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Hoffnung für Wiesbaden : Aufbruchstimmung am Tabellenende

  • -Aktualisiert am

Soviel steht fest: Auf Rüdiger Rehm und den SV Wehen kommen aufregende Tage zu. Bild: dpa

Zwei Siege machen Wehen Wiesbaden Hoffnung. Aber die Angst vor dem Abstieg lässt nicht nach. Der Stresstest geht weiter.

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          Platz 18 – tiefer kann der Aufsteiger aus Wiesbaden in der Zweitliga-Tabelle nicht fallen. Aber die aktuelle Gefühlswelt der Wiesbadener entspricht nicht der mauen sportlichen Realität. Trotz großer Abstiegsgefahr tragen sie neuerdings den Kopf hoch, ihre Brust ist wieder breiter geworden. Aufbruchstimmung statt Frust: Mit den beiden Siegen gegen den Erstliga-Absteiger VfB Stuttgart (2:1) und den Mitaufsteiger VfL Osnabrück (2:0) wähnen sich die Wiesbadener endlich auf dem richtigen Weg. Gefühlt sind sie jetzt angekommen in ihrer neuen Fußball-Heimat. Bereit für die große Kraftanstrengung in den kommenden Monaten, an deren Ende der Klassenverbleib als Krönung stehen soll.

          Die Wiesbadener haben vielleicht gerade noch rechtzeitig eine Kurskorrektur vollzogen. Aber nicht so, wie es in der Branche bei anhaltender Erfolgslosigkeit üblich ist. Rüdiger Rehm ist ihr Trainer geblieben. Der eine geholte Punkt nach sieben Spieltagen war den Verantwortlichen nicht zu wenig, um sich von dem 40-Jährigen zu trennen. Als Aufstiegstrainer genießt Rehm reichlich Kredit. Und die Zusammenarbeit mit ihm hat gezeigt, dass es Sinn macht, Krisensituationen gemeinsam durchzustehen. Bisher hat Rehm in den vergangenen Jahren in Wiesbaden immer die Wende geschafft. Das ist ein Vorteil gegenüber den anderen in der Krise steckenden Klubs. Der misslungene Start in die Saison mit den vielen, teilweise ganz bitteren Rückschlägen hätten Trainer und Mannschaft noch enger zusammengeschweißt, sagt Rehm. Tiefe Risse hat die Gemeinschaft nie bekommen. Auch wenn Rehm sehr deutlich werden kann, ist er in der Lage, im eigenen Lager Misserfolge zum Wohl des großen Ganzen zu moderieren. Das befähigt ihn zur Bewältigung von problematischen Situationen. Nur zurücklehnen kann sich jetzt keiner. Der Druck besteht weiter, beim sportlichen Überlebenskampf werden die Hessen mit Rehm an der Spitze weiter einem Stresstest unterzogen werden. Der eine oder andere Erfolg hin und wieder wird in Zukunft für das große Ziel Klassenverbleib nicht ausreichen.

          Richtige personelle Entscheidungen

          Personell haben die Wiesbadener an anderer Stelle auf zwei Positionen richtig reagiert. Was die Besetzung der Mannschaft angeht, sind sie mit den jüngsten Verpflichtungen von ihrer anfänglichen Linie abgewichen. Mit Torhüter Heinz Lindner und Stefan Aigner holte der Liga-Neuling nun Bundesliga-Erfahrung ins Boot. Lindner ist 29 Jahre alt und kann auf Einsätze in der österreichischen Nationalmannschaft zurückblicken. Nach seinem erfolgreichen Debüt in Stuttgart lobten ihn die neuen Mitspieler für dessen Präsenz und Ausstrahlung auf dem Platz. Und Lindner wird weiter stark gefordert sein: Noch stellen die Hessen mit 24 Gegentreffern die schlechteste Verteidigung der Liga. Für Lindners Vorgänger zwischen den Pfosten, Lukas Watkowiak, war der Status der Nummer eins Neuland, hinzu kam außerdem, dass die zweite Liga noch nie sein Betätigungsfeld gewesen war. Aigner, der andere namhafte Neue im Kader, spielte einst wie Lindner bei Eintracht Frankfurt. Auch dem 32 Jahre alten Offensivspieler kommt jetzt die Aufgabe zu, als Führungsspieler auf dem Feld voranzugehen und damit die Widerstandsfähigkeit der Mannschaft zu stärken.

          Eines darf bei dem besser in Tritt gekommenen Zweitligaverein aber nicht passieren: Einen Ausfall von Manuel Schäffler könnten die Wiesbadener an vorderster Stelle kaum kompensieren. Mit acht erzielten Treffern in neun Spielen steht der Stürmer, der in Stuttgart zweimal traf, aktuell ganz oben in der Torschützenliste. Mit bisher insgesamt 138 Toren in 437 Pflichtspieleinsätzen ist der 30-Jährige eine Bank als Vollstrecker. Auf der Wiesbadener Galionsfigur gründen weiter große Hoffnungen, mit seiner Schussfertigkeit schon bald die Abstiegsplätze verlassen zu können. Schlecht gestartet, aber dann gut vorangekommen – das soll das neue Wiesbadener Motto sein.

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