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SV Darmstadt 98 : Die Rückkehr des Riesen Gorka

  • -Aktualisiert am

Abwehrkante: Gegen den 1,95 Meter langen „Lilien“-Verteidiger Benjamin Gorka hat schon so mancher ein Luftduell verloren. Bild: Jan Huebner

Nach dem Aufstieg in die zweite Liga wurde der 1,95 Meter lange Innenverteidiger nicht mehr gebraucht – im entscheidenden Spiel gegen St. Pauli kommt es wieder auf ihn an.

          Am vergangenen Dienstag war es genau ein Jahr her: das „Wunder von Bielefeld“. Unter diesem Slogan hat man in Darmstadt den dramatischen Aufstieg via Relegation abgespeichert. Den 4:2-Erfolg in Ostwestfalen, der den „Lilien“ den nicht für möglich gehaltenen Aufstieg in die Zweite Fußball-Bundesliga einbrachte. Es war zugleich das letzte Spiel, in dem Benjamin Gorka und Aytac Sulu gemeinsam Abwehrdienst verrichteten. Sie waren das beste Innenverteidiger-Gespann der vergangenen Drittligasaison, ließen nur 29 Gegentore in 38 Partien zu. Ein Jahr später stellen die Südhessen eine Klasse höher wieder das widerstandsfähigste Innenverteidiger-Paar der Liga: Romain Brégerie und Aytac Sulu (26 Gegentore nach 33 Spieltagen).

          Für Gorka blieben in dieser Saison meist nur ein paar Kurzeinsätze übrig. Gemeinsam mit Sulu spielte der Abwehrhüne keine einzige Minute in der vertrauten Konstellation in der Abwehrmitte. Bis zu diesem Sonntag (15.30 Uhr), wenn es für die „Lilien“ im spannenden Saisonfinale gegen den FC St. Pauli um alles geht. Direkter Aufstieg, Relegationsrang oder Platz vier – dies alles ist möglich, wenn der Schiedsrichter gegen 17.15 Uhr abpfeift. Gorka wird dann den gelb-rot-gesperrten Brégerie ersetzen und mit Sulu wiedervereint sein.

          Nervös? „Kein bisschen“

          „Wir kennen uns bestens und wissen was wir aneinander haben“, sagt Gorka. Wenn sie schon nicht zusammen auf dem Platz agiert haben in den vergangenen Monaten, fahren sie immerhin fast täglich gemeinsam Auto. Gorka (aus Ludwigshafen kommend), Sulu (wohnhaft in Heidelberg) und Jérôme Gondorf (in Karlsruhe daheim) bilden eine Fahrgemeinschaft, treffen sich stets an einem Parkplatz und legen den restlichen Weg nach Darmstadt gemeinsam in einem Wagen zurück. Der 1,95 Meter lange Gorka darf aufgrund seiner langen Beine immer vorne sitzen.

          Dass er nun im Spiel alles oder nichts gegen St. Pauli wieder gefordert ist, lässt ihn vordergründig kalt. „Die Vorfreude ist riesig“, sagt er. Nervös? „Kein bisschen. Vor dem Spiel sind wir eh alle im Tunnel.“ Und: „Wenn es drauf ankam, war ich da. Mit mir in der Startformation haben wir kein Spiel verloren“, sagt der 31-Jährige selbstbewusst. Dreimal nur stand der kantige Verteidiger, der auf wie neben dem Platz eine Bärenruhe ausstrahlt, über 90 Minuten auf dem Platz. Zuletzt beim wichtigen 1:0-Erfolg in Karlsruhe, als er den gesperrten Sulu vertrat und mit seiner im Aufbauspiel schnörkellosen und im Zweikampf resoluten Art mithalf, das Tor zur Bundesliga weit zu öffnen. Als ihm dort nach achteinhalbmonatigem Reservistendasein nach drei Minuten ein Ballverlust in der Vorwärtsbewegung unterlief und daraus beinahe ein Gegentreffer entstand, tobte Trainer Dirk Schuster am Seitenrand. Gorka aber schüttelte sich kurz und lieferte die verbleibenden 87 Minuten ein starkes Spiel ab. „Nach der frühen schlechten Aktion habe ich mir gesagt: Jetzt weiß ich, was zu tun ist“, erzählt Gorka. „Das hat mich ruhiger gemacht.“

          Lange auf der Reservebank

          Der gebürtige Mannheimer gehört zu jener Fraktion Profis im „Lilien“-Kader, deren Karrieren vor dem Wechsel nach Darmstadt quasi dem Tod geweiht waren. Nach unerquicklichen Jahren mit kaum Einsatzzeiten in Osnabrück und Aalen holte Schusters Vorvorgänger Kosta Runjaic im August 2012 den damals arbeitslosen Gorka zum SV 98, bot ihm eine Stelle in der Innenverteidigung an. Gorka hat die wundersame Entwicklung der „Lilien“ vom Drittliga-Abstiegskandidat zum Bundesliga-Anwärter von der ersten Stunde an miterlebt und mitgeprägt. Das mag dazu beigetragen haben, dass er trotz der Zurücksetzung von sich sagt: „Diese Jahre sind die mit Abstand schönsten meiner Karriere. In dieser Saison habe ich mein Ego gerne hintangestellt. Die Jungs in der Abwehr haben das einfach gut gemacht, da konnte ich keine Ansprüche stellen.“ Coach Schuster attestierte dem Abwehrriesen stets eine ausgezeichnete Berufsauffassung und tadelloses Verhalten als Dauerreservist.

          Die Drittligasaison hatte Gorka, der einen Vertrag bis 2017 besitzt, nur mit täglichen Spritzen in seine malade linke Leiste bewältigt. Acht Monate lebte und spielte er mit Schmerzen. In der Sommerpause war dann die Operation überfällig, er verpasste weite Teile der Vorbereitung und musste sich in der Abwehrreihe hinten anstellen – bis zu diesem Sonntag, wenn er Teil der Elf ist, welche sich in der „Lilien“-Chronik einen Platz mit Goldrand verdienen könnte. „Wir wollen alles mobilisieren und alles raushauen, was wir haben. So wie wir es schon 33 Spieltage lang getan haben.“ Gelänge der Aufstieg, wäre dies, so Gorka, „der absolute Wahnsinn“.

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