch Aleppos Gassen zu schlendern, sollte die Revolution Erfolg haben. „Das wünsche ich mir sehr“, sagt seine Tochter, die in Deutschland geboren und aufgewachsen ist.

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