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Wehen Wiesbaden : „Nur etwas zu gewinnen“

  • -Aktualisiert am

Bekanntes Gesicht: Heinz Lindner, der bis Sommer 2017 in Frankfurt spielte, meldet sich zurück im hessischen Fußball. Bild: Jan Huebner

Wehen Wiesbaden setzt im Kampf gegen den Abstieg auf die Hilfe von Heinz Lindner. Auf den früheren Keeper der Eintracht wartet in Stuttgart die erste Bewährungsprobe.

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          Heinz Lindner – der Name des österreichischen Torhüters hat die Verantwortlichen des SV Wehen Wiesbaden von der ersten Sekunde an elektrisiert. Auf der Suche nach einem erfahrenen Torwart, die zügig abgeschlossen werden musste, waren Sportdirektor Christian Hock und seine Mitstreiter auf den 29-Jährigen gestoßen. Anfangs hatten sie jedoch wenig Hoffnung, den ehemaligen Eintracht-Profi und 28 maligen Nationalspieler in die hessische Landeshauptstadt locken zu können. Denn den Marktwert von Lindner gibt „transfermarkt.de“ mit 3,5 Millionen Euro an. Eigentlich zu viel für die gängige Gehaltsklasse beim Aufsteiger. Aber ein Gespräch mit dem Torhüter zeigte Hock, dass dieser zu einem Wechsel bereit ist. Und mit dessen Berater wurde sich der Tabellenletzte der Zweiten Fußball-Bundesliga auch ziemlich schnell einig. Am Mittwoch verkündeten die Wiesbadener den Transfer, der für ihre Maßstäbe bemerkenswert ist: Lindner erhält einen Vertrag bis zum Ende der laufenden Runde. Er kommt ablösefrei, weil er seit Sommer dieses Jahres ohne Verein war.

          „Wenn sich die Möglichkeit ergibt, einen Torhüter der Güte von Heinz Lindner zu verpflichten, dann musst du diese Chance nutzen“, sagt Trainer Rüdiger Rehm. Die Wiesbadener waren unter Zugzwang. Denn mit Jan-Christoph Bartels hatte sich die nominelle Nummer zwei schwer verletzt. Ausgerechnet bei seinem ersten Einsatz am Freitag gegen Osnabrück (2:0) zog sich der 20-Jährige schon nach wenigen Sekunden einen Sehnenriss zu und fällt mehrere Monate aus. Rehm sprach von einer „unheimlichen Tragik, das ist ja Wahnsinn“, meinte der Fußballlehrer in einer emotionalen Reaktion. Das Pech des Junioren-Nationaltorhüters, der auf dem Sprung zur Nummer eins war, bietet Lindner nun wieder die Möglichkeit, aktiv ins Geschehen einzugreifen und im deutschen Fußball auf sich aufmerksam zu machen. In der Schweiz war er mit dem Grasshopper Club Zürich nach einer turbulenten Saison in die zweite Liga abgestiegen. Der gebürtige Linzer, der in seiner Fußball-Vita mit Austria Wien auch Erfahrung in der Champions League vorweisen kann, hatte in schweren Zeiten immerhin mit guten Leistungen überzeugt. Sein ehemaliger Trainer Uli Forte ging daher davon aus, dass sich Lindner seinen kommenden Klub „aussuchen“ könne. Ganz so war es nicht. Lindner wurde zwar zum Beispiel bei Fortuna Düsseldorf oder Klub in England gehandelt, aber zu einem Vertragsabschluss kam es nicht.

          „Ein sehr schwieriger Sommer“

          „Für mich war es ein sehr schwieriger Sommer, den ich mir so nicht vorgestellt habe“, sagte Lindner in einem Vereinsinterview. Mit einer neuen Aufgabe habe es „leider länger gedauert, als erwartet“. Zuletzt hielt er sich in seiner Heimat mit dem ehemaligen Torwarttrainer der österreichischen Nationalmannschaft in seiner Heimatstadt Linz fit. Das bezeichnet Lindner als „Riesenglück“. Seit Mittwoch trainiert er nun bei den Wiesbadenern mit – und steht womöglich gleich vor seiner ersten, herausfordernden Bewährungsprobe an diesem Freitag (18.30 Uhr) in der Begegnung beim Tabellenführer VfB Stuttgart. Zum Spieltags-Kader, das ließ Rehm bereits durchblicken, wird Lindner wohl gehören. Ob dieser auch ohne Anlaufzeit das Tor hüten wird, macht sein Trainer vor allem von den Eindrücken in den Übungseinheiten abhängig. Dort schlüpfte Lindner als lautstarker Dirigent seiner Vorderleute schon in die Rolle des Führungsspielers. „Das wird ein tolles und interessantes Spiel. Wir haben nur etwas zu gewinnen“, sagt Lindner im Hinblick auf das Duell mit dem Ligaprimus. Sein neuer Torwartkollege Lukas Watkowiak hatte nach seiner frühen Einwechslung gegen Osnabrück einen ordentlichen Eindruck hinterlassen. Nur in den Partien davor hatte er seinen Anspruch auf die Nummer eins nicht untermauern können.

          Lindner konnte sich in den Jahren zwischen 2015 und 2017 bei der Eintracht nicht durchsetzen. An Lukas Hradecky gab es für ihn damals kein Vorbeikommen. Obwohl es ihm mit nur zwei Einsätzen in der Bundesliga und einem im DFB-Pokal nicht gelang, sportlich Spuren zu hinterlassen, war Lindner im Mannschaftskreis mit seiner positiven Art sehr angesehen. Ärger machte er als Ersatzspieler nie. Stattdessen hielt Lindner immer den Teamgedanken hoch. Und mit Hradecky verband ihn sogar eine Freundschaft. „Es war eine sehr schöne Zeit in Frankfurt“, sagt Lindner heute. In Wiesbaden ist der ehemalige Eintracht-Profi Stefan Aigner nun sein alter, neuer Mannschaftskollege.

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