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Digitale Preisschilder : Die Preise werden smart

Auslaufmodell Papier: Große Handelsketten wie Rewe stellen auf digitale Preisschilder um. Bild: dpa

Handelsketten sind dabei, Schilder aus Papier durch Digitalanzeigen zu ersetzen. Das hat Vorteile: Preise müssen nicht mehr ausgedruckt und von einem Mitarbeiter angebracht werden. Doch kommt es jetzt auch häufiger zu Preiswechseln?

          Noch arbeiten die meisten Rewe-Märkte in der Rhein-Main-Region mit Papier, doch die Umstellung läuft. Nach und nach auch bei Saturn und Media-Markt, wie die Elektronik-Handelskette nach dem Abschluss einer Testphase ankündigt. Den Unternehmen bietet die Digitalisierung viele Vorteile: Preise können zentral gesteuert und müssen nicht mehr aufwendig auf Papier ausgedruckt und von einem Mitarbeiter am Regal angebracht werden.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Um die 15.000 Artikelpreise zeigt etwa jeder durchschnittliche Rewe-Markt an. Davon müssen nach Angaben eines Sprechers jeden Tag einige hundert von Hand umgesteckt werden. Das sei nicht nur zeitaufwendig, auch sei die Fehlerquelle auf Papier sehr groß. Wegen falscher Preisauszeichnungen komme es immer wieder zu Kundenreklamationen.

          Den Verbraucherschützern ein Dorn im Auge

          Dass ein Artikel an der Kasse oft nicht den Preis kostet, der am Regal angezeigt ist, führt auch bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz regelmäßig zu Beschwerden. Digitale Preise seien in diesem Punkt akkurater, meint Rechtsreferent Christian Gollner. Mit dieser positiven Bewertung hat es sich aber auch schon. Grundsätzlich ist die Digitalisierung den Verbraucherschützern ein Dorn im Auge. Sie befürchten, dass Preise im Geschäft in Zukunft häufiger wechseln, Artikel bei steigender Nachfrage - etwa Chips und Bier vor dem Anpfiff eines bedeutenden Fußballspiels - teurer werden könnten. Ein Auf und Ab wie an der Tankstelle. „Wir wissen nicht, was passiert, aber die Versuchung ist da“, sagt Gollner.

          Verbraucherschützer sind deshalb alarmiert, weil die Digitalisierung jetzt auch im Laden erlaubt, was online schon möglich ist: Preise an den Kunden anzupassen. Dank Kundenkarte, Smartphone und der Analyse besuchter Seiten im Internet (Cookies) lassen sich genaue Nutzerprofile erstellen und die Werbung auf die Vorlieben des Nutzers abstimmen. Warum nicht auch die Preise?

          Handelsunternehmen verstehen die Aufregung nicht

          Rechtsreferent Gollner verweist etwa auf das Reiseportal Orbitz (inzwischen Expedia), dass 2012 zugeben musste, Apple-Kunden bis zu 30 Prozent teurere Angebote gemacht zu haben als Windows-Nutzern. Und die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat laut Gollner vor einem Jahr in einer Stichprobe festgestellt, dass Online-Einkäufe über den PC günstiger waren als mit dem Smartphone. Das sei eine Diskriminierung bestimmter Käuferschichten. Für Gollner stellt sich die Frage, ob die breite Masse von Angeboten profitieren kann.

          NDR-Journalisten kamen im Selbstversuch ebenfalls zu Preisunterschieden bei unterschiedlichen Endgeräten, allerdings fielen diese mal zugunsten der PCs, mal zugunsten mobiler Geräte aus. Eine Stichprobe dieser Zeitung zum Vergleich PC, Android und iPhone zeigte keine Auffälligkeiten. Die Handelsunternehmen jedenfalls verstehen die Aufregung nicht. Spekulationen, mit der Digitalisierung läuteten sie das Ende der Festpreise ein, weisen sie weit von sich. „Für die Kunden wird sich durch die technische Neuerung die Preise betreffend nichts ändern. Darüber hinausgehende Funktionalitäten sind nicht geplant“, stellt ein Rewe-Sprecher klar. Alles andere gehöre „ins Reich der Phantasie“.

          Rechtliche Hürden bei der Preisgestaltung

          Bei Saturn-Media heißt es, elektronische Preisschilder böten eine höhere Preissicherheit. Dass Preise an einem Tag geändert würden, um etwa auf Angebote eines Wettbewerbers zu reagieren - das habe es bisher auch schon gegeben. Das Handelsunternehmen will die neue Technik auch nutzen, um Kunden zusätzliche Informationen über Produkte anzubieten. Technische Daten, kleine Filmchen und Infos über einen Fernseher oder eine Waschmaschine soll der Kunde über Smartphone abrufen können, sagt ein Sprecher.

          Bei Rewe weist man auf die rechtlichen Hürden bei der Preisgestaltung hin. Das Beispiel Tankstelle hinkt nach Ansicht des Sprechers insofern, als Kunde, Zeitpunkt des Einkaufs und Preis an der Zapfsäule eindeutig zuzuordnen seien - anders als im Supermarkt, wo die Auswahl eines Artikels und die Bezahlung an der Kasse zeitlich auseinanderfielen. In diesem Zeitraum die Preise zu ändern sei „rechtlich zumindest fragwürdig“. Außerdem ist der Sprecher überzeugt: Ein Kunde, der an einem Tag für dasselbe Produkt verschiedene Preise zahlen muss, „würde diesem Supermarkt sofort und dauerhaft den Rücken kehren“.

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