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SV Darmstadt 98 : „Traurige Lüge“ hält „Lilien“ über Wasser

  • -Aktualisiert am

Geschenk: Der Darmstädter Kempe (nicht im Bild) erzielt per Foulelfmeter das Tor zum 1:1. Bild: dpa

Dank eines Elfmetergeschenks beträgt der Vorsprung von Darmstadt 98 auf den Relegationsrang noch fünf Punkte. Angesichts eines Siegs aus den vergangenen zehn Partien kein beruhigendes Polster.

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          Wenn man der Prämisse folgt, dass im Profifußball heutzutage ja so wahnsinnig viel auf dem Spiel stehe – hatte Marvin Mehlem nicht wirklich eine Wahl. Als Profi des SV Darmstadt 98 in einem als wegweisend erachteten Duell im Abstiegskampf bei SV Sandhausen (Endergebnis 1:1), gesenkten Blickes auf dem Rasen stehend, bedrängt von aufgebrachten Gegenspielern, befragt von einem unsicheren Schiedsrichter.

          Was war passiert? Die „Lilien“ waren mal wieder – zum zehnten Mal in Serie in der zweiten Liga – 0:1 in Rückstand geraten. Es lief wieder nicht gut, der tiefe Sturz an den Rand der Abstiegszone drohte. Da wird Mehlem in der 33. Minute vom Kollegen Serdar Dursun im gegnerischen Strafraum gut in Szene gesetzt, er hat nur noch einen Sandhäuser Gegenspieler vor sich, der ihm den aussichtsreichen Torschuss streitig machen könnte. Zweikampf, der 21 Jahre junge Darmstädter geht, wenn überhaupt hauchzart getroffen, zu Boden, ein Pfiff – Elfmeter. Weil der Linienrichter das Foul nicht anzeigte und die SVS-Spieler glaubhaft fassungslos protestierten, entschied der Unparteiische, Mehlem zu befragen, ob es wirklich ein Foul gewesen sei. Mehlem stand am Freitagabend für weitere Fragen, dieses Mal der Medienvertreter, nicht zur Verfügung. Fraglich also, welche Optionen er, wenn überhaupt, in Sekundenschnelle durchspielte in der spielentscheidenden Situation. Die eine war: interne Gratulationen und Schulterklopfer für eine persönlich gute Leistung samt herausgeholtem Elfmeter inklusive der aushaltbaren Rolle als Buhmann im beschaulichen Stadion im Hardtwald. Die andere war: intern richtig Schimpfe bekommen für die Ablehnung eines Elfmeters in bedrohlicher Lage für den Klub, seinen schon wackeligen Platz im Team weiter zu schwächen – und später einen Fairplay-Preis überreicht zu bekommen.

          Ein Elfmetergeschenk

          Mehlem bejahte gegenüber dem Schiedsrichter, gefoult worden zu sein, was sein Gegenspieler in dieser Situation, Tim Knipping, folgendermaßen kommentierte: „Wenn man dann die Respektlosigkeit besitzt, dem Schiedsrichter ins Gesicht zu lügen, dann finde ich das sehr traurig.“ Tobias Kempe verwandelte den Strafstoß sicher.

          Ungewiss, ob die „Lilien“ auch ohne das Elfmetergeschenk in der Lage gewesen wären, Sandhausen mit einem Punktgewinn zu verlassen. Weil sie 60 Minuten lang das schwächere zweier hart arbeitender, gefährdeter Teams waren. Weil sie zwar rackerten, aber weder die Probleme in der Abwehr, noch die mangelnde Durchschlagskraft im Angriff aus dem Spiel heraus in den Griff bekamen. Die beste Chance in der zweiten Halbzeit entsprang einem Freistoß vom Elfmeterschützen Kempe, den der SVS-Keeper ans Torgestänge lenken konnte (69.).

          Kein beruhigendes Polster

          Nun haben die Darmstädter in dieser Runde Erfahrung mit ergaunerten Elfmetern. Die Schwalbe von Kapitän Fabian Holland im Heimspiel gegen Ingolstadt, die ebenfalls noch ein 1:1-Unentschieden brachte, ist in frischer Erinnerung. Wäre jenes und das Match in Sandhausen verloren gegangen – die „Lilien“ wären schon jetzt tief im Abstiegsschlamassel. Fünf Punkte beträgt noch der Vorsprung auf den Relegationsrang. Angesichts eines Siegs aus den vergangenen zehn Partien kein beruhigendes Polster.

          Aus dem „Lilien“-Lager wollte niemand Stellung beziehen zu Mehlems Elfmeterszene. Cheftrainer Dirk Schuster zeigte sich zufrieden über die Leistung und den Ertrag aus einem „hochemotionalen, hochintensiven Spiel, in dem um jeden Grashalm gefightet wurde“. Und Marvin Mehlem, der Youngster im erfahrenen SVD-Team, wird sich bewusst geworden sein, dass er einen gehörigen Anteil am Teilerfolg von Sandhausen hat.

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